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Fragen rund um das Thema „Mediation“

Telefonaktion : Damit der Konflikt ein Ende hat

Nachgefragt: Drei Expertinnen beantworteten am TV-Telefon Fragen rund um das Thema „Mediation“.

Wenn zwei sicht streiten und keine Lösung finden, kann eine Mediation helfen. Während der TV-Telefonaktion hatten unsere Leserinnen und Leser die Chance, persönlich mit Mediatorinnen zu sprechen. Wie lange dauert eine Mediation, wenn ein Paar sich getrennt hat? Müssen schüchterne Menschen fürchten, im Gespräch unterzugehen? Ein Leser stellte sogar die Frage, ob es möglich sei, eine  Mediation zwischen der Ukraine und Russland durchzuführen. Hier eine Auswahl:

Ich möchte meinem Mann vorschlagen, unsere Trennung in einer Mediation zu regeln, aber er hat Sorge, das könne zu lange dauern und unnötig kosten.

Christiane Cluse, Diplom-Psychologin und Mediatorin: Bei einer Trennungsmediation können Sie von acht bis zehn Terminen ausgehen, da einige Fragen zu klären sind. Die Suche nach einer fairen Lösung braucht Zeit. Oft ist ein kostenfreies Vorgespräch möglich. Erst dann entscheiden Sie und bezahlen pro Termin ein festgelegtes Honorar. Eine Mediation ist meist deutlich günstiger als ein Streit vor Gericht und vermeidet in der Regel viele „emotionale Kosten“.

Ist es möglich, eine Mediation zwischen der Ukraine und Russland durchzuführen?

Martina Ribbert, Beraterin für das betriebliche Eingliederungsmanagement und Mediatorin: Grundsätzlich ist es bei Konflikten zwischen Staaten möglich, eine Mediation durchzuführen. Hierzu werden staatliche Mediatoren wie Mediations-Experten, Diplomaten oder Präsidenten eingebunden. Die Mediation wird in aller Regel mit den Grundsätzen einer Mediation durchgeführt. Auch hierbei ist die Mediation ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines Mediators freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Lösung ihres Konfliktes anstreben.

 

Ich habe einen Konflikt mit meinem Vorgesetzten. Dies ist so schlimm, dass ich schon seit Wochen arbeitsunfähig bin. Gibt es hier eine Lösung?
Ribbert: Bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit haben Sie einen Anspruch darauf, dass ihr Arbeitgeber ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) mit Ihnen durchführt. Das Gespräch selbst, findet in einem geschützten Rahmen statt. Ziel eines BEMs ist es, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Deshalb kann angesprochen werden, dass der Konflikt mit dem Vorgesetzten ein ausschlaggebender Faktor für die Arbeitsunfähigkeit ist. Im Rahmen des BEM-Verfahrens kann eine Mediation sehr sinnvoll sein. Wichtig ist, dass beide Parteien freiwillig an einem Mediationsverfahren teilnehmen und gemeinsam eine Lösung finden wollen. 

 

In unserem Team gibt es seit Längerem immer wieder Streitigkeiten, die alle belasten. Jetzt wurde eine Mediation vorgeschlagen. Ich finde das gut, aber da ich sehr zurückhaltend bin, habe ich Angst, dass dann alle auf mich einhauen und danach alles noch schlimmer wird.
Nadja Driessen, Mediatorin im Bereich Wirtschaftsmediation sowie für Gruppen und Teams: Mit dieser Sorge sind Sie nicht allein. Den meisten Menschen fällt es schwer, über Konflikte zu sprechen. Dann noch in einer Gruppe, das kann erst einmal Angst machen. Der Mediator wird sehr genau darauf achten, dass jeder in der Gruppe zu Wort kommt. Natürlich können bei einer Mediation auch mal Tränen fließen oder andere Emotionen hochkommen. Aber der Mediator sorgt während der Gespräche für einen geschützten Raum und ist unparteiisch. Ein Konflikt, der gar nicht, zu spät oder unvollständig bearbeitet wird, würde die Zusammenarbeit in Ihrem Team auf Dauer sehr beeinträchtigen. Eine Mediation ist ein guter Weg.

 

Mit einem Kollegen gibt es immer wieder Streit. Unser Chef will, dass wir eine Mediation machen. Wir würden beide zustimmen, aber ich weiß, dass mein Kollege unter starken psychischen Problemen leidet. Macht eine Mediation dann überhaupt Sinn?
Driessen: Psychische Probleme sind an sich erst mal kein Ausschlusskriterium für eine Mediation. Allerdings muss das Gespräch gesichtswahrend für beide sein. Wenn einer, der am Konflikt Beteiligten an einer Suchterkrankung oder einem psychischen Problem leidet, oder nahe an einem Burnout ist, kann das dazu führen, dass die Mediation zu stark belastet und klare Gespräche nicht möglich sind. Dann müsste man die Mediation gegebenenfalls abbrechen oder unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen. Häufig lässt sich schon im Erstgepräch klären, ob eine Mediation in einem solchen Fall sinnvoll ist oder nicht.