Familienbande

Es gibt Mädchen, die sich nicht für Mode interessieren - und Jungen, die nicht gern Fußball spielen. Es gibt Kinder, die empfindlicher sind als andere - und solche, die schneller wütend werden.

Manche sind deutlich kleiner oder größer als der Durchschnitt, andere entwickeln sich körperlich schneller oder langsamer als die meisten Altersgenossen. Eigentlich ist diese Vielfalt eine schöne Sache, und in der besten aller Welten könnte jeder vom anderen und dessen Eigenarten profitieren. Tatsächlich aber wird gerade unter Kindern jede Abweichung von der Norm registriert und oft auch heftig kritisiert. Dem liegt nur in seltenen Fällen so etwas wie gezielte Boshaftigkeit zugrunde. Ein relativ enges Weltbild gibt Kindern und Jugendlichen viel mehr Sicherheit bei der Orientierung in einer sich ständig wandelnden Welt. Jeder "Ausreißer" verursacht dementsprechend Unbehagen und Unsicherheit. Wenn Ihr Kind zu denen gehört, die nicht hundertprozentig ins Schema passen, haben Sie sicher schon häufig trösten und angekratztes Selbstbewusstsein wieder aufbauen müssen. Überlegen Sie gemeinsam, was Ihrem Kind wichtiger ist: Von den anderen nach deren Maßstäben anerkannt zu werden oder zu seiner Einzigartigkeit zu stehen? Schließlich ist nicht in jedem Lebensbereich Veränderung möglich und auch nicht immer wünschenswert. Bei wiederholten Anfeindungen und gezielter Ausgrenzung über einen längeren Zeitraum hinweg ist allerdings elterliches Einschreiten angezeigt - natürlich immer in enger Absprache mit Ihrem Kind. Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais in Trier. palais-ev.de