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Experten erklären den Corona-Krankheitsverlauf von der Infektion bis zur Heilung

Kostenpflichtiger Inhalt: Ratgeber zum Virus : Von der Infektion bis zur Heilung - Was über das Coronavirus bekannt ist

Die Erkenntnisse über Covid 19 sind begrenzt. Der typische Verlauf ist schwierig zu bestimmen, weil die Krankheit unterschiedlich verläuft. Das Science Media Center, ein Wissenschaftsdienst für Journalisten aus Köln, hat versucht, die Erkenntnisse aufzubereiten und in einer Grafik darzustellen. Eine Zusammenfassung.

Die Grafik des SMC zeigt milde und moderate sowie schwere Verläufe (oben). Die darunter mit Pfeilen angedeuteten Zeiträume beschreiben wichtige infektionsepidemiologische Abschnitte, die zur Charakterisierung der Erkrankung beitragen können. Jeder Schritt im Verlauf der Krankheit ist durch einen Buchstaben gekennzeichnet, die im Folgenden erklärt werden. Das SMC hat zur Erklärung des Krankheitsverlauf mehr als 30 internationale Quellen ausgewertet. Infos zum SMC gibt es auf dieser Website.

a) Latenzzeit:

  • Umfasst den Zeitraum zwischen dem Tag, an die Person dem Virus ausgesetzt war (Exposition) und sich angesteckt hat bis zum Zeitpunkt, an dem der Angesteckte infektiös wird, also weitere Menschen anstecken könnte. Die Länge des Zeitraums ist laut den vom SMC ausgewerteten Forschungsarbeiten kaum messbar unter Realbedingungen. Der bisher vermutete Zeitraum liegt zwischen 2,5 Tagen vier Tagen. Das Robert-Koch-Institut geht von drei Tagen aus. Das SMC betont: „Bei COVID-19 ist die Zeitspanne der Latenz in den wenigen verfügbaren Studien kürzer als die ermittelte Inkubationszeit.“ Das bedeute, dass Infizierte schon vor dem Auftreten der ersten Symptome infektiös sein können.

b) Inkubation:

  • Umfasst den Zeitraum vom Tag der Ansteckung bis zu dem, an dem sich erste Symptome zeigen. Häufig wird ein Mittelwert zwischen fünf und sechs Tagen angegeben. Mittelwerte verschiedener Studien schwanken aber: Sie reichen von vier bis neun Tagen. Von einzelnen Patienten sind sogar Inkubationszeiten bis zu 14 Tage nachgewiesen, darauf basieren auch die gängigen Isolations- und Quarantäne-Empfehlungen. „Häufig und sehr früh berichtete Symptome sind Fieber und trockener Husten“, heißt es. „Nicht jeder Infizierte wird aber auch krank und entwickelt starke Symptome, die Infektion verläuft dann also asymptomatisch; wobei fraglich ist, wie viele Menschen sehr leichte Symptome, wie ein Halskratzen, als Krankheitszeichen wahrnehmen und berichten.“

c) Zeitspanne der Infektiosität:

  • Umfasst den Zeitraum, in dem ein Infizierter ansteckend ist. Reale Werte müssen aufwendig in Laborexperimenten bestimmt werden.
  • Ein positives Ergebnis des PCR-Tests (siehe j)) muss nicht zwingend Infektiosität bedeuten.
  • Das Ende der Latenzzeit ist rein theoretisch der Beginn der Infektiosität.
  • Bisher lassen sich keine experimentellen Daten dazu finden, wie viel Viruslast ein Infizierter vor Symptombeginn hat und ab wann welche Dosis infektiös wirkt.
  • Zwei Studien geben Startpunkt der Infektiosität mit circa 2,5 Tagen vor Symptombeginn an an, mit einem Maximum an Viruslast also Infektiosität 0,6 Tage vor Symptombeginn.
  • Das RKI bewertet diesen Umstand so: „Diese frühe Infektiosität erschwert die Erkennung von Fällen vor der Entstehung von Nachfolgefällen sehr deutlich und führt zu der großen Relevanz der Quarantänisierung von engen Kontaktpersonen.“
  • Hinweise darauf, wie lange ein Infizierter ansteckend ist, geben Laborexperimente: Infektiosität liegt vor, wenn sich aus Abstrichen gewonnene Virus in Zellkultur vermehren kann. Das RKI geht übereinstimmend mit anderen Studien davon aus, dass ein Infizierter etwa zehn Tage ansteckend ist.

d) Ansteckung weiterer Personen - das serielle Intervall:

  • Das sogenannte serielle Intervall beschreibt die Zeitspanne von Symptombeginn des Infizierten (Primärfall) bis zum Symptombeginn eines von ihm Angesteckten (Sekundärfall). Für COVID-19 schwanken die Mittelwerte in Studien zwischen knapp unter vier bis über sieben Tage. Einige Studien gehen davon aus, dass das serielle Intervall kürzer als die Inkubationszeit ist. Das deutet daraufhin, dass COVID-19 auch vor Symptombeginn übertragen werden kann.
  • Greifbarer ist der Zeitpunkt, an dem ein Infizierter (erstmals) jemand anderen ansteckt. Eine umfassende internationale Studie gibt dazu folgenden Wert an: Im Schnitt steckt ein Infizierter bereits 0,19 Tage vor seinem eigenen Symptombeginn einen weiteren Menschen an. In einer anderen Studie schätzen Forscher diesen Zeitpunkt auf circa 2,5 Tage vor Symptombeginn. Offenbar können auch SARS-CoV-2-Infizierte also ohne spürbare/berichtete Symptome bereits weitere Menschen anstecken – es erfolgt eine asymptomatische Übertragung.
  • Es ist allerdings fraglich, wie viele Menschen sehr leichte Symptome, wie ein Halskratzen, als solche wahrnehmen und berichten.
  • Ein Infizierter steckt in der Regel jedoch auch mehr als nur einen Menschen an. Für SARS-CoV-2 wird geschätzt, dass er in der frühen Phase in Wuhan, China eine sogenannte Basisreproduktionsrate (R0) von 2 bis 2,5 hatte – in einer Bevölkerung, die komplett empfänglich für den Virus ist und in der noch keine Maßnahmen eingeführt wurden, die Verbreitung einzudämmen. Das RKI geht in eigenen Modellierungen von einem R0= 2 aus.
  • Wie viele weitere Menschen ein Infizierter tatsächlich anstecken kann, hängt aber stark von dem Ausbreitungskontext ab: Ist beispielsweise schon eine Ausgangsbeschränkung eingeführt, sinkt der Wert der effektiven Reproduktionsrate.
  • Laut einer noch unpublizierten Studie über zu einem frühen Zeitpunkt infizierte bayrische Patienten und deren Kontaktpersonen sollen sich weniger als fünf Prozent der engen Kontakte angesteckt haben. Eine Ansteckung soll laut dieser Studie auch nur bei 15-minütigem Aufenthalt mit nahem Gesichtskontakt im selben Raum erfolgt sein.

e) Zeit bis zur Isolation milder Fälle:

  • Die Dauer zwischen Symptombeginn und Isolation eines COVID-19-Falles spielt eine große Rolle für eine erfolgreiche Eindämmung der Pandemie. Je kürzer diese Zeitspanne, desto weniger Kontakte kann ein Infizierter anstecken. Werden auch die engen Kontakte eines Infizierten frühzeitig aufgefunden und quarantänisiert, verhindert man auch präsymptomatische Infektionen weiterer Menschen.
  • Bei den ersten Fällen und zugehörigen Kontakten in Südkorea, häufig ein Vorbild in der Eindämmung von SARS-CoV-2, betrug die Zeit bis zur Isolation im Mittel 4,3 Tage.
  • In Shenzhen, China konnten durch Symptome aufgefallene Fälle innerhalb von 4,6 Tagen isoliert werden; Kontakte von Infizierten durch contact tracing innerhalb von 2,7 Tagen.Ein Nachverfolgen der Kontakte half also dabei, die Zeit um zwei Tage zu reduzieren, in der infektiöse Fälle weitere Menschen anstecken können.

f) Zeit von den ersten Symptomen bis zur Erholung milder Fälle:

  • Mild bis moderat verlaufende Fälle können in häuslicher Isolation gesunden, obwohl moderate Fälle auch mit einer leichten Lungenentzündung einhergehen können. Nach 14 Tagen ab Symptombeginn kann die häusliche Quarantäne beendet werden, wenn der Patient für 48 Stunden symptomfrei war.
  • 80 Prozent der Fälle in China sind nach bisherigem Wissensstand mild bis moderat verlaufen. In Südkorea wurden die ersten Patienten im Schnitt 13 Tage nach der Diagnose für gesund erklärt.

Schwere Krankheitsverläufe:

g) Zeit von ersten Symptomen bis zur Einweisung ins Krankenhaus:

  • Schwere Fälle mit einer stärkeren Lungenentzündung bis hin zu Atemnot müssen im Krankenhaus behandelt werden; sie benötigen dann meist eine Form der Beatmung.
  • Umfangreiche Daten aus China zeigen einen Anteil an schweren Fällen zwischen 7 und 18 Prozent, je nachdem, ob das Ausbruchs-Epizentrum Wuhan eingerechnet ist oder nicht.
  • Das RKI schätzte in einer Modellierung, dass in Deutschland circa 4,5 Prozent aller Fälle einen schweren Verlauf nehmen; in einem anderen Bericht über die aktuellen Realfälle heißt es, dass derzeit 12 Prozent aller bestätigten Fälle im Krankenhaus behandelt werden.
  • Eine internationale Studie zieht zur Ermittlung des Zeitpunkts, an dem die Patienten das Krankenhaus aufsuchen, den Zeitpunkt der Diagnose einer Lungenentzündung nach durchschnittlich 5,8 Tagen heran.
  • Daten aus China zeigen, dass Erkrankte circa 5 bis 9 Tage nach Symptombeginn ins Krankenhaus kommen. In China wurden Fälle in Kliniken allerdings nicht nur behandelt, sondern auch dort isoliert – Letzteres passiert hierzulande jedoch im eigenen Heim.
  • Das RKI rechnet in einem eigenen Modell mit vier Tagen von Symptombeginn bis Krankenhausaufnahme. Wie viele COVID-19-Patienten derzeit in Deutschland auf Intensivstationen behandelt werden, ist unklar.
  • In Italien benötigten Anfang März 16 Prozent der im Krankenhaus behandelten Patienten eine intensivmedizinische Versorgung; in China waren es fünf Prozent. Nach aktuelleren Berechnungen sind es in Gesamtitalien derzeit 13,5 Prozent.
  • Das RKI nimmt in Modellierungen für Deutschland sogar an, dass 25 Prozent aller in Krankenhäusern behandelten Patienten intensivmedizinisch versorgt werden müssen und zwar im Schnitt einen Tag nach Ankunft in der Klinik.
  • In anderen europäischen Ländern schwankt dieser Wert zwischen drei Prozent (Österreich), über 40 (Frankreich, Belgien) und sogar über 50 Prozent (Spanien).

h) Zeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus:

  • Laut einer vom SMC zitierten Studie vergehen im Schnitt 24,7 Tage vom Symptombeginn an, bis im Krankenhaus behandelte Patienten entlassen werden können.
  • Das RKI nimmt an, dass Patienten, die nicht auf Intensivstationen behandelt werden müssen, circa 14 Tage im Krankenhaus verbleiben bis sie gesund entlassen werden können. Zusammen mit der vom RKI angenommenen Inkubationszeit von fünf Tagen, macht das 19 Tage von Symptombeginn bis Krankenhausentlassung.
  • Kenntnis dieses langen Zeitraums, in dem noch nicht klar ist, welchen Ausgang die Erkrankung nehmen wird, ist zur Berechnung der Schwere/Fallsterblichkeit enorm wichtig.
  • Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Patient als genesen aus dem Krankenhaus entlassen werden kann: – Seit mindestens 48 Stunden symptomfrei – Zwei negative PCR-Tests im Abstand von 24 Stunden aus Rachenproben – Stabile, auf dem Weg der Besserung befindliche Fälle können in Deutschland auch in die häusliche Isolation entlassen werden, dort verbleiben sie wiederum 14 Tage
  • Daten aus China legen nahe, dass schwere bis kritische Fälle nach insgesamt drei bis sechs Wochen ab Symptombeginn vollständig genesen sind.

i) Tödlicher Ausgang von Covid 19:

  • COVID-19-Patienten versterben innerhalb von circa 18 Tagen nach Symptombeginn.
  • Verstorbene wurden im Schnitt zuvor 13 Tage im Krankenhaus behandelt.
  • Die Todeszahlen entwickeln sich also mit großer Verzögerung im Vergleich zu den Fallzahlen – das ist wichtig zur Berechnung der Schwere/Fallsterblichkeit; Menschen, die zum Zeitpunkt X sterben, haben sich daher circa 23 bis 24 Tage zuvor infiziert.
  • In Deutschland sind aktuell 455 Menschen an COVID-19 gestorben; 87 Prozent davon waren 70 Jahre oder älter (Stand 30.03.2020). Diese altersabhängige Schwere der Erkrankung stimmt mit internationalen Ergebnissen überein, die über eine drastisch erhöhte Sterblichkeit im höheren Alter berichten.
  • In Modellierungen setzt das RKI als Annahme voraus, dass 50 Prozent der intensivmedizinisch behandelten Patienten sterben. Wie hoch der reale Anteil der Todesfälle pro im Krankenhaus behandelter Patienten ist, bleibt weiterhin unklar.

j) Wann der PCR-Test aus SARS-CoV-2 positiv ist:

  • Der PCR-Test detektiert das Erbgut des Virus in Proben. PCR steht dabei für polymerase chain reaction (Polymerase-Kettenreaktion). Der Test basiert auf der Vervielfältigung von Erbmaterial. Der Test reagiert damit nicht nur auf das vermehrungsfähige (infektiöse) Virus, sondern auch auf verbleibende auf Reste (beispielsweise gegen Ende einer Infektion). Damit der Test positiv sein kann, muss genug Erbgut des Virus in einem Milliliter der Probe vorliegen (Viruslast). Die Detektionsgrenze liegt laut FDA bei circa 136 Viruskopien pro Milliliter Probe. Wenn nach 40 Zyklen nicht genügend Erbgutkopien vorliegen, wird der Test negativ gewertet.
  • Das Testergebnis hängt stark von der untersuchten Probe ab: – Die Qualität des Abstrichs spielt eine Rolle. Im Rachen muss beispielsweise beherzt abgestrichen werden, damit genügend Zellmaterial abgelöst wird. Das kann mitunter schmerzhaft sein – eine Selbstbeprobung von Patienten kann daher fehlerhaft sein – Je nach Verlauf muss anderes Material verwendet werden: Im Anfangsstadium ist ein Rachenabstrich am besten geeignet. Später muss das Lungensekret (Sputum) untersucht werden, da die Infektion tief in die Lunge gewandert ist.
  • Schon am Tag des Symptombeginns kann eine hohe Viruslast gemessen werden, die innerhalb der ersten Woche kontinuierlich abnimmt; das deutet daraufhin, dass der Höhepunkt der Virusausschüttung mit Symptombeginn bereits überschritten ist. Zwischen dem ersten und fünften Tag nach Symptombeginn waren alle Proben von neun intensiv untersuchten Patienten positiv; nach dem fünfte Tag nahm die Viruslast in den Abstrichen ab und nur noch 50 Prozent der Proben lagen über der Detektionsgrenze.
  • Aber: Je stärker die Symptome sind, desto länger sind Patienten auch positiv; Höhepunkt der Viruslast im Lungensekret an Tag 10/11 nach Symptombeginn bei Lungenentzündungen; der Virusnachweis war auch noch über das Abklingen der Symptome hinaus möglich. In einer anderen Studie war der Virusnachweis ebenfalls umso länger positiv, je schwerer die Verläufe waren, im Mittel 20 Tage lang nach Symptombeginn.
  • In Deutschland wurden bis zum 26. März 483 295 Proben getestet. 33.491 Proben (6,9 %) waren positiv.

k) Zeit bis spezifische Antikörper gebildet werden:

  • Bis zum sechsten Tage entstehen keine spezifischen Antikörper, nach etwa 12 Tagen wurden sie erstmals bei milden bis moderaten Fällen beobachtet.
  • Spezifische Antikörper im Blut sind ein Hinweis darauf, dass ein Infizierter gegen SARS-Cov-2 immun wird. Das Immunsystem kann diesen Erreger dann bei einer erneuten Infektion unschädlich machen.
  • Ergebnisse aus dem Tiermodell stützen diese Ergebnisse: Chinesische Forscher konnten Rhesusaffen nach einer ersten, abgeschlossenen Erkrankung nicht erneut mit SARS-CoV-2 infizieren.
  • Wie lange eine Immunität anhalten könnte, ist noch unklar. Vom verwandten Virus SARS-CoV ist bekannt, dass Antikörper nach einer überstandenen Infektion bis zu drei Jahre eine erneute Infektion verhindern können.