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Experten geben TV-Lesern Rat

TV-Telefonaktion : „Geben Sie sich eine Struktur, wenn Corona aufs Gemüt schlägt“

() Ich leide seit Jahren an einer Depression. Nun habe ich endlich eine Therapie angefangen, bekomme aber nur alle vier Wochen einen Termin. Wo finde ich zwischendurch Hilfe?

Angela Dieterich, Diplom-Psychologin und in der Abteilungsleitung der Lebensberatung des Bistums Trier in Bitburg: Sie können sich Tag und Nacht an die Teefonseelsorge unter der Nummer 0800-110111 wenden. Zudem gibt es die Internetseite www.deutsche.depressionshilfe.de mit einem Info-Telefon und Online-Foren. Und es gibt ein Online-Selbstmanagement -Programm gegen Depression unter dem Namen „ifightdepression“.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass alles nur schlecht läuft. Ich bin in einem Tief und komme da kaum mehr raus. Wie kann ich gegensteuern?

Dieterich: Bei einer Depression wird das Negative im Leben stark vergrößert wahrgenommen und beherrscht oft das gesamte Denken. Während der Corona-Krise vergrößern sich oftmals auch Ängste und Sorgen und das ganze Leben scheint nur negativ zu sein. Aber man kann gegensteuern: Geben Sie sich eine Tagesstruktur, an den veränderten Alltag angepasst. Hilfreich ist, aktiv zu sein, flott an der frischen Luft spazieren zu gehen. Pflegen Sie Kontakte, auch wenn sie nur über Telefon oder Chat stattfinden. Und man sollte nur so viele Nachrichten über Corona ansehen wie es einem guttut und vor allem nur aus seriösen Quellen. Denken Sie mehrmals am Tag bewusst an etwas Positives oder an das, wofür sie dankbar sind. Damit steuert man das Denken und Fühlen aktiv in eine positive Richtung. 

Ich fühle mich während der Pandemie sehr einsam und brauche Hilfe. Wo kann ich mich beraten lassen? Wie groß sind die Wartezeiten und Kosten?

Soi Papanastasiou, Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie in Trier: Sie können sich bei Beratungsstellen wie der Diakonie, des Bistums Trier, der Caritas oder des Bürgerhauses Trier-Nord, beraten lassen. Während der Pandemie finden Beratungen verstärkt telefonisch oder online statt, es gibt auch „Face-to-Face“-Angebote. Bei uns, der Diakonie, beträgt die Wartezeit zwei bis drei Wochen, bei akuten Themen weniger. Die Beratungen sind kostenfrei.

Schon länger bin ich in den Wintermonaten anfällig für Stimmungstiefs. Jetzt in Corona bedingter Kurzarbeit ist es noch schlimmer. Was kann ich tun?

Petra Gottwald, Diplom-Psychologin beim Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Sorgen Sie für einen regelmäßigen Tagesablauf, auch am Wochenende. Dazu gehört, sich nach dem Aufstehen anzuziehen. Unabhängig vom Wetter ist es ratsam, täglich an die frische Luft zu gehen. Wenn Freunde ebenfalls in Kurzarbeit sind, könnten Sie gemeinsam Corona konform spazieren gehen. So überwindet man den „inneren Schweinehund“ eher. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und vermeiden Sie Alkohol. Wenn das nicht hilft oder nicht zu schaffen ist, gehen Sie zum Hausarzt.

Am Anfang der Pandemie war ich noch zuversichtlich, inzwischen fühle ich mich öfter niedergeschlagen und mutlos. Bin ich depressiv?

Gottwald: Eine behandlungsbedürftige Depression liegt vor, wenn die geschilderten Probleme seit mindestens sechs Monaten durchgängig bestehen und sich auf nahezu alle Lebensbereiche beziehen. Ein vorübergehendes, kurzfristiges Gefühl der Niedergeschlagenheit ist in der aktuellen Situation und Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Versuchen Sie, soviel Tageslicht wie möglich zu bekommen und Dinge zu tun, die Ihnen Freude machen.