1. Nachrichten
  2. Mehrwert

Eigene Grenzen ernst nehmen

Eigene Grenzen ernst nehmen

Eine Familie geht gemeinsam Eis essen. Die Stimmung ist prima - bis ein Kind seine Portion verzehrt hat und den Rest vom elterlichen Eis haben möchte.

Die Eltern weigern sich, was das Kind wütend macht. Es steigert sich so in seinen Zorn hinein, dass es tränenüberströmt nach den Erwachsenen schlägt und kaum noch zu beruhigen ist. Ein Blick ins elterliche Innenleben zeigt widersprüchliche Gefühle und Impulse: Ich habe mich auf mein Eis gefreut und will es nicht abgeben. Wie peinlich, vor so vielen Leuten! Am einfachsten wäre es ja, den Becher rüberzuschieben. Er/sie ist aber auch sehr müde, vielleicht hätten wir lieber zu Hause bleiben sollen. Es ist immer dasselbe, nichts kann man gemeinsam unternehmen! Eine völlig frei erfundene Situation, aber durchaus an die Realität angelehnt. Unabhängig davon, wie sie letztlich gelöst wird, sollten auch Eltern ihre Grenzen ernst nehmen. Nachgeben schafft zwar für den Moment Ruhe, kann aber langfristig unangenehme Folgen haben. Sinnvoller ist ein Kompromiss, der beide Seiten das Gesicht wahren lässt und dem Kind verdeutlicht: Ich sehe und verstehe dein Bedürfnis - aber auch ich habe Bedürfnisse, die du ernst nehmen musst.
Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin des Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V., Trier. <%LINK auto="true" href="http://www.palais-ev.de" text="www.palais-ev.de" class="more"%>