Familienbande

"Die anderen dürfen das aber auch alle!" Wie oft mag dieser Satz zwischen Kindern und Eltern wohl schon gefallen sein? Ob es Ausgehzeiten sind oder der Kleidungsstil, Handyspiele oder Taschengeld: Immer gibt es die ominösen "anderen", deren Eltern angeblich alles erlauben und gutheißen, was der Nachwuchs sich in den Kopf gesetzt hat. Natürlich möchte man sein Kind nicht durch Verbote zum Außenseiter machen und auch nicht der Spielverderber sein.

Trotzdem ist eine kritische Haltung angebracht, wenn ein so abgegriffenes Standardargument von Sohn oder Tochter herangezogen wird. Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen wird von Kindern meist völlig überschätzt. Wer gibt schon gerne zu, dass er auch nicht mehr darf als die anderen, vielleicht sogar weniger? Außerdem ist es völlig in Ordnung, dass Familien die gleichen Themen unterschiedlich behandeln. Sind Sie etwa, was die Kleidung angeht, eher streng und verbieten der Tochter die tief ausgeschnittenen Shirts, die ihre Freundin tragen darf? Dann sind Sie mit Sicherheit in einem anderen Lebensbereich großzügiger als die Eltern dieser Freundin. Hellhörig sollten Eltern werden, wenn mit Hilfe der "anderen" Entscheidungsdruck erzeugt und eine Ablehnung unmöglich gemacht werden soll. Das spricht dafür, dass auch das Kind unter einem gewissen (Gruppen-)Druck steht und eher ein unterstützendes Gespräch braucht als eine pauschale Zustimmung. Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais in Trier. palais-ev.de