Gartenkolumne: Gartengestaltung mit Karl Marx

Gartenkolumne : Gartengestaltung mit Karl Marx

Mit einer positiven Bilanz ist das Karl-Marx-Jahr in Trier letzte Woche zu Ende gegangen. Ebenso lässt man das Gartenjahr zum Saisonende Revue passieren.

Der heiße Sommer, der noch mehr Schattenplätzchen verlangt hätte, das viele Gießkannenschleppen, das uns eine andere Bepflanzung in Erwägung ziehen lässt. Und siehe da: Sogar, wenn man sein Gartenzimmer neu- oder umgestalten möchte, liefert der revolutionäre Denker Karl Marx Antworten.

Genau genommen ist es der Garten seines Geburtshauses in der Trierer Karl-Marx-Straße. In den Innenhofgarten bin ich vor den Horden handydokumentierender Chinesen geflüchtet. Das führte bereits zur ersten Grundsatzfrage: Will ich einen Ort der abgeschiedenen Geborgenheit oder eine einladende Gemeinschaftsfläche?

Entscheidet man sich für Variante eins der abgeschiedenen Geborgenheit, bietet der Marx’sche Pavillon Anregung. In geborgener Atmosphäre genießt man hier den Schatten. Rechts und links finden sich die Lieblingsblumen der Familie Marx, wie sie Tochter Jenny im „Confessions-Buch“ festgehalten hat.

 So ein Fragebogen-Album ist ideal für die Planung. Es enthält eine Liste von Lieblingspflanzen. Dann prüft man, ob die ausgewählten Pflanzen zum Standort passen. Eine ansprechende Alternative zu leblosen Steinschüttungen an sonnig-trockenen Standorten ist der bepflanzte Felsspaltengarten. Er bildet das Herzstück und zeigt einen gestalterischen Grundsatz auf: Wähle Materialien, die in die Umgebung passen.

Die Schieferplatten haben aber nicht nur einen Bezug zur Moselregion. Der Stein erzählt von Marx’ Interesse an der Geologie. An anderer Stelle verweisen die Weinreben auf Marx’ Artikel über die Moselwinzer. Die Staudenrabatte erinnert an einen Londoner Park, den Marx regelmäßig besuchte.

 Der Garten steckt also voller Bezüge zum Leben und den Ideen des Philosophen. Denn das ist das Geheimnis einer gelungenen Gartengestaltung: Man muss sich darin wiederfinden.

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