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Garten
Ein Christbaum fürs gute Gewissen

Peter Neukirch vom Forstamt Trier bringt das FSC-Siegel an einer Nordmanntanne an. Es bestätigt dem ökologischen Weihnachtsbaum, dass er in hiesigen Wäldern frei von Pestiziden und Mineraldüngern aufgewachsen ist.
Peter Neukirch vom Forstamt Trier bringt das FSC-Siegel an einer Nordmanntanne an. Es bestätigt dem ökologischen Weihnachtsbaum, dass er in hiesigen Wäldern frei von Pestiziden und Mineraldüngern aufgewachsen ist. FOTO: Kathrin Hofmeister
Trier. TV-Garten im Dezember: Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt immer mehr Menschen auch bei der Wahl des Weihnachtsbaums. Das Forstamt Trier bietet im Meulenwald ökologische Tannen an. Was sie von anderen Christbäumen unterscheidet. Von Kathrin Hofmeister

Für Familien mit Kindern ist es ein besonderer Spaß. Aber auch alle anderen Naturliebhaber, Klimaschützer, Umwelt- und Gesundheitsbewusste, die einen ökologischen Weihnachtsbaum selbst im Wald aussuchen und absägen wollen, kommen am 15. Dezember im Meulenwald auf ihre Kosten. „Unsere Veranstaltung ‚der ökologische Weihnachtsbaum‘ findet zum dritten Mal statt“, sagt Peter Neukirch.

Er ist Produktleiter für Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben beim Forstamt Trier. Das Besondere an den Bäumen ist ihr FSC-Zertifikat (Extra). „Die Weihnachtsbäume wachsen ohne Kunstdünger auf und werden nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt“, erklärt der Forstler. Die heimisch gewachsenen Öko-Bäume werden nachhaltig kultiviert und nicht plantagenmäßig angebaut.

Die wenigsten Weihnachtsbäume kommen heutzutage direkt aus dem Wald. 80 Prozent werden in speziellen Christbaumkulturen herangezogen. Der Einsatz von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung und Herbiziden zur Unkrautvernichtung gehört zum Alltag. Rückstände chemischer Mittel werden in labortechnischen Nadelanalysen immer wieder nachgewiesen. Doch zunehmend machen sich Verbraucher Gedanken über die Folgen für Umwelt und Gesundheit. Wer im Garten sein Gemüse biologisch anbaut und zugunsten der Artenvielfalt auf Chemie verzichtet, will sich nicht mit dem Christbaum möglichen Hautreizungen aussetzen. Da klingt die Wirtschaftsweise aus dem Meulenwald vertrauter: Handarbeit beseitigt die Konkurrenz um Nährstoffe und Wasser mit den Beikräutern: „Zwei- bis dreimal im Jahr geht ein Kollege mit dem Rasenmäher zwischen den Reihen durch und sichelt das Gras unter den Tannen mit der Handsense weg“, erläutert Neukirch. Gedüngt werden die Tannen mit Mist und Gesteinsmehl. Das führt dem Boden die Nährstoffe zu, die ihm der Baum während seines Wachstums entzieht.

Aber warum greift man bei der konventionellen Christbaumkultur lieber zu mineralischen Düngern? „Etwa weil man ein gleichmäßig dunkles Nadelgrün bei den Nordmanntannen produzieren will“, zählt Neukirch einen Grund auf. Tatsächlich können die Öko-Bäume auch mal leichte Farbnuancen im Nadelkleid aufweisen. Doch den Besuchern ist es egal, wenn ihr Tannenbaum nicht perfekt aussieht. Der individuelle Charakter hat sogar seinen besonderen Reiz. Nur was die Art betrifft, gibt es Vorlieben: Bei der Wahl zwischen grüner Nordmanntanne und bläulich-silbern schimmernder Nobilistanne greifen die meisten zur Nordmanntanne.  Die elegante Konifere, die „ein Herr Nordmann im Westlichen Kaukasus entdeckt hat und 1840 einführte“, wie Neukirch weiß, ist in den letzten Jahren zum beliebtesten Weihnachtsbaum aufgestiegen: „Sie wächst wunderbar symmetrisch, mit kurzen Quirlabständen.“ Ihre glänzend grünen Nadeln sind lang und weich. Wo ein Christbaum entnommen wird, sollen in Zukunft nur noch Nordmanntannen nachgepflanzt werden. Die Dürreperiode in diesem Jahr hat der Nadelbaum gut überstanden, weil er mit Trockenheit zurechtkommt.

„Die meisten Tannen in dieser Kultur sind neun bis zehn Jahre alt, die ältesten zwölf“, sagt Neukrich und zeigt auf die vor Wildverbiss umzäunte Fläche im Meulenwald. Vom Ein-Meter-Baum bis zum 3,50 Meter Riesen stehen in dieser Saison rund 800 erntereife Christbäume bereit. Die meisten Leute wüssten auf Anhieb, welches Exemplar es sein soll.

Zielstrebig würden sie sich die am Eingang ausliegende Handsäge schnappen und ihren persönlichen Christbaum abschneiden. Manche kappten den Baum allerdings direkt unter dem untersten Nadelkranz und bedächten nicht, dass er im Ständer stehen muss. Sein Tipp: „Unten genug Stammholz dranlassen.“ Und was hat es mit den vereinzelten Stumpen in Knie- oder sogar Hüfthöhe auf sich? „Da gefiel den Leuten der Baum auf dieser Höhe wohl besser“, lacht Neukirch. Auch das ist auf dem Gelände der ehemaligen Forstbaum-Pflanzschule erlaubt.

Die klassische Nachfrage liege zwischen 1,80 und 2,20 Meter – eine Größe, die sich noch gut transportieren lässt. „Die Bäume werden an Ort und Stelle genetzt“, erklärt der Mann vom Forstamt. Will man seinen Baum nicht selbst zum Forstamt zurücktragen, bringen ihn Mitarbeiter dahin. Denn auch das gehört zum Eventcharakter: Die rund anderthalb Kilometer lange Strecke vom Parkplatz am Forstamt in Quint bis zum Weihnachtsbaumplatz geht man zu Fuß. So gibt’s den gesundheitsfördernden Waldspaziergang gleich gratis dazu, und man stimmt sich zwischen Tannenduft auf das Weihnachtsfest ein.

„Der ökologische Weihnachtsbaum“ ist am Samstag, 15. Dezember, 11 Uhr bis 15 Uhr. Treffpunkt ist das Forstamt Trier, Am Rothenberg 10 in Quint. Auf dem Gelände kann man sich bei Kinderpunsch, Glühwein und heißen Wildfleischwürstchen stärken. Die Bäume werden auf den laufenden halben Meter berechnet und beginnen ab 25 Euro für einen Ein-Meter- Baum.
Weitere Infos unter www.trier.wald-rlp.de Fragen an umweltbildung.trier@wald-rlp.de