Kolumne Mahlzeit: Eine anspruchsvolle Knolle

Kolumne Mahlzeit : Eine anspruchsvolle Knolle

Laut Hildegard von Bingen macht Fenchel die Menschen fröhlich. Dennoch weckt der Begriff bei vielen unangenehme Erinnerungen an Kindheitstage: Bauchweh wird mit Fencheltee assoziiert.

Zugegeben: Der Samen schmeckt speziell und ist viel intensiver als der Rest der Pflanze. Bei Fenchel kann bis auf die Wurzel alles verwertet werden: Die Knolle hat einen milden aromatischen leicht anisartigen Geschmack und eignet sich sogar als Rohkost, gedünstet als Beilage zu Fleisch und Fisch. Fenchel macht auch auf dem Grill eine prima Figur: einfach halbiert auf den Rost legen, und schon entwickelt sich ein intensives, fast karamelliges Aroma. Das Kraut ist am mildesten und kann wie Dill Salate oder andere Gerichte verfeinern. Praktisch ist, dass die Fenchelknolle im feuchten Tuch eingeschlagen im Kühlschrank bis zu fünf Tagen hält. Bräunliche Stellen können weggeschnitten werden. Anspruchsvoller als die Zubereitung ist ihr Anbau. Fenchel ist empfindlich, er liebt Wärme, guten Boden, gleichmäßige Feuchtigkeit. Von daher ist es für Bauern und Gärtner nicht so einfach, schöne, wohlgeformte und große Knollen zu züchten. Und genau die sind bei Käufern beliebt. Deshalb wird er hierzulande selten angebaut. Meist wird Fenchel aus Mittelmeerländern importiert, dort kommt er ursprünglich her. Gerichte aus Fenchel gelten als leicht verdaulich und magenschonend. Unabhängig davon lohnt es sich, die Knolle in den Speiseplan zu integrieren, die Vitamine C, A, E und K sowie Kalium sind reichlich vorhanden. Wer sich langsam an Fenchel herantasten möchte, sollte es mit Salsiccia versuchen, einem gut gewürzten Grillwürstchen mit feiner Fenchelnote.

Susanne Umbach ist Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

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