Erntedank - ja, bitte!

Das Erntedankfest steht vor der Tür. In vielen Kirchen wird Obst und Gemüse üppig drapiert.

Mit dieser christlichen Tradition bedankt man sich für die Ernte und bittet auch für reichen Ertrag im nächsten Jahr. Das klingt nach echter Wertschätzung. Dieser Aufruf ist nach wie vor aktuell. Nicht nur in Deutschland werden zu viele Produkte weggeworfen. Spitzenreiter sind Obst und Gemüse. Sie machen die Hälfte entsorgter Produkte aus und das zum Teil nur aus ästhetischen Gründen. Gurke, Apfel und Co. entsprechen nicht den Schönheitsidealen so mancher Norm. In den Regalen ist nur die makellose Ware vertreten, daran hat man sich gewöhnt.
Aber stört es Verbraucher, wenn der Stiel der Zucchini vier anstatt der geforderten drei Zentimeter lang oder die Krone der Ananas mehr als 30 Grad geneigt ist? Schade um die aussortierte Ware - denn innere Werte und Genuss bietet sie wie die "schönen" Exemplare.
Für viele ist selbstverständlich, dass das Angebot ganzjährig groß ist. Doch sind die Verhältnisse nicht immer selbstverständlich. Das erleben die Bauern in diesem Jahr schmerzlich. Die Natur hat ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht - etwa bei Äpfeln. Ein Plädoyer für "weniger Schönheit und mehr Biest" und ein Zugreifen zu Früchtchen, die braune Stellen haben oder unförmig aussehen! Ein erstes Umdenken zeigt sich bei manchen Discountern, die "krumme Dinger" anbieten. Wir sagen "Danke für die gesamte Ernte". Spätestens, wenn Obst und Gemüse mit kleinen Macken zu leckeren Salaten, Bratlingen oder Kuchen verarbeitet werden, ist die Hülle nebensächlich.
Susanne Umbach ist Ernährungsreferentin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
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