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Erwachsene müssen Kinder schützen

Erwachsene müssen Kinder schützen

Große Resonanz bei der TV-Telefonaktion: Mobbing kann jeden treffen. Damit die Quälerei ein Ende nimmt, müssen Erwachsene sensibel handeln. Wie, das erklärten zwei Experten zahlreichen Anrufern am TV-Telefon.

Hier einige Fragen, die Leser bei der Telefonaktion unseren Experten gestellt haben: Wir haben als Eltern den Mitschüler unseres Sohnes, der ihn permanent schikaniert, auf dem Schulfest zur Rede gestellt. Das hat dazu geführt, dass das Mobbing jetzt noch schlimmer wurde.Rainer Disteldorf, Schulsozialarbeiter an der Nelson-Mandela-Realschule plus Trier: Eltern sollten nicht auf eigene Faust die Auseinandersetzung mit dem Mobber suchen. Von einem "Überfall" ist abzuraten. Eine Konfrontation sollte anders stattfinden. Ein Gespräch sollte gut durchdacht und geplant sein sowie mit allen Beteiligten - Schule, Täter, Opfer und je nach Situation auch mit den Eltern - stattfinden.Ich habe Stress mit einer Mitschülerin. Sie beleidigt mich ständig und hat mir Prügel angedroht. Ich wehre mich zwar, aber ich möchte, dass die Situation geklärt wird. Was kann ich tun?Rainer Disteldorf: Eine Möglichkeit ist, dass du die Streitschlichtung in der Schule aufsuchst. Oder rede mit der Schulsozialarbeiterin. Dort kannst du in einem geschütztem Raum über das reden, was dich belastet. Versuche Situationen, in denen es zwischen euch eskaliert, zu vermeiden. Halte Abstand zu deiner Mitschülerin, etwa indem du dich nicht neben sie setzt, bis die Sache besprochen werden kann.Meine Enkelin wird seit einem Jahr gemobbt. Ihre Eltern haben mit dem Klassenlehrer gesprochen und eine Stunde zu dem Thema gemacht. Danach war das Problem noch größer. Was können wir tun?Marcus Weiß, Schulpsychologe vom Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier und kap, dem Kompetenzzentrum für angewandte pädagogische Psychologie:Wichtig ist, am Ball zu bleiben. Die Eltern sollten nochmals mit dem Klassenlehrer sprechen und nicht locker lassen, bis Maßnahmen vereinbart wurden, die wirklich helfen. Denn oft ist es mit einer Schulstunde nicht getan, sondern mehr Arbeit wird notwendig.Zum einen muss das Opfer geschützt werden, indem Regeln vereinbart werden und auf deren Einhaltung auch konsequent geachtet wird. Dabei sollten auch Sanktionen, die auf Mobbing folgen, klar festgemacht werden. Zusätzlich geht es darum, vorbeugend ein positives Klassenklima aufzubauen, in dem Mobbing nicht geduldet wird. Auch könnte man der gemobbten Schülerin einen sogenannten Buddy an die Seite stellen. Das kann ein älterer Schüler sein, der etwa dann einschreitet, wenn die Schülerin etwa schikaniert wird. Wichtig ist auch, mit der Schülerin zu sprechen, wie sie sich in der Situation verhalten kann.Unser Sohn wird gemobbt. Die Schule ist völlig überfordert, was kann man da machen?Marcus Weiß: Grundsätzlich ist es wichtig, dass man sich vertrauensvoll mit dem Kind unterhält, die Situation mit ihm bespricht und gemeinsam mit ihm nach Lösungen sucht, wie es sich verhalten kann. Und sagen Sie Ihrem Sohn, dass er sich nicht schämen muss. Mobbing kann jeden treffen! Ziel sollte sein, das Kind so weit aufzubauen, dass es selbst zurechtkommen kann. Parallel dazu müssen Sie trotzdem mit der Schule sprechen, damit auch dort gehandelt wird.Ich bin Studentin, und im Internet kursieren Gerüchte über mich. Von anderen höre ich, dass ich dort immer schlechtgemacht werde. Auch bei meinen Eltern wurde schon Telefonterror veranstaltet. Ich weiß nicht mehr weiter.Rainer Disteldorf: Da Sie nicht genau wissen, was wer über Sie spricht, rate ich Ihnen, die Polizei wegen übler Nachrede einzuschalten! kat