Für angehende Winzer: Der Schnitt für zukünftigen Traubengenuss steht an

Der Garten im Februar : Wein aus dem eigenen Garten – so geht’s

TV-Garten im Februar: Weintrauben lassen sich im Hausgarten vielfältig einsetzen. Wie man die Rebstöcke um diese Zeit schneidet, kann man von den Profis an der Mosel lernen.

Durch den ältesten Weinkeller der Moselregion geht es in den Weinberg. Dort, unter dem über 850 Jahre alten Kreuzgewölbe, lagert der zu Wein ausgebaute Rebensaft. Hier, in der Sonnenlage vor dem Klosterhof Siebenborn, steht das Gewächs, an dem die Trauben reifen. Doch wie schneidet man einen Stock? Das will uns Franz Melsheimer in seinem Schauweinberg zeigen. Angelegt hat das Weingut Arthur Melsheimer die Reihen in der Maring-Noviander Sonnenuhr, um seinen Gästen die verschiedenen Erziehungsformen zu veranschaulichen.

Für den Hausgarten kann er den sogenannten „Kordon“ empfehlen. Mit der Rebenschere tritt er unter einen Rosenbogen, an dem links und rechts ein Weinstock rankt. „Die Weinrebe ist ein Lianengewächs“, erklärt der Moselaner. Das lässt sich ideal an einem Bogen ziehen. Um diese Zeit allerdings ranken die Ruten des vergangenen Jahres noch ziemlich wild in alle Richtungen. Man sieht sofort, dass man sie erziehen muss. Nur wie, das stellt Hobbygärtner schon mal vor ein Problem. „Es ist ganz einfach“, meint der Praktiker, wenn man das Grundprinzip verstanden habe.

Na, dann mal los: Alles Holz, das im letzten Jahr gewachsen ist, bildet das Fruchtholz für diese Saison. Am Altholz, in diesem Fall dem knorrigen Stamm, wird das Jahresholz auf ein bis zwei Augen zurückgeschnitten. Mit Augen bezeichnen die Fachleute bereits angelegte Knospen, aus denen wie bei Rosen neue Triebe sprießen. Im Stammbereich erfolgt kein Binden und Aufbinden. Erst im oberen Teil behält man ein bis zwei Fruchtruten und leitet sie über den Bogen. Während der Winzer erklärt, dass man jedes Jahr ein Stück mehr aufbaut, sind unter seinen flinken Händen die Ruten links und rechts nur so zu Boden gefallen. Können wir das noch mal genauer sehen?

Franz Melsheimer geht zu den Reben, die an einem Drahtgerüst erzogen werden. Spaliererziehung im Drahtrahmen ist die auch an der Mosel häufigste Erziehungsart. Im Garten könnte man mit einer Reihe das Grundstück zu Nachbarn begrenzen oder ein Gartenzimmer abteilen. Dazu setzt man alle zwei bis fünf Meter eine Rebe. Hier im Schauweinberg steht alle ein Meter zwanzig ein Weinstock. Aus dem Wirrwarr an Ruten schneidet Franz Melsheimer an jedem Stock alle Triebe bis auf zwei oder drei schöne raus. „Komme ich an die einjährigen Triebe, muss ich auswählen, welcher Trieb mir besser gefällt.“ Sie sollten möglichst nah am Stamm liegen. Das abgeschnittene Material zieht er raus. Kleine Ranken, die sich zum Halt mit ihren korkenzieherartigen Sprossen um den Draht gewickelt haben, entfernt er. Auf die Putzaktion folgt das Biegen. Im Halbbogen führt der Winzer zwei Triebe links und rechts über den Draht und bindet sie an. Einen dritten Trieb lässt er ungebunden stehen. Die sogenannte Frostrute ist eine Art Eisheiligen-Versicherung. „Durch den Klimawandel haben wir immer häufiger Maifröste“, erklärt der Moselaner. Sterben die angebundenen Triebe ab, hat man noch eine in Reserve. Das gilt auch für die regionale Besonderheit des Moselherzes.

Vertigo. Foto: TV/Katrhin Hofmeister
Trierrand. Foto: TV/Kathrin Hofmeister
Beim Kordon wird das Fruchtholz auf ein bis zwei Augen eingekürzt. Es bleiben nur kurze Zapfen stehen. Das Holz muss beim Anschnitt grün sein. Sonst ist es tot. Foto: TV/Kathrin Hofmeister
Der Schnitt formt die Reben und beeinflusst die Qualität der Weintrauben. Das ist für Tafeltrauben im Garten nicht anders als im Weinberg. Aus den vielen Trieben des Vorjahres muss Franz Melsheimer für die Spaliererziehung im Halbbogen an jedem Weinstock zwei bis drei gesunde Triebe auswählen. Foto: TV/Kathrin Hofmeister
Das Moselherz braucht als Einpfahlerziehung wenig Platz. Vor dem Binden hat Franz Melsheimer die zwei Jahresruten vorsichtig vorgebogen. Anschließend kann er sie in Herzform am Pfahl befestigen. Foto: TV/Kath

Bei dieser Einpfahlerziehung, die gerade im Garten ein Hingucker sein kann, bindet man zwei Jahreshölzer nah am Stamm nach unten und befestigt sie am Pfahl. „Das Herz sollte man möglichst im unteren Bereich aufbauen“, rät der Profi. Dort bekommt es mehr Bodenwärme und profitiert vom Kleinklima. „Im Jahresverlauf bindet man vier Junghölzer nach oben an den Pfahl“, führt Melsheimer die zeitaufwendigere Schmuck-Variante weiter aus. Das liefert nicht nur das Fruchtholz für die kommende Saison, sondern versorgt den Stock mit mehr Blattmasse, um Photosynthese zu betreiben. „Um in unserem nördlichen Klima vollreife Trauben ernten zu können, müssen die Stöcke genug Blätter haben“, erklärt der Bio-Winzer. Ein optimales Blatt-Frucht-Verhältnis mag für eine weinberankte Laube weniger wichtig sein. Doch wer nicht nur auf das schattenspendende Laub setzt, sondern Früchte ernten will, wird darauf achten. Und noch einen Tipp hat Franz Melsheimer, als wir den Wingert durch den Weinreben-Bogen wieder verlassen: „Im Sommer werde ich darauf achten, ob sich ein langer, schön gewachsener Trieb dazu eignet, ihn vom Bogen aus an der Hauswand weiter zu ziehen.“ Der wird im nächsten Februar dann nicht zurückgeschnitten. Stattdessen verlängert man ihn im Folgejahr mit einer Rute. Jahr für Jahr wächst die Wandbegrünung so ein Stück.