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Diskussion über Vitaminpillen

Kolumne: Hauptsache gesund : Die Sache mit dem Vitamin D

TRIER (red) Der Artikel „Vitamine: Zwischen Mangel und Vergiftung“ vom 3. April im Volksfreund hat in der Ärzteschaft für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Zwei Zuschriften haben uns zu dem Thema erreicht, die Experten geben darin ihre Einschätzung wieder.


Dr. med. Peter Krapf Orthopäde,zertifizierter Therapeut in der Mikronährstoffmedizin: „99 Prozent der Menschen bekommen genug Vitamine, wenn sie sich ausgewogen ernähren“ und „Sonne tanken besser als Tabletten“ ist in dem Artikel plakativ zu lesen.

Leider sieht die Realität anders aus. So enthalten beispielsweise nur wenige Lebensmittel Vitamin D in nennenswerter Menge. Daher ist es nicht verwunderlich, dass laut Nationaler Verzehrsstudie II des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen in Deutschland die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin D nicht erreichen. Im Deutschen Ärzteblatt wurde einst über den Vitamin-D-Mangel in der geriatrischen Rehabilitationsklinik St. Irminen berichtet. Hier lagen bei 96 Prozent der Patienten die Messwerte unterhalb des Zielbereiches. Zu bedenken ist auch, dass von Oktober bis März die Sonnenstrahlung definitiv nicht ausreicht um wirkungsvoll Vitamin D über Eigensynthese in der Haut aufzubauen und dass die Fähigkeit, Vitamin D in der Haut zu synthetisieren, mit dem Alter abnimmt und dass Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 8 bereits zu einer Reduktion der auf die Haut einwirkenden UVB-Strahlen um bis zu 97,5 Prozent führt. Gerade in dieser problematischen Zeit sollte man jedoch seinen Vitamin-D-Haushalt im Auge behalten! Die Erforschung des Corona Virus steht zwar noch am Anfang. Aber wir wissen, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit Infektionen assoziiert sind.

Auch der Hinweis „Normalerweise nehmen wir genug Folsäure auf, wenn wir regelmäßig grünes Gemüse, Salat und Obst essen“ geht völlig an der Realität vorbei. 79 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen erreichen nämlich die empfohlene tägliche Zufuhr von Folsäure nicht, so unser Bundesministerium.

Das steht in einem krassen Widerspruch zu obigen plakativen Äußerungen, dass 99 Prozent der Menschen genug Vitamine bekommen, wenn sie sich ausgewogen ernähren. Bezüglich der Omega-3-Fettsäuren mit ihren wirkungsvollen Bestandtei­len Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaen­säure (DHA) sei angemerkt, dass sie nicht nur für unser Immunsystem von Bedeutung sind. Auch bei Gelenkreizungen ist auf eine ausrei­chende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu achten. EPA und DHA sind die natürlichen Gegenspieler der Arachidonsäure und hemmen die körpereigene Bil­dung von Entzündungsbotenstoffen. Hierdurch können, wie Studien belegen, der Bedarf an Schmerzmitteln (NSAR) und die damit verbundenen Risi­ken für Herz und Magen reduziert werden. Nachzulesen auch in der Ärztezeitung: Fischöl reduziert bei Rheuma den Schmerzmittelbedarf – der tägliche Bedarf an NSAR kann verringert werden. Bei der Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln sei auf die orthomolekulare Medizin verwiesen. Den Begriff selbst prägte der Wissenschaftler und zweifache Nobelpreisträger Professor Linus Pauling, für den die orthomolekulare Medizin die Erhaltung der Gesundheit durch Veränderung der Konzentration von förderlichen Substanzen (unter anderem Vitaminen) ist, die normalerweise im Körper vorhanden sind.

Dr. med.Hansjoerg Lucas, Mertesdorf: Die Flucht in den Vitaminkonsum ist durch das Gefühl der Hilflosigkeit entstanden. Durch zahllose nicht endende Lebensmittelskandale und des Komplettversagens der politischen Verantwortlichen durch nicht vorhandene fachliche Kompetenz. Es ist der Versuch eines Selbstschutzes bei nicht existentem Verbraucherschutz. Die verantwortliche politische Institution, in Anbiederung an die Industrie ,definiert Verbraucherschutz eher als Schutz des Produzenten vor dem Verbraucher.

Die explosionsartige Zunahme chronisch-entzündlicher Erkrankungen des Immun-, Nerven – und Hormonsystems sind Folge von Überflutung der Umwelt mit Chemikalien, wobei die biologische Unbedenklichkeit vom Produzenten deklariert wird.

Wir leben in einer Gegend mit Jod- und Selenmangel. Einige Länder wie die USA haben schon lange gesetzliche Verpflichtungen zur Anreicherung von Lebensmitteln.Die Mindestaufnahme an Vitaminen und Mineralien wurde in den letzten Jahren von den Fachgesellschaften ständig erhöht. 50 Prozent der stationär behandelten Senioren zeigen Mangelerscheinungen. Patienten mit chronischem Müdigkeitssyndrom haben laut Studien vielfache Stoffwechseldefizite. Die Empfehlung einer gesunden Mischkost erscheint weltfremd, wenn nicht zynisch. Wer definiert was das sein soll? Opfer werden zu Tätern gemacht. Obst und Gemüse aus südlichen Produktionen sind bekannterweise stark belastet mit Agrarchemikalien, deren Auswirkungen auf die Gesundheit keiner wirklich sehen will. Wenn nötig werden einfach die Grenzwerte hochgesetzt. Unter den Landwirten wird von der Agrarchemie erfolgreich Angst geschürt, ohne den Einsatz ihrer Produkte nicht konkurrenzfähig gegenüber Importware zu sein. Das Argument die Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren wird zur Farce, wenn 50 Prozent der Lebensmittel vernichtet werden.

Studien in den USA zeigen, dass 50 Prozent der Farmer an Alzheimerdemenz erkranken. Sie sind Opfer nicht Täter. Mangelversorgung an Vitaminen und Spurenelementen ist verantwortlich für unzureichende Antikörperbildung nach Impfungen, auch bei Covid. Studien an jugendlichen Straftätern zeigen deutliche Erfolge durch Substitution in der Resozialisierung. Vitamine sollen also nutzlos sein?

Die Empfehlung Vitamin D Mangel per Sonnenlicht auszugleichen hat kabarettistische Qualität. Wer legt sich halbnackt im Winter ins Freie, gleichzeitig mit der Empfehlung ausreichend Sonnenschutz aufzutragen? Ich habe bei keinem meiner Fibromyalgie- und chronisch Müdigkeitspatienten einen vernünftigen Blutwert gesehen, wohl nach Substitution Besserung. Vitamin D wird im Körper aus Cholesterin gebildet, wie andere Hormone auch. Deshalb darf eine Cholesterin senkende Therapie auch kritisch gesehen werden. Durch den massenhaften Einsatz von Magensäureblockern kommt es zu Mangel an Vitamin B12 und zu zunehmender Osteoporose auch bei Männern. Der Konsument von Nahrungsergänzungsmitteln ist Opfer einer gelungenen Marketingstrategie. Hohe Preise bei geringen Produktionskosten für unwirksame Produkte. Eine wirksame Orthomolekulare Therapie, eine Therapie mit Vitaminen und Mineralien, gehört in die Hände fachlich qualifizierter Mediziner. Bedeutung existiert nur im Zusammenhang.