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Drei Psychologinnen beantworteten viele Leserfragen

Gesundheit : Was gegen Grübeln und Ängste helfen kann

Nachgefragt: Drei Psychologinnen beantworteten viele Leserfragen am TV-Telefon zum Thema „Wo finde ich Hilfe, wenn die Seele rebelliert?“

Die Corona-Krise belastet die viele Menschen zunehmend seelisch sehr stark, wie die TV-Telefonaktion zeigt.


Ich war körperlich schwerkrank und habe in den letzten Jahren einige Verluste erlitten. Die Krankheit ist geheilt, aber Ängste und Schlafstörungen sind geblieben. Mein Arzt hat mir Medikamente verschrieben. Was kann ich noch tun?

Petra Gottwald, Diplom-Psychologin beim Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Sie könnten überlegen, eine Therapie zu beginnen. Ihr Hausarzt kann sie überweisen oder Sie können sich selbst über die Liste der kassenärztlich zugelassenen Therapeutinnen und Therapeuten um einen Erstkontakt bemühen. Außerdem könnten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt überlegen, ob eine Kur infrage kommt.

Ich neige stark zum Grübeln und verliere mich manchmal in Ängsten und Sorgen. Ich würde gerne eine Therapie machen, wie kann ich die Wartezeit überbrücken?

Gottwald: Mit Entspannungtechniken wie Meditation oder progressiver Muskelrelaxation. Bei starkem Grübeln hilft oft der „Gedankenstopp“: Beim ersten Anzeichen intensiven Grübelns hält man sich selbst innerlich ein Stoppschild vor, verlässt die Situation und beschäftigt sich mit etwas ganz anderem – körperliche Betätigung hilft oft.

Mein Mann hat den Beginn einer Demenz, er ist misstrauisch, ängstlich und unruhig. Wo können wir beide Unterstützung bekommen?

Soi Papanastasiou, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie in Trier: Im Demenzzentrum Trier und sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt wegen einer Überweisung zum Psychiater/Neurologen, damit ihr Mann Medikamente, eventuell auch Psychopharmaka erhalten kann. Weiter kann in der Geriatrie eines Krankenhauses die Diagnostik gemacht werden und Medikamente können dort ein- oder umgestellt werden.


Ich glaube, ich bin depressiv. Ich fühle mich oft traurig und grübele viel.

Papanastasiou: Gehen Sie erst einmal zu Ihrem Hausarzt. Schließt Ihr Arzt körperliche Erkrankungen aus, können Beratungsstellen (schnelle Terminvergabe), ein stationärer Aufenthalt in der psychosomatischen Abteilung eines Krankenhauses helfen, oder Sie suchen sich einen Psychotherapeuten (www.kv-rlp.de/patienten/psychotherapie/praxen-fuer-psychotherapie). Um einen ersten Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen, können Sie direkt in deren Praxis anrufen. Sprechzeiten finden Sie auf der Internetseite der Praxen oder diese werden Ihnen auf dem Anrufbeantworter mitgeteilt. Zum ersten Gespräch sollten Sie Ihre Versichertenkarte mitbringen. Eine Überweisung oder ein Antrag bei der Krankenkasse ist nicht notwendig.

Meine 10-jährige Tochter hat während der Pandemie durch ihre eingeschränkten Kontakte mehr und mehr mit dem Handy gespielt und nun insgesamt 1500 Euro verspielt. Was kann ich tun?

Lara Weber, Diplom-Psychologin in der Lebensberatung des Bistums Trier in Wittlich: Zunächst sollten Sie sich juristisch beraten lassen, denn es gibt verschiedene rechtliche Fragen zu klären, da Kinder in diesem Alter noch nicht geschäftsfähig sind. Weiterhin ist es wichtig, für die Handynutzung klare Regeln mit Ihrer Tochter zu vereinbaren: Wie lange darf sie das Handy nutzen? Wo wird es danach hingelegt? Welche Apps dürfen herunterladen werden? Auch gibt es die Möglichkeit, bestimmte Programme oder Apps zu sperren. Zeigen Sie Interesse an den Programmen, die Ihre Tochter auf dem Handy nutzt, damit Sie einen Einblick bekommen, was das Mädchen bewegt und womit sie sich beschäftigt. Interessieren Sie sich für die Vorlieben und Probleme Ihres Kindes. Wenn Sie weitere Fragen zu dem Thema haben, können Sie sich mit Ihrem Anliegen an eine Erziehungsberatungsstelle wenden.

Ich habe die Arbeitsstelle gewechselt und das belastet mich sehr, da ich früher am Arbeitplatz gemobbt wurde. Gestern war es sehr stressig und in der Nacht hatte ich eine Panikattacke. Ich lebe allein. Wie kann ich damit umgehen?

Weber: Die Panikattacke ist eine Reaktion ihres Körpers auf eine Belastungssituation. Ihr Körper zeigt Ihnen, dass er eine Pause braucht. Wenn Sie merken, dass es auf der Arbeit zu viel wird, versuchen Sie kurz innezuhalten und erlauben Sie ihrem Körper eine kurze Ruhephase. Hören Sie achtsam auf das, was in Ihnen vorgeht. Durch die früheren Erfahrungen mit Mobbing kann es sein, dass Ihr Körper ganz besonders aufmerksam ist, wenn es um Belastungen am Arbeitsplatz geht. Diese sogenannten Trigger versetzen Sie wieder in die alte Situation zurück und erinnern Ihren Körper an diese schwierige Zeit. Eine Panikattacke ist die Folge. Dann kann es helfen, das Fenster zu öffnen und tief durchzuatmen. Ein Anruf bei der Telefonseelsorge (08001110222) kann ebenfalls hilfreich sein, vor allem wenn man allein lebt. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Treten die Panikattacken häufiger auf, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen und eine psychotherapeutische Behandlung anstreben oder sich bei einer Beratungsstelle Hilfe holen.