TV-Telefonaktion Demenz: Hilfe auch während der Corona-Krise möglich

Trier · Nachgefragt: Zwei Expertinnen des Demenzzentrums e.V. beantworteten Leserfragen bei der Telefonaktion des Trierischen Volksfreunds.

Für die Expertinnen bei der TV-Telefonaktion gab es bei dem Thema Demenz eine Reihe von interessanten Fragen, die die Fachleute zu beantworten hatten. Hier eine Auswahl an Fragen und Antworten:

Woran erkennt man eine Demenz?

Angela Tonner, Diplom-Psychologin: In der Regel bricht zunächst das Kurzzeitgedächtnis weg. Das zeigt sich etwa darin, dass Dinge, die vor ein oder zwei Minuten stattgefunden haben, schon vergessen  sein können. Anzeichen sind auch eine  fehlende zeitliche und räumliche Orientierung: Termine werden vergessen, Tageszeiten verschoben, an Orten, an denen sich Betroffene nicht so häufig aufhalten, finden sie sich nicht mehr zurecht. Auch im Alltag hapert es immer öfter, etwa beim Kochen oder bei Büroarbeiten. Je nach Art der Demenz kann sich auch die Persönlichkeit des Menschen verändern oder das Sozialverhalten gestört sein.

Wie kann eine Demenz behandelt werden?

Tonner: Es gibt sogenannte Antidementiva, das sind Medikamente, die den Krankheitsverlauf zeitlich verzögern können. Ebenso werden Neuroleptika und Psychopharmaka eingesetzt, um Begleiterscheinungen wie aggressives oder depressives Verhalten zu behandeln. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die sogenannte Aktivierung der Betroffenen. Es gibt Betreuungs- und Aktivierungsprogramme mit speziellen sportlichen Einheiten, Musik wird eingesetzt oder Biografiearbeit, also die Beschäftigung mit der eigenen Lebensgeschichte. Die Angebote im Demenzzentrum finden während Corona in kleineren Gruppen und unter den bekannten Hygieneregeln statt. Menschliche Zuwendung, angemessene Aktivierung und Beschäftigung, eine den Umständen angepasste Umgebung haben einen wesentlichen Einfluss auf das Befinden des Betroffenen. Spezielle Angebote für an Demenz erkrankte Menschen entlasten auch die Angehörigen.

In letzter Zeit beobachte ich, dass mein Gedächtnis schlechter wird. Kann das mit Corona zusammenhängen?

Tonner: Ja, Corona wirft die Menschen stark auf sich selbst zurück und da Anregung fehlt, kann dies durchaus mit dazu beitragen, dass das Gedächtnis schlechter wird.  Das ist aber kein Hinweis auf eine Demenz.

Meine Mutter ist an Demenz erkrankt und ich fühle mich überfordert im Umgang mit ihr und der Krankheit. Haben Sie Tipps für mich?

Jeanette Kohl, Diplom-Pädagogin: In erster Linie ist es wichtig, sich so gut wie möglich auf die Betroffene einzustellen. Versuchen Sie, sich in die persönliche Lage und Welt Ihrer Mutter hineinzuversetzen und herauszufinden, wie und was ihr guttut. Geben Sie ihr  ein möglichst hohes Maß an Sicherheit etwa durch einen regelmäßigen Tagesablauf.  Vorhandene Fähigkeiten sollten so lange wie möglich aufrechterhalten und gefördert werden. Das erleichtert den Alltag und Betroffene können daraus ein Selbstwertgefühl schöpfen. Ist ein Familienmitglied an Demenz erkrankt, betrifft dies immer auch die Angehörigen. Beratung und Aufklärung können helfen, die gestellte Diagnose anzunehmen. Ganz wichtig: Sich über Demenz und den Verlauf zu informieren, baut Ängste und Unsicherheiten ab und erleichtert den Umgang mit  Betroffenen.

Ich kümmere mich seit zwei Jahren um meinen an Demenz erkrankten Vater. Ich gehe sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch. Welche Möglichkeiten habe ich, um mal entlastet zu werden?

Kohl: Um den Herausforderungen der Pflege und Betreuung eines an Demenz erkrankten Menschen zu Hause möglichst lange gewachsen zu sein, sollten Sie sich nicht scheuen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen: Es gibt Tagespflegen, Betreuungsgruppen oder stundenweise Betreuungen zu Hause durch geschulte Helferinnen und Helfer sowie Selbsthilfegruppen für Angehörige.