Die Regeln des Karnevals aus arbeitsrechtlicher Sicht.

Karneval : Von Superhelden und Prinzessinnen

Verkleidet am Arbeitsplatz und das Gläschen in Ehren: Die Karnevalszeit ist aus arbeitsrechtlicher Sicht ganz klar geregelt.

() Helau und Alaaf! Die ersten Karnevalssitzungen laufen bereits, und die Hochzeit der närrischen Tage steht kurz bevor. Allerdings sind weder Weiberfastnacht noch Rosenmontag gesetzliche Feiertage. Wer für diese Tage nicht rechtzeitig Urlaub beantragt hat, muss grundsätzlich auch an Karneval zur Arbeit erscheinen. Auch dann sind die Regelungen des Arbeitsrechts zu beachten. Eine „Narrenfreiheit“ kennt das Arbeitsrecht nicht. Darauf weist Syndikus-Rechtsanwältin Alexandra Wellmann vom Arbeitgeberverband vem.die arbeitgeber in Koblenz hin.

Rosenmontag und Weiberfastnacht seien selbst im Rheinland keine Feiertage. Ein Anspruch auf bezahlte Freistellung könne sich allerdings aus betrieblicher Übung ergeben, so die Anwältin. Ein solcher Anspruch ist dabei schnell entstanden: Gewährt der Arbeitgeber über mindestens drei Jahre ohne Einschränkung am Rosenmontag einen freien Tag unter Fortzahlung der Vergütung, so hat der Arbeitnehmer auch künftig an Rosenmontag einen Anspruch auf Freistellung.
Wer jedoch keinen jecken Arbeitgeber hat, sollte dennoch in der Karnevalszeit nicht scheinbar erkranken, insbesondere wenn ihm kurzfristig für eine Karnevalsfeier kein Urlaub gewährt wurde, rät Wellmann. Nehme der Mitarbeiter dennoch feuchtfröhlich feiernd an einem Karnevalsumzug teil, könne dies im Einzelfall eine Kündigung rechtfertigen. Dies gelte insbesondere, wenn der Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit vorher noch angedroht habe. 
  Muss der Karnevalist mangels Urlaub dennoch seiner Arbeitspflicht nachkommen, stellt sich die Frage, ob er kostümiert im Betrieb erscheinen darf. Dagegen sollten grundsätzlich keine Einwände bestehen, jedenfalls solange keine betrieblichen Interessen tangiert werden, sagt die Arbeitgeberanwältin.

 Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts könne der Arbeitgeber allerdings verlangen, dass sich die Mitarbeiter branchenüblich kleiden. Dies gilt vor allem, wenn der betreffende Mitarbeiter Kundenkontakt pflege. Hier habe der Arbeitgeber ein Weisungsrecht. Etwaige Verkleidungen sollten daher besser zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgestimmt werden.

Auch diverse Karnevalsbräuche, wie das „Bützen“ oder das Abschneiden der Krawatte an Weiberfastnacht, sollten laut Wellmann am Arbeitsplatz mit Maß und Vorsicht vollzogen werden. Solche „Karnevalsspäßchen“ seien grundsätzlich nur erlaubt, wenn der Betroffene damit einverstanden sei. Sollte die Person also bereitwillig die Wange entgegenhalten, dürfte gegen ein „Bützchen“ nichts einzuwenden sein, sagt sie. Stelle man hingegen fest, dass das Opfer des Brauches seine teuerste Markenkrawatte anstelle einer günstigeren karnevalstauglichen Variante trage, sollte von einem Einverständnis eher nicht ausgegangen werden. In diesem Fall bestehe die Gefahr auf Schadenersatz.
Auch wenn Alkohol und Karneval für manche untrennbar zueinander gehören, sollte laut der Juristin mit dem Verzehr von Alkohol am Arbeitsplatz behutsam umgegangen werden. Gegen ein Gläschen Sekt zum Anstoßen sei im Zweifel nichts einzuwenden. Dies sollte aber vorher mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden.

Zu beachten sei, dass alle Arbeitnehmer verpflichtet seien, Leistungsfähigkeit sowie Sicherheit am Arbeitsplatz durch den Konsum von Alkohol nicht zu beeinträchtigen. Der Arbeitgeber ist allerdings auch berechtigt, an Karneval ein Alkoholverbot zu verhängen. Existiert ein Betriebsrat, ist dieser zu beteiligen.

Mehr von Volksfreund