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FDP-Chef Brüderle schlägt alle Rekorde

FDP-Chef Brüderle schlägt alle Rekorde

In den Umfragen liegt die rheinland-pfälzische FDP weiter hinter den Grünen. Auf einem Parteitag im Westerwald waren sie dann auch bevorzugtes Ziel liberaler Angriffe. Die FDP zeigte Einigkeit und wählte Rainer Brüderle zu ihrem Landeschef - zum 15. Mal.

Ransbach-Baumbach. Blauer Himmel, strahlende Sonne. Ein Wetter für einen Bilderbuchtag der rheinland-pfälzische FDP bei ihrem Landesparteitag. Und doch reicht der Schatten der Erdbebenkatastrophe bis in den Westerwald. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle spricht Japan sein Mitgefühl aus. Im Saal halten Delegierte Kontakt zur unklaren Nachrichtenlage. Keiner will in seiner menschlichen Betroffenheit die Innenpolitik ins Spiel bringen. Zu dieser Zeit heizen SPD-Landeschef Kurt Beck und Grüne die Atom-Debatte aber bereits an. Die Blicke der Liberalen sagen, dass die Auswirkungen auf die Landtagswahl noch unkalkulierbar sind.

Aber dafür sind sie hoch motiviert. Ihren unumstrittenen Star Brüderle wählen sie wieder zum Landeschef - auch nach 28 Amtsjahren mit satten 96,1 Prozent, dem besten Ergebnis für Brüderle. "Dies ist nach 28 Jahren ja nicht selbstverständlich", lächelt der verschmitzt. Brüderle dürfte als Parteichef alle Rekorde gebrochen haben, jedenfalls die von Helmut Kohl (25 Jahre CDU-Chef) und Franz-Josef Strauss (27 Jahre CSU-Chef). Trotzdem ist in der FDP kein frustrierter "Prinz Charles" zu sehen, auch nicht im verjüngten Landesvorstand mit den wieder gewählten Stellvertretern Elke Hoff und Volker Wissing. Brüderle ist und bleibt der starke Mann, weil die Liberalen es so wollen.

Angespornt legt der 65-Jährige als Wahlkampf-Lokomotive noch eine Schippe drauf, "damit die Wirtschaft brummt" und die Deutschen auf der "Schnellstraße zur Vollbeschäftigung bleiben". Für Brüderle ist der Aufschwung eindeutig "schwarz-gelber Erfolgspolitik" zu verdanken. Er betont immer wieder, dass die FDP der "Anwalt des Mittelstands ist". Der habe auch den größten Anteil daran, dass die Krise so schnell überwunden war. Für den Bundeswirtschaftsminister ist es auch nur gerecht und ein Wert der Liberalen, dass sie alle Unternehmen gleich behandeln - Opel genau so wie mittlere und kleinere Betriebe. Die Delegierten jubeln ihm dabei zu.

Landespolitisch schießt sich Brüderle auf die Grünen ein. "Kinder dürfen nicht zu Versuchskaninchen pubertärer Bildungspolitik werden. Es gibt keine Einheitskinder, deshalb kann es keine Einheitsschule sein", donnert er. Dem Slogan "Auf nach Grünland" kontert er: "Politik ist doch kein Kindergarten." Der stürmisch gefeierte FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin schwört die Partei ebenfalls auf eine Grundsatzentscheidung am 27. März ein. Die fundamentale Richtungswahl sieht er nicht nur bei der Schulpolitik, sondern beim Straßenbau. Denn nach dem Programm der Grünen stünden auch mindestens 20 Ortsumgehungen auf dem Spiel. Die FDP geht ohne Koalitionsaussage in die heiße Wahlkampfphase. Mertin sieht die größten inhaltlichen Schnittmengen aber mit der CDU.