Die Römer haben's vorgemacht

Die Römer haben's vorgemacht

In Frühbeetkästen und Gewächshäusern beginnt die Gartensaison sechs bis acht Wochen früher. Wärmebedürftige Pflanzen wie Tomaten, Chili und Basilikum stehen auf der Hitliste der selbst gezogenen Geschmacksverstärker ganz oben. Wer sie kultivieren will, kommt um die Sonnenfänger gar nicht herum.

Mit der wiederentdeckten Lust sein eigenes Gemüse, frische Kräuter und raffinierte Spezialitäten selber zu ziehen, sieht man ausrangierte Fenster auf einem Kasten in neuem Licht. Frühbeetkästen sind eine Möglichkeit, Freilandgärtnern eine Nasenlänge voraus zu sein. Der Handel bietet leichte Konstruktionen mit Verglasungen aus isoliertem Polycarbonat in Alurahmen oder Kunststoffplatten an. Eine schicke Variante für kleinflächigen Anbau im Stadtgarten sind Wanderkästen aus Holz und Plexiglas.
Die Römer im Trierer Raum kannten das Prinzip schon vor fast 2000 Jahren. Ihr gärtnerisches Vorbild Columnella schob seine Schubkarre mit Körben, in die er Salat gesät und eine Glasplatte obenauf gelegt hatte, je nach Sonnenstand an die optimalen Plätze. Nicht jeder will so mobil sein. Tüftler mauern oder zimmern feststehende Kästen selbst. Nach unten bleibt Bodenschluss. Zur Abwehr von Wühlmäusen zieht man einen Hasendraht ein. Nach dem ersten Ernteschwung im aufgeheizten Sonnenfänger-Beet kann man die Fenster abnehmen und den Kasten als windgeschütztes Freilandbeet nutzen.
Blickfang im Garten


Im Herbst könnte daraus mit entsprechender Isolierung sogar ein Lagerplatz für Obst und Gemüse werden. Mit einer "natürlichen Bodenheizung" beginnen die Aussaaten sogar schon sechs bis acht Wochen vor Frühlingsanfang. Solange produziert eine 50 Zentimeter dicke Pferdemistschicht durch den Verrottungsprozess Wärme (siehe Extra). Hier kann man bereits jetzt Frühsalate und Radieschen ziehen. Ab Mitte März folgt Frühgemüse.
Frühbeetkästen stehen an unbeschatteten Plätzen. Wie bei Sonnenkollektoren erreicht man mit schräg gestellten Abdeckungen und einer Neigung von fünf bis 15 Prozent eine optimierte Sonneneinstrahlung. Die Scharniere zeigen gen Norden. Wegen der Gefahr eines kalten Luftzugs sollte man nie in Hauptwindrichtung öffnen. Gelüftet wird, sobald die Temperaturen im Inneren über 20 bis 22 ° Celsius steigen. Je kleiner das Frühbeet ist, umso schneller erhitzt es sich an einem sonnigen Tag.
Den Treibhauseffekt gilt es auch bei der komfortablen Variante des Gewächshauses zu berücksichtigen. Die Belüftungsflächen müssen ausreichend sein. Die Ansprüche entscheiden über die Ausführung. Geht es in erster Linie darum, schöneres Basilikum, kräftigere Paprika, im Sommer reife Tomaten und andere wärmeliebende Gewächse heranzuziehen, kann schon ein einfaches Kleingewächshaus aus transparenter Polyehtylen-Dachfolie ausreichend sein. Übernimmt das Gewächshaus die Funktion eines Blickfangs im Garten, lohnt es sich, nach England zu schauen. Hier haben die dekorativen Glashäuser im viktorianischen Stil Tradition. Die Übergänge vom Quartier für mediterrane Pflanzen zum liebsten Aufenthaltsort für Gärtner sind fließend. Ist die Fläche unter Glas jedoch als erweiterter Wohnraum gedacht, liegt man mit einem Wintergarten richtig.Extra

Frühbeet mit Bodenheizung: Für ein Warm- oder Mistbeet schachtet man den Frühbeetkasten 80 Zentimeter tief aus, bringt eine fünf Zentimeter dicke Laubschicht auf, dann den Pferdemist, anschließend wieder eine Laubabdeckung und füllt mit 20 Zentimeter Erde auf. Eine andere Möglichkeit ist das Verlegen von Heizschlangen im gemauerten Frühbeetkasten oder elektrischen Heizkabeln am Rand.