Die miesen Tricks der Abzocker

Die miesen Tricks der Abzocker

Die Zahl der Straftaten in Deutschland hat erstmals seit der Wiedervereinigung die Sechs-Millionen-Marke unterschritten. Doch Internetkriminalität und Kreditkartenbetrug sind auf dem Vormarsch. Die Verbraucherberatung kämpft gegen immer neue Methoden und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Trier. Per Mail, per Telefon oder per Brief: Die Betrüger von heute nutzen jeden Absatzkanal, um ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verbraucherberatung Trier ein tägliches Geschäft. Die Experten berichten von den jüngsten Betrugsmethoden und den dreisten Tricks.
Betrugsfall 1: Per Telefon melden sich Mitarbeiter einer Firma und sprechen den Bürger darauf an, dass er seit einigen Wochen kostenlos an einem Gewinnspiel teilgenommen hat. Doch die kostenlose Zeit laufe ab. Der Verbraucher könne aber für den Betrag X weiter an dem Glücksspiel teilnehmen. Wenn er jedoch aussteigen möchte, brauche man seine Kontaktdaten, also Name, Adresse, Kontonummer, um ihn von der Gewinnspielteilnahme zu löschen.
Tipp: "Wer darauf reinfällt, dessen Konto ist schnell geräumt", sagt Renate Schröder von der Verbraucherberatung in Trier. Ganz wichtig für alle Verbraucher sei: Nie persönliche Kontodaten einfach so weitergeben. Wochen später wird - meist vom Ausland aus - das Konto bis zum Dispo geräumt und Experten warnen sogar, immer häufiger werden die Konten auch per Telefonrechnung belastet. Nach Einschätzung der Verbraucherberatungen gebe es bundesweit 80 000 Beschwerden.
Betrugsfall 2: Per Mail und falschem Versprechen versuchen Betrüger im Internet an die Daten von Bürgern zu kommen. Sie geben sich als Bundesfinanzministerium aus (zuvor waren es Rechtsanwälte mit einer überraschenden Erbschaft oder Banken) und behaupten, dass die angemailten Steuerbürger zu viel an den Staat gezahlt hätten. Wer vor lauter Freude auf die Internetseite springt und dort seine Daten preisgibt, muss auch damit rechnen, dass sein Konto von Verbrechern geräumt wird.
Tipp: Die regelmäßige Kontrolle des Kontos ist wichtig. Ungerechtfertigte Abbuchungen, können durch die Bank zurückgebucht werden. Hilft alles nichts, sollte man das Konto auflösen und ein neues einrichten.
Betrugsfall 3: Der Klassiker - ein Gewinn, der auf der Kaffeefahrt verteilt wird. Fast 1000 Euro soll Seniorin Anna Sch. gewonnen haben, ausgelobt von einem Finanzdienstleister. Doch das Geld wird nicht überwiesen, sondern die Gewinnerin bekommt ihren Preis im Rahmen einer wunderschönen Ausflugsfahrt überreicht. Mit dieser Masche tingeln seit vielen Jahren geschickte Verkaufskünstler durch die Lande. "Erstaunlich ist immer wieder, dass noch Leute auf diese Tricks hereinfallen", sagt Renate Schröder.
Tipp: "Am besten sollte man solche Gewinnmitteilungen gleich wegwerfen", so die Expertin. Wer dennoch mitfahren will, weil er den Tag mit anderen Menschen genießen möchte: Unterschreiben sie keinesfalls einen Vertrag bei einer solchen Veranstaltung. Die angebotenen Waren sind meist überteuert, der versprochene Wäschetrockner ist einfach eine Wäscheleine, der Handstaubsauger ein Plastikroller und das leckere Mittagessen, das man einfach mitnehmen muss, eine Tüte Pulversuppe. Maria M. (Name geändert) ist die typisch nette Nachbarin von nebenan. Doch die Seniorin aus der Region muss sich bald vor einem Gericht verteidigen: Ihr wird Geldwäsche vorgeworfen. Die Vorgeschichte: Die 68-jährige Rentnerin hatte einige Male für ihren Nachbarn Pakete angenommen. Dieser hatte sich im Internet einen Zusatzverdienst gesucht, als er arbeitslos war. Dabei ist er auf eine Zustellfirma gestoßen. 20 Euro pro Paket sollte er dafür bekommen, dass er zugesandte Pakete an Adressen in Polen und Rumänien weiterleite. In den Paketen waren hochwertige elektronische Geräte wie Flachbildfernseher, teuere Handys, Spielekonsolen. Nachdem der Nachbar wieder einen Job gefunden hatte, übernahm Maria M. den Paketdienst von ihm. Sie nahm nach eigenen Angaben sieben Pakete an, öffnete sie, überprüfte den Inhalt, übermittelte den Lieferschein per Mail an eine Internetadresse und verschickte die Pakete dann an Adressen in Osteuropa. "Ich dachte zunächst noch, nicht dass da Drogen drin sind. Aber nachdem man die Pakete ja öffnen sollte, dachte ich, es ist alles in Ordnung", sagt sie. Dass die Staatsanwaltschaft nun gegen die Seniorin ermittelt, hat einfache Gründe: Die teuren Geräte wurden mit geklauten Kreditkartendaten bezahlt. Die Täter gehen den Weg über eine deutsche Paketadresse, weil Versandfirmen nicht an unbekannte ausländische Adressen ausliefern, sondern an real existierende in Deutschland. Der Paketdienst von Maria M. ist nun bei diesem kriminellen Verschiebebahnhof die einzige Adresse, die bekannt ist. Schadenersatzansprüche laufen bei ihr auf. hw