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Die ideale Kundenkarte gibt es nicht

Die ideale Kundenkarte gibt es nicht

Das Ergebnis des Tests von 25 Kundenkarten-, Rabatt- und Bonusprogrammen in der Zeitschrift Finanztest ist ernüchternd: Kein Angebot erfüllt alle Bedingungen einer idealen Kundenkarte. Auch den Umgang mit den Kundendaten fanden die Experten nur selten akzeptabel.

Trier. (red/ftd) Die ideale Kundenkarte stellt sich Finanztest so vor: Sie ist kostenlos, bietet einen regelmäßigen messbaren Rabatt von mindestens drei Prozent, und der Rabatt wird schnell mit dem Einkauf verrechnet. Ihre Bonusbedingungen sind verständlich, und der Anbieter hält sich an die gesetzlichen Datenschutzbestimmungen.

Am nächsten kommt dem Ideal die Kundenkarte der Modefirma Adler. Das Unternehmen erfüllt mit seiner Kundenkarte die meisten dieser Bedingungen. Der Kunde bekommt drei Prozent Rabatt gutgeschrieben, ein Mindestumsatz ist nicht nötig. Den Rabattgutschein kann er beim Einkauf einlösen oder sich bar auszahlen lassen. Nur in den Regelungen zum Datenschutz stellten die Verbraucherschützer geringe Mängel fest.

Die Tester aus Berlin haben in ihrer Untersuchung geprüft, wie hoch der regelmäßige finanzielle Vorteil außerhalb von Sonderaktionen ist. Sie haben sich die Rahmenbedingungen für das Sammeln von Rabatten oder Bonuspunkten angesehen und untersucht, wie die Anbieter mit den persönlichen Daten der Kunden umgehen. Die regelmäßige Ersparnis mit den Kundenkarten im Test liegt selten über drei Prozent. Höhere Rabatte gibt es meist erst für einen hohen Mindestumsatz: Der Textilhändler Mexx gewährt zehn Prozent, wenn der Umsatz mindestens 550 Euro im Jahr beträgt. Die Kunden von SinnLeffers müssen für fünf Prozent Rabatt Bekleidung für mindestens 2001 Euro im Jahr einkaufen.

Marktführer unter den Kundenkarten sind DeutschlandCard, Miles & More sowie die Payback-Karte. Dahinter stecken Multipartnerprogramme, denen sich zum Beispiel Kaufhäuser, Lebensmittelhändler, Fluggesellschaften, Touristikfirmen und Möbelhäuser angeschlossen haben.

Rabatthöhe oft nur schwer messbar



Die Höhe der Rabatte ist bei diesen Multipartnerprogrammen schwer messbar. Denn jedes Partnerunternehmen kann selbst bestimmen, wie viel Punkte es für welchen Umsatz gutschreibt. Außerdem gibt es übers Jahr verteilt Sonderaktionen mit höheren Rabatten oder mehr Punkten als üblich.

Wer diese Aktionen regelmäßig nutzt und bei den Mitgliedsunternehmen immer wieder einkauft, kann eine beachtliche Zahl Punkte sammeln und sie als Rabatt einlösen oder in Sachprämien tauschen, urteilt Finanztest.

Ob die Sachprämien dann aber immer die Punkte wert sind, die man zur Einlösung braucht, ist schwer zu kalkulieren. Payback bot beispielsweise im Juni für 2299 Punkte - das entspricht 22,99 Euro - eine Umhängetasche "Fußballfeld" an. Für so viele Punkte müssen Interessierte zwischen 460 Euro und 4600 Euro Umsatz gemacht haben - je nachdem, ob die Unternehmen, bei denen sie eingekauft haben, ihnen Punkte mit einem Rabattwert von 0,5 , einem oder fünf Prozent gewährt haben.

Vier Anbieter in der Finanztest-Untersuchung geben keinen regelmäßigen Rabatt, sondern veranstalten Aktionen und bieten ihren Kunden mit anderen Extras einen besonderen Status gegenüber Kunden ohne Karte, zum Beispiel die Parfümeriekette Douglas und das schwedische Möbelhaus Ikea.

Nur vier korrekte Anbieter



Die datenschutzrechtlichen Vorgaben sind nur in wenigen Kundenkartenprogrammen korrekt umgesetzt: bei DeutschlandCard, bahn.bonus-Programm, Payback und Yves Rocher. Die Anbieter dieser Programme informieren ausreichend darüber, was mit den Daten ihrer Kunden passiert und holen für die Verwendung der Daten eine rechtlich einwandfreie Zustimmung der Kunden ein.

Sieben Anbietern bescheinigten die Verbraucherschützer von Finanztest dagegen erhebliche Mängel in ihren Datenschutzregeln. So beliebte Firmen wie der Elektronikhändler Conrad, die Parfümerie Douglas und Ikea fielen mit ihren Kundenbindungsprogrammen durch, weil sie im Antrag entweder zu viele Daten vom Kunden haben wollen, nicht über die Weiterwendung der Daten informierten oder sich vom Kunden keine Einwilligung zur Datennutzung einholten.

Ein Rabatt-, Bonus oder Kundenkartenprogramm lohnt sich finanziell nur, wenn man Stammkunde des jeweiligen Händlers ist. In den Mehrpartnerprogrammen Payback, DeutschlandCard und Miles & More summieren sich kleine Rabatte mehrerer Firmen zu einem nennenswerten Betrag.

Wer sich für eine Kundenkarte interessiert, die statt eines regelmäßigen Rabatts andere Vorteile bietet - zum Beispiel die Ikea Family Card oder die Douglas Card -, sollte besonders darauf achten, welche Daten im Kartenantrag abgefragt werden. Bei Statuskarten besteht eher die Gefahr, dass mehr Kundendaten als notwendig erfragt werden.

Finanztest rät: "Trauen Sie sich, beim Anbieter Ihrer Kundenkarte der Nutzung Ihrer Daten für Werbung zu widersprechen. Machen Sie nur die Angaben, die Sie preisgeben wollen. Verlangt ein Anbieter mehr, überlegen Sie, ob die Vorteile das wert sind." Und weiter heißt es: "Sie können eine Zustimmung zu Werbung nachträglich zurücknehmen. Schreiben Sie einen formlosen Brief an die im Antrag angegebene Adresse." Der Kundenkartenanbieter muss kostenlos schriftlich Auskunft zu den gespeicherten Daten geben. Er muss den Zweck der Speicherung angeben und an wen die Daten weitergeleitet werden.

Weitere wichtige Themen in der August-Ausgabe von Finanztest: Versicherungs-Check, Auslandsreise-Krankenversicherung, Solarstrom, Schwerbehindertenausweis und Müllgebühren.