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Expertenratschlag für die Gesundheit

Gesundheit : Wenn mich der Schlag trifft

Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland, die zu einem Leben mit Behinderung führen. Nach den neusten Daten ereilt jeden vierten Menschen im Laufe des Lebens ein Schlaganfall.

Zumeist tritt er bei Menschen über dem 70ten Lebensjahr auf, aber gar nicht so selten auch bei jüngeren Patienten unter 50 Jahren. Wichtiger Umstand ist, dass es im Rahmen der Corona-Infektion ebenfalls zu Schlaganfällen kommen kann. Zudem zeigen die Erfahrungen aus dem Frühjahr, dass Patienten aktuell mit einem akuten Schlaganfall häufig zu spät oder gar nicht ins Krankenhaus kommen. Warum ist es so wichtig, sich trotz Sorge vor Corona möglichst früh behandeln zu lassen? Bei einem Schlaganfall führt ein Blutgerinnsel zu einem Verschluss einer Hirnarterie. Bereits nach wenigen Minuten gehen die ersten Nervenzellen in dem Gebiet unter, welches durch diese Arterie im Gehirn versorgt wird. Mit jeder Minute, die ich warte, hinterlässt der Schlaganfall mehr Schaden („Time is brain“). Auf der anderen Seite gibt es sehr effektive Therapien. Zum einen ist es möglich, dass Blutgerinnsel durch ein Medikament, welches über die Vene verabreicht wird, aufzulösen. Zum anderen können sehr große Blutgerinnsel über einen Katheter aus der Hirnarterie entfernt werden. Dadurch kann mittlerweile annähernd jedem zweiten Menschen mit einem Schlaganfall zu einem unabhängigen Leben verholfen werden, wenn die Therapie innerhalb von drei Stunden nach Symptombeginn gestartet werden kann. Diese Therapien werden auf sogenannten Stroke Units (Schlaganfallspezialeinheiten) angeboten. Besser wäre es natürlich, wenn man einen Schlaganfall im Vorfeld vermeiden könnte. Dies gelingt zum einen durch die konsequente medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes, erhöhtes Cholesterin). Eine Änderung des Lebensstils ist aber genauso notwendig. Durch Beendigung des Nikotinkonsums, Abnehmen bei Übergewicht, regelmäßige Bewegung wie auch Ernährung (mediterrane Kost) lässt sich das Risiko eines Schlaganfalls um mehr als 40% mindern. Umso wichtiger wird dies, wenn in der Familie bereits Schlaganfälle aufgetreten sind. Denken Sie aber bitte vor allem daran: Sollten plötzliche Symptome wie ein herabhängender Mundwinkel, die Lähmung einer Körperhälfte, plötzliche einseitige Blindheit, Sprach- oder Sprechstörungen auftreten, lassen Sie sich nicht aus Sorge vor Corona-Infektionen abhalten, 112 zu wählen und sich ins nächstgelegene Krankenhaus mit Stroke Unit bringen zu lassen.

Prof. Dr. Matthias Maschke, Chefarzt der Abteilung für Neurologie mit überregionaler Stroke Unit, Brüderkrankenhaus Trier.