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Familienbande

Petra Gottwald.Foto: privat
Petra Gottwald.Foto: privat FOTO: (g_mehrw
"Mama, woher kommen die Babys?" Eben war das Kind noch selbst ein Baby, und nun stehen schon solche Fragen im Raum. Mit dem Verweis auf den Klapperstorch oder die Blumen und Bienen ist es bei diesem Thema natürlich schon lange nicht mehr getan.

Wie aber sag ich's dann meinem Kinde? Auch wenn eine Antwort nicht immer leichtfällt: Nehmen Sie es als Kompliment, dass Ihr Kind Sie für kompetent und vertrauenswürdig genug hält, um sich in dieser Sache an Sie zu wenden. Jüngeren Kindern reicht zum Glück meist eine eher einfache Erklärung. Da muss es gar nicht unbedingt um Körperteile und andere Details gehen. Wenn Ihr Kind aber weiterführende Fragen stellt, sollten Sie diese nicht unter Verweis auf sein Alter abblocken, sondern so verständlich wie möglich beantworten. Signalisiert Ihr Kind mit Worten oder Körpersprache, dass es nun genug an Antwort ist, sollten Sie es umgekehrt auch nicht mit weiteren Informationen und Erklärungen überfrachten - auch wenn die Versuchung noch so groß ist, das ganze Thema gleich ein für allemal abzuarbeiten. Die Älteren behandeln das Thema zwar mehrfach in der Schule, haben aber mindestens noch genauso viele Fragen und vor allem Ängste. Kein Wunder, ist doch der körperliche Aspekt für sie schon viel näher als für die Kleinen. Neben Ihrer grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft und der bestmöglichen Beantwortung aller Fragen ist hier vor allem eine Botschaft wichtig: Es gibt im Bereich der Sexualität keinerlei Norm, der man genügen müsste. Das gilt für die körperliche Ausstattung ebenso wie für das Tempo der Entwicklung und dafür, wie weit man wann mit wem zu gehen bereit ist. Jedes unwohle Gefühl hat hier mehr noch als irgendwo sonst seine Berechtigung. Umso besser, wenn man als Jugendlicher dann auch noch Eltern hat, mit denen man darüber reden kann! Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais in Trier. Palais-ev.de