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Eine Pflanze für feinsinnige Frauen

Eine Pflanze für feinsinnige Frauen

Als Leinsaat, Leinengewebe oder in Ölform hat sich eine der ältesten Kulturpflanzen ihren Platz im modernen Leben erhalten. Von ihrer Bedeutung als Stolz geschickter Flachsbäuerinnen wissen nur noch wenige zu berichten. Martha Heit aus Gutweiler gehört dazu und zieht den Schluss: Flachs ist etwas für feinsinnige Frauen.

Trier/Gutweiler. "Flachs wird gesät, damit die Frauleut was zu tun haben", hieß es im Hunsrück lapidar. Ganz widersprechen würde Martha Heit nicht. Über Jahrzehnte hat sich die Spezialistin aus Gutweiler (Kreis Trier-Saarburg) intensiv mit dem Thema Flachsanbau beschäftigt und im Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz gewirkt. Im Rahmen der 16. Tagung des Netzwerkes "Frauen in der Geschichte der Gartenkultur", die in diesem Jahr unter dem Titel "Lein, Wein und mehr - ein Spaziergang durch 2000 Jahre Landschaftskultur" in Trier stattfindet, wird die Autodidaktin im Interview mit Moderatorin Beate Brucksch vom Grünflächenamt Trier über "Die wahren Freuden des Flachsanbaus" berichten.
Schon die Tatsache, dass es mehrere Bezeichnungen für das blau blühende Gewächs mit den begehrten Samen und dem faserigen Kraut gibt, zeigt seine Bedeutung. Lein bezeichnet in erster Linie die blühende und fruchtende Pflanze.
Flachs heißt es nach der Ernte


Von Flachs spricht man meist ab dem Zeitpunkt der Ernte. Im Flachs steckt das "Flechten". Der fertige Stoff heißt Leinen. Die Leinsamen kennt man als Vitalitätskur und genießt sie in Backwaren. Leinöl erlebt als Anti-Aging-Wunderwaffe eine Renaissance.
In Zeiten der Spezialisierung hat man kürzer wachsenden Öllein gezüchtet und hochwüchsigeren Faserlein. Der Echte Lein von früher dagegen war ein Alleskönner. Für Nutzgärtner, die ihren eigenen Leinsamen anziehen wollen, ist die Einjährige heute noch aktuell. Viele Pflanzenfreunde holen sich mit ausdauernden Leinarten Landlust in den Garten. Die blauen Blüten lassen erahnen, was auf den Feldern in Eifel und Hunsrück bis ins letzte Jahrhundert ein gängiger Anblick war.
"Die Alten haben noch gewusst, wie man Lein anbaut", sagt Martha Heit. "Im ersten Jahr wuchsen Kartoffeln auf dem Acker, im zweiten Jahr Rüben, und erst im dritten wurde Lein ausgesät." Der Grund: Die feine Pflanze braucht es unkrautfrei. Das war nach zwei Anbaujahren der Hackfrüchte gegeben. Sie mussten ständig von Unkraut freigehalten werden.
In alten Hauschroniken lassen sich noch Zeugnisse der einstigen Bedeutung des Leinen finden. Auf dem Mayisch-Hof in Lauperath (Eifelkreis Bitburg-Prüm) schlägt Alma Hermes das Hausbuch auf: Im Vordergrund stand die Fasergewinnung.
Futter und Heilpflanze


Aus den Samen wurde Leinöl gewonnen. Die Pressrückstände waren ein vortreffliches Futter für Jung- und Zuchtvieh. Zu Heilzwecken verwendete man Leinsamen bei Mensch und Tier.
Unter dem Aspekt der Gesundheit ist die bereits in der Jungsteinzeit genutzte Kulturpflanze wieder aktuell. Als Faserpflanze, die zur Dämmung eingesetzt wird, hat sie eine neue Nische gefunden.
Ein Nischenprodukt sei die sensible Pflanze schon immer gewesen, meint Martha Heit: "Lein ist schwierig im Anbau und Flachs unberechenbar beim Übergang von einer Materie in die andere". Man müsse ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt der Ernte im September entwickeln. Brechen, Hecheln und Spinnen verlangten viel Erfahrung. Eine so empfindliche Pflanze sei von besonders feinsinnigen Frauen am erfolgreichsten angebaut worden.
Extra

Als Zierpflanze blüht Lein im Frühsommer blau. Foto: Kathrin Hofmeister (kf) ("TV-Upload Hofmeister"

Wer sich für die Tagung "Lein, Wein und mehr - ein Spaziergang durch 2000 Jahre Landschaftskultur" des Netzwerkes "Frauen in der Geschichte der Gartenkultur" vom 18. bis 19. September in Trier interessiert, findet alle Informationen unter gartenlinksammlung.de/netzwerk_frauen.htm kf