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Ein Garten für Schmetterlinge

Ein Garten für Schmetterlinge

Für Bienen, Hummeln & Co. steht in vielen Gärten bereits ein Insektenhotel bereit. Igel bekommen ihren Blätterhaufen zum Überwintern. Aber was brauchen Schmetterlinge?

Um 30 bis 40 Prozent ist der Schmetterlingsbestand in den letzten Jahren eingebrochen. Über 60 Prozent stehen auf der Roten Liste. Katharina Schmidt-Loske, Leiterin des Biohistoricum am Forschungsmuseum Koenig in Bonn und promovierte Biologin, zeigt ein düsteres Bild auf. Doch was in der freien Landschaft an Lebensräumen verschwinde, könne zumindest in Teilbereichen in Privatgärten faltertauglich neu entstehen.
Wie ein James-Bond-Drehbuch


Man muss ja nicht gleich eine Feuchtwiese für den Großen Wiesenknopf-Ameisenbläuling sein, nennt die Forscherin ein ganz spezielles Beispiel. Das Leben des kleinen Bläulings ist aufs Engste mit der namensgebenden Pflanze des Großen Wiesenknopfs und einer bestimmten Ameisenart verknüpft. Nach der Eiablage auf der knopfartigen Blüte könnte sein Werdegang einem James Bond-Drehbuch entspringen: Die geschlüpfte Raupe seilt sich ab. Sie trägt eine "Tarnkappe". So nennen Biologen den Nestgeruch, der die Schmetterlingsraupe wie ein Parfüm umgibt und einer speziellen Ameisenart vorgaukelt, kein Eindringling zu sein. "Das mit der Tarnung weiß man erst seit kurzem", sagt die Forscherin.
Die Ameisen zieht der Duft magisch an. Sie schleppen die Raupe in ihren Wiesenbau. Dort ernährt sich die Raupe von der Ameisenbrut. "Sie frisst nur eine bestimmte Menge", weiß Schmidt-Loske, "denn sie braucht die Ameisen". Man nennt das biologisches Gleichgewicht. Dann kommt der spannende Moment: Schlüpft der Schmetterling, fliegt seine Tarnung auf. Die Ameisen würden über ihn herfallen. Der Große Wiesenknopf-Ameisenbläuling muss im richtigen Zeitpunkt fliehen. Hat er es geschafft, braucht er frisch erblühte Wiesenknöpfe, um auf der Nektarquelle Energie zu tanken. Für die Eiablage müssen Fruchtstände des Großen Wiesenknopfs zur Verfügung stehen.
Das spektakuläre Beispiel macht nicht nur klar, welche spezialisierten und sensiblen Lebensgemeinschaften es gibt. Es zeigt: Im Garten reicht es nicht, schöne Blumen für die Gaukler der Lüfte bereitzuhalten.
Häufig ist die Futterquelle der Raupen eine andere als die der Falter. Der Admiral beispielsweise saugt im Herbst gerne an Fallobst und stärkt sich an Astern. Seine Raupen ernähren sich von Nesselarten. Dort legt er auch seine Eier ab. Neben geeigneten Nahrungspflanzen braucht es im Garten geeignete Plätze zur Eiablage und zum Verpuppen. "Der Lebensraum der Raupen ist oft ein anderer als der des geschlüpften Falters", weiß Schmidt-Loske. Deshalb sei ein Garten, der eine abwechslungsreiche Topographie mit vielen Strukturelementen wie Trockenmauer oder Wasserstellen aufweise, viel besser geeignet als eine platte Fläche: "Je mehr Strukturen, desto mehr Mikroklima und desto mehr Lebensmöglichkeiten."
Auch was die Überwinterungsplätze betrifft, ist Vielfalt Trumpf. Manche brauchen Falllaub und Reisighaufen oder suchen Unterschlupf in Bäumen, Sträuchern, Hecken oder sogar in Geräteschuppen und unterm Dachstuhl. "Je nach Art können Schmetterlinge und Nachtfalter den Winter im Ei-, Raupen- oder Puppenstadium überdauern", sagt Schmidt-Loske. Die wenigsten würden wie der Zitronenfalter, den man oft schon wieder im zeitigen Frühjahr sieht, als Falter überleben.
Extra

Mit Bilderschau und Buchvorstellung kommt der Schmetterlingsspezialist Rainer Ulrich am Dienstag, 8. November, nach Schweich. Mit seinem viel beachteten Buch "Schmetterlinge - entdecken und verstehen" bekannt geworden, hat der Autor und Fotograf aus dem saarländischen Eppelborn ein Nachfolgewerk herausgebracht. Wieder geht es in "Tänzer im Wind - eine Reise durch die faszinierende Welt der bunten Schmetterlinge" um die bunten Falter. So erfahren die Zuschauer etwa, wie man die Falter in den Garten locken kann. Beginn: 19 Uhr, Hotel-Restaurant Leinenhof in Schweich. Eintritt: 5 Euro. kf