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Ein Rundgang mit TV-Gartenkolumnistin Kathrin Hofmeister über den Trierer Wochenmarkt.

Garten : Ein Spaziergang zu den Wundern der Natur

Seit gut zehn Jahren ist sie die TV-Gartenkolumnistin schlechthin: Kathrin Hofmeister. Anlässlich dieses Jubiläums und des Auftakts einer neuen Gartenserie am Montag haben wir gemeinsam mit ihr den Trierer Wochenmarkt besucht und ihn von einer neuen Seite kennengelernt.

Bio-Kurkuma aus Peru, Thai-Ingwer aus dem Pfälzer Wald, Catalonia-Salat oder rosenähnliche, gefüllte Primeln: Wer mit Kathrin Hofmeister den Trierer Wochenmarkt gemeinsam besucht, der entdeckt selbst als treuer Einkäufer heimischer Preziosen neue Arten von Obst, Gemüse und Pflanzen. Denn die Gartenexpertin aus Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) liebt es, die Saison von Obst und Gemüse „das ganze Jahr über bewusst zu leben und zu erleben“, sagt sie, mit allen Vor- und Nachteilen, kleinen Siegen und Niederlagen, die die Natur für Gartenliebhaber bereithalte.

So präsentiert Bio-Anbieter Norbert Fritz aus dem pfälzischen Schwanheim die neue Bio-Apfelsorte Natyra, rot und knackig, saftig und süß. Ebenso mit im Gepäck seiner Stellagen mehrere Salate mit ausgeprägten Bitterstoffen. „Die sind gerade im Winter beliebt und gesund“, sagt Kathrin Hofmeister. Ob Spargelchicorée Puntarella oder löwenzahnähnliche Catalonia und im Duett mit der intensiv-scharfen Zwiebelsorte Barettano aus Italien – Norbert Fritz weiß, was er von wo verkauft. „Vor über 20 Jahren haben  wir als Bio-Bauer mit über 100 Kulturen begonnen und vieles verworfen, heute liefern wir überwiegend frühen Schnittlauch an den Großmarkt, Topf- und Gemüsepflanzen“, sagt er.

Dass man mit Experimenten im Grünen zwar weiterkommt, aber nicht unbedingt erfolgreich ist, hat auch Kathrin Hofmeister mehrfach erlebt. „Für meine Buchprojekte habe ich einiges ausprobiert. Man muss nicht alles selbst anbauen, aber man sollte sich bewusst sein, was im Eigenanbau steckt“, sagt die Autorin von einem Dutzend Fachbücher. Selbstversorgerfans, die gesund essen wollen, aber Aufwand scheuen, rät sie: „Ich bin ein großer Kräuterfan. Hier kann man Geschmack und viel Vitamin C schnell mit dem Essen vereinen.“

Ohnehin ist die TV-Kolumnistin eine leidenschaftliche Beobachterin der Natur. „Alte Sorten, etwa bei Äpfeln, kommen wieder. Und das ist auch gut so, um den Gen-Schatz und die Artenvielfalt der Natur zu erhalten, wie etwa alte Streuobstwiesen“, sagt die gebürtige Bonnerin. Und so hat sie in ihrer Eifeler Wahlheimat beobachtet, dass sich gerade Streuobstwiesen optimal guten Ertragsjahren und schlechten Wetterjahren anpassen können. „Allerdings stelle ist auch trotz eines guten Baumangebots und auch trotz Totholzes ein kleineres Insektenangebot fest.“ Dabei hat sie nicht einmal nur die schiere Insektenmenge, sondern auch die unterschiedlichen Arten im Blick. „Wie gesund ein Biosystem ist, zeigt sich ja auch in der Vielfalt“, sagt Hofmeister.

Das hat die Gartenjournalistin bereits in ihrer Gärtnerlehre im Staudensichtungsgarten Weihenstephan gelernt sowie beim Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Passau. „Ich bin geprägt von dieser Lehre, in der es auch darum geht, Standortbedingungen für Pflanzen zu schaffen und zu erhalten. Denn jede Pflanze ist anders“, weiß die Expertin. Jeder Anfänger mache diese Erfahrung, wenn er sich seine erste Pflanzen kaufe und die plötzlich eingehe. Garten- und Pflanzenwissen sei mit viel Ausdauer und Geduld erarbeitet, weshalb Hofmeister für englische Gärten schwärmt: „Ich kenne kaum eine Nation, die mit so viel Pflanzenbegeisterung und Humor Gartenarbeit leistet.“ Denn während hierzulande vielfach Moos und Unkraut zwischen Pflastersteinen verpönt seien, dürfe dies in englischen Gärten gerne sprießen. Und auch in Japan werde Moos geradezu „verhätschelt“. „Ich bin ein großer Moosfan“, gesteht sie, denn in Moosen herrsche ein wahres Kleinklima, das Feinstaub filtere.

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 Norbert Fritz zeigt Kathrin Hofmeister den Bio-Apfel Natyra, sie selbst hat Winterpostelein entdeckt.
Norbert Fritz zeigt Kathrin Hofmeister den Bio-Apfel Natyra, sie selbst hat Winterpostelein entdeckt. Foto: Sabine Schwadorf

Und so macht sie auch allen Anfängern Mut, die der Ansicht sind, keinen grünen Daumen zu haben. „Inzwischen haben viele Menschen Sehnsucht nach der Arbeit mit Erde und Pflanzlichem bekommen. Aber das ist ein Prozess, der wachsen muss“, sagt die Kolumnistin, die jeden Tag Zeit in ihrem Garten verbringt. Sie selbst profitiert davon, dass auch ihre Mutter viele verschiedene Pflanzen im Garten „gesammelt“ hat. Sie selbst liebt alle Formen der Wolfsmilch, „immer diejenige, die gerade blüht“. Und da es weltweit mehr als 2000 Arten gibt, hat Kathrin Hofmeister dauerhaft Freude. Geht es um Schmuckpflanzen, so schwärmt sie für Pfingstrosen, über die sie auch ein Buch veröffentlicht hat: „Es ist faszinierend, wie die Natur so etwas in Blüten, Blättern, Formen und Farben ausprägen kann.“