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Die unterschätzte Gefahr

Die unterschätzte Gefahr

Laut jüngstem Drogen- und Suchtbericht ist der regelmäßige Alkoholkonsum bei Jugendlichen rückläufig, Rauschtrinken hingegen ist unter jungen Leuten immer noch weit verbreitet. Zum Auftakt der Suchtwoche des Arbeitskreises Suchtprävention gaben vier Experten Tipps am TV-Telefon.

Hier einige der dokumentierten Ratschläge: Was passiert, wenn ein 18-Jähriger im Supermarkt Schnaps kauft und ihn an einen 16-Jährigen abgibt?Marc Powierski, Beauftragter für Jugendsachen des Polizeipräsidiums Trier: Dem 16-Jährigen würden Polizei oder Ordnungsamt den Schnaps abnehmen und die Eltern verständigen. Der 18-Jährige müsste mit einer Anzeige rechnen, da er gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen hat, denn Minderjährige dürfen keine branntweinhaltigen Getränke in der Öffentlichkeit konsumieren.Gibt es für junge Leute auch spezielle Beratungsstellen?Heinz Fichter, Beauftragter für junge Suchtkranke in der Selbsthilfe des Kreuzbund-Diözesanverbands Trier: Ja, im Kreuzbund Trier gibt es eine Gruppe für junge Suchtkranke und junge Menschen, die suchtgefährdet sind. Sie heißt DJ Mik. Dort tauschen sich junge Leute über ihre Erfahrungen mit dem Alkohol aus, und durch gemeinsame Freizeitangebote werden ihnen Wege aufgezeigt, ohne Suchtmittel Schönes zu erleben. Das kann beispielsweise der Besuch eines Hochseilgartens oder eine Radtour sein. Während Fußballmeisterschaften gehen wir auch zusammen zum Public Viewing. Zum einen gibt es unsere Gruppe, aber junge Leute können sich auch an Suchtberatungsstellen wenden. Selbstverständlich auch anonym.Ich bin Rentner und engagiere mich ehrenamtlich, damit junge Leute nicht zu Alkoholikern werden. Aus Erfahrung plädiere ich dafür, ehrlicher mit der Gefahr, die vom Alkohol ausgeht, umzugehen. Aber manchmal frage ich mich, ob das Engagement überhaupt etwas bringt. Was meinen Sie?Heike Petermann, Diplom-Psychologin der Fachambulanz für Suchtkranke und Angehörige des Caritasverbands Trier: Sicherlich wird vieles unter den Teppich gekehrt, aber in den 1970er Jahren wurde viel mehr getrunken als heute. Immer mehr Jugendliche sind sich bewusst, dass von Alkohol auch Gefahren ausgehen können. Allerdings gibt es auch den großen Anteil unter jungen Leuten, die Komasaufen betreiben. Auf der einen Seite gibt es also Zahlen, die ermutigend sind, und auf der anderen Seite welche, die zeigen, dass man weiter am Ball bleiben muss. Mein Tipp: Engagieren Sie sich weiter!Welche Konsequenzen hat es für einen Schüler, wenn er in der Schule Alkohol trinkt?Ulla Peters, Suchtberatungs-Lehrerin an einer Realschule plus und im Arbeitskreis Suchtprävention: Wer in der Schule Alkohol trinkt, verstößt gegen die Schulordnung. Im ersten Schritt lassen wir den Schüler dann von den Eltern abholen, im schlimmsten Fall rufen wir den Krankenwagen. Aber als Beratungslehrerin suche ich anschließend auch das Gespräch mit den Eltern und ich zeige ihnen Wege auf, wo ihr Kind fachliche Hilfe erhalten kann. Zusätzlich ist es mir wichtig, präventiv zu arbeiten. Dazu gibt es viele Möglichkeiten - von Workshops bis hin zu Besuchen von Suchtberatungsstellen.Weitere Expertenmeinung: Die vier Experten sind sich einig, dass oftmals zu wenig bekannt ist, welche Schäden Alkohol anrichten kann. Jeder Vollrausch schädigt den Organismus und kann zur Lebensgefahr werden. kat