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Die wichtigsten Tipps unserer Telefonaktion zur Hochsensibilität.

Telefonaktion : „Ich habe das Gefühl, mich versteht keiner“

Nachgefragt: Zwei Expertinnen beantworteten Leserfragen rund um das Thema Hochsensibilität am TV-Telefon.

Ich merke immer wieder, dass mich beispielsweise Geräusche stören, die andere Menschen nicht zu stören scheinen. Das irritiert mich und teilweise werde ich wütend, wenn andere für meine Bitte, etwas zu unterlassen, kein Verständnis haben. Wie kann ich damit im Alltag umgehen?

Franziska Bick, pädagogische Fachkraft bei dem Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Es ist ein guter Schritt, dass Sie bereits versucht haben, Ihr Bedürfnis etwa nach Ruhe gegenüber anderen Menschen anzusprechen. Zeigen diese sich verständnisvoll, ist das rücksichtsvoll, aber das ist nicht immer so. Hochsensiblen wiederum kann es schwerfallen, ihre Besonderheit bei anderen anzusprechen und ihren Bedürfnissen nach Rückzug und Erholung Raum zu geben. Es liegt deshalb in der alleinigen Verantwortung der hochsensiblen Person, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihnen nachzukommen. Damit macht sie sich von der Rücksicht und dem Verständnis anderer unabhängig und  trägt Verantwortung für das eigene Wohlbefinden.

Ich habe das Gefühl, mich versteht keiner. Bin ich irgendwie falsch? 

Daniela Schmitten, psychologische Beraterin und Fachberaterin für Hochsensibilität mit eigener Praxis, Leiterin des Gesprächskreis Hochsensibilität Eifel: Nein, es ist oft schwierig, Mitmenschen klarzumachen, was Hochsensible wahrnehmen oder wie sie fühlen. Menschen, die hochsensibel sind, sehen oft eine Welt voller Lichter, Farben, sie nehmen vielfältige Gerüche und tausende von Schwingungen wahr. Menschen, die nicht hochsensibel sind, sehen einen Baum, ein Haus, Menschen. Der Unterschied ist manchmal riesig. Heilsam kann für Hochsensible sein, Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Das Verständnis, ohne sich ständig erklären zu müssen, ist das schönste an den Gruppen und zu sehen, man ist nicht der oder die Einzige.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Mein Kind ist wahrscheinlich hochsensibel und hat Probleme in der Kita. Was kann ich tun? 

Schmitten: Das Wichtigste im Umgang mit hochsensiblen Kindern ist Wertschätzung. Vermeiden Sie Aussagen wie „Stell dich nicht so!" oder „Da musst du durch!“. Hören Sie sich die Sorgen ihres Kindes an und werten Sie seine Wahrnehmung nicht ab. Oft ist es den Kindern einfach zu laut und zu voll in Kita oder Schule. Stellen Sie sich vor, Sie müssten in einem Großraumbüro mit Pubertierenden oder Kindern in der Trotzphase arbeiten. Wichtig ist, Betreuungspersonen über Hochsensibilität aufzuklären. Das Thema wird zu wenig beachtet. Gerne stelle ich etwa meine kostenlosen Infobriefe zur Verfügung (www.daniela-schmitten.de).