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"Die Gefahr ist nicht geringer geworden"

"Die Gefahr ist nicht geringer geworden"

Die Mediziner sind sich einig: Impfung ist der beste Schutz vor Grippe. Weil die Spritze aber nicht mehr für alle gesetzlichen Versicherten bezahlt wird, fürchten die Ärzte, dass sich weniger impfen lassen.

Trier. Wie viele Menschen jedes Jahr an der echten Grippe (Influenza) sterben, weiß keiner so genau. Die Zahlen schwanken zwischen 5000 und 15 000. Grund für die Unsicherheit: Meist sterben die Betroffenen an einer Folgekrankheit, etwa Lungenentzündung, oder sie hatten vorher schon andere Krankheiten. Eine Influenza-Infektion führt daher bei diesen Personen oft zu Komplikationen, die tödlich enden können.

Influenza hat nichts mit Schweinegrippe zu tun



Fest steht aber: Die echte Grippe, eine Viruserkrankung der Atemwege, ist mehr als ein Schnupfen oder eine banale Erkältung. Wer eine Influenza hat, ist oft tagelang richtig krank, hat hohes Fieber, leidet, ist geschwächt. Die Symptome wie Muskel- und Kopfschmerzen treten meist plötzlich auf.

Wegen der seit Monaten sich ausbreitenden Schweinegrippe ist die saisonale Influenza etwas in den Hintergrund getreten. Beide Virus-Erkrankungen haben aber nichts miteinander zu tun. Während sich die sogenannte neue Grippe unabhängig von der Jahreszeit ausbreitet, tritt die Influenza vor allem im Herbst und Winter auf. Als besten Schutz gegen die Grippe sehen Mediziner die jährliche Impfung an. Der Impfstoff wird jedes Jahr an den aktuellen Influenza-Erreger angepasst. Daher muss jedesmal vor Beginn der Grippe-Saison geimpft werden. Allerdings schützt die Influenza-Impfung nicht gegen die Schweinegrippe. Dafür ist eine eigene, zweifache Impfung notwendig, die Mitte Oktober beginnen soll.

Vergangene Woche rief die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer dazu auf, sich gegen die normale Grippe impfen zu lassen. Quasi in einem Nebensatz wies die Ministerin aber darauf hin, dass in diesem Jahr erstmals nicht alle Kassen die Kosten für die Impfung für alle Versicherten übernehmen. Nur noch für sogenannte Risikopatienten bezahlen AOK, IKK Südwest und einige Betriebskassen die Grippe-Impfung. In Rheinland-Pfalz war bisher aufgrund einer Vereinbarung mit Kassen und Ärzten die Grippe-Impfung für alle gesetzlich Versicherten kostenlos. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht. Während die Barmer den rheinland-pfälzischen Versicherten die Spritze bezahlt, müssen sie die Barmer-Mitglieder in Hessen selbst zahlen.

Mediziner schlagen Alarm



Die Ärzte im Land wurden erst vergangene Woche, als die Impfungen bereits begonnen hatten, von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) informiert, dass einige Kassen die Impfung nicht mehr bezahlen. Bereits vor Monaten haben sie den Impfstoff bestellt, womöglich bleiben sie nun darauf sitzen, weil sich weniger Patienten impfen lassen. Die Mediziner schlagen Alarm: "Die saisonale Influenza ist viel gefährlicher als die Schweinegrippe", sagt KV-Vorstand und Allgemeinarzt in Trier, Michael Siegert. Die Gefahr sei in diesem Jahr nicht geringer. Patienten, die nicht zu den Risikogruppen (Ältere, chronisch Kranke, medizinisches Personal) gehören, müssen die Impfung aus eigener Tasche bezahlen. Versicherte der Ersatzkassen wie Barmer, DAK oder Techniker-Krankenkasse (TK) bekommen die Kosten von ihrer Versicherung nachträglich erstattet. Sie sollen formlos die Rechnung einreichen, heißt es.