familienbande

Wenn Kinder und Jugendliche aus ihrem Schulalltag erzählen, fällt häufig der Satz: "Das war so unfair!" Als Einzige wurde die Tochter wegen Schwätzens bestraft, der Sohn wegen einer ungeschickt formulierten Antwort abgekanzelt und so weiter. Da regt sich automatisch der elterliche Beschützerinstinkt und verlangt nach einem Gespräch mit dieser ungerechten Lehrkraft.

Bevor Sie zum Telefon greifen: Lassen Sie sich die Situation samt Vorgeschichte schildern, um sich ein möglichst genaues Bild machen zu können. Kinder neigen dazu, Erlebtes stark subjektiv gefärbt und nur in den entsprechend passenden Teilausschnitten zu schildern, damit sie der elterlichen Aufmerksamkeit und Unterstützung sicher sein können. Dabei wird nicht unbedingt gezielt "gelogen", aber Abläufe werden verkürzt oder nur sehr einseitig dargestellt. Wurde die Tochter für ihr fortgesetztes Schwätzen mehrfach ermahnt, bevor die Bestrafung erfolgte? Dann ist etwas völlig anderes geschehen als ein willkürliches Herauspicken einer beliebigen störenden Schülerin, wie es möglicherweise vom Kind berichtet wurde. In diesem Fall wäre es also das falsche Signal ans Kind, der Lehrkraft Ungerechtigkeit vorzuwerfen. Im Gegensatz zu früher sind Lehrer heute aber auch nicht mehr grundsätzlich im Recht. Berichtet Ihr Kind fortgesetzt und glaubhaft von unfairer Behandlung durch eine Lehrperson und wird Ihnen dies womöglich noch durch Mitschüler bestätigt, sollten Sie aktiv werden und sich um Klärung bemühen. Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais in Trier. palais-ev.de