Gartentipp für den Juli: Selbstversamende Blumen setzen Akzente.

Garten : Geliebte und gelebte Vielfalt

Der TV-Garten im Juli: Der artenreiche Garten von Familie Ginsel in der Vulkaneifel zeigt, wie man auf hohem ästhetischen Niveau naturnah gestalten kann und welche Rolle selbst versamende Blumen dabei spielen.

Wen würde der lustig murmelnde Bach nicht ansprechen?! Munter plätschert er durch das Wiesental, hüpft hier die natürlichen Steinstufen hinunter, fließt dort an den Kopfweiden vorbei und verleiht dem Garten einen lebendigen Grenzverlauf. „Wir haben uns sofort in das Grundstück verliebt“, sagt Marianne Ginsel. Vor elf Jahren zog die Familie in die Vulkaneifel. Ein Arbeitsplatzwechsel ihres Mannes Reiner brachte sie aus Kleve nach Berlingen. Von Anfang an war klar, dass es ein naturnaher Garten werden würde. Das neue Zuhause hatten sie mit Blick auf das gärtnerische Potenzial ausgesucht: „Das ehemalige Wiesengrundstück liegt sonnig. Da ist mehr Blumenvielfalt möglich als in dem eher schattigen Garten, den wir zuvor hatten.“

Die Umsetzung entwickelte sich Stück für Stück. Einen um den anderen Quadratmeter machten die beiden urbar. „Sobald wir begannen, eine Fläche umzugraben, fanden wir Steine.“ Die nutzten sie als Wegumrandung. So entstanden hinter dem Haus natürlich zugeschnittene Beete, zwischen denen organisch geschwungene Wege zum Entdecken einladen.

Nimmt man den Weg nach links, gelangt man durch eine Wunderwelt der Artenvielfalt von Gehölzen, Rosen, Stauden und Zwiebelgewächsen zu einem lauschigen Sitzplatz und weiter an der Bachlandschaft entlang. Schlägt man die andere Richtung ein, führt die Erlebnisroute zwischen Teich mit Grillplatz und Himbeerhecke, hinter der ein Bauerngarten Insekten anlockt, zur Blumenwiese an der Straße.

„Für ein Staudenbeet war der Boden zu schlecht“, erinnert sich Marianne Ginsel. Über Jahre hatte man dort Schotter und Bauschutt abgelagert. Für eine artenreiche Wildwiese dagegen entpuppte sich das grasüberwachsene Terrain als Glücksgriff. Viele Wiesenblumen mögen es nährstoffarm und brauchen einen durchlässigen, mineralischen  Boden. „Mein Mann nahm einen Großteil der Wiesengräser raus“, erklärt sie. Vor allem Quecke mit ihren konkurrenzstarken Wurzeln musste entfernt werden. „Dann streuten wir Wildblumensamen aus.“ Klatschmohn, Kornblume, Margeriten, aber auch der selten gewordene Klappertopf bestimmen seitdem das Sommerbild unter Obstbäumchen an der Straße.

Aus den Anfängen sind durchsetzungsstarke Stauden wie der Bronze-Felberich Firecracker übrig geblieben. Sein rotbraunes Laub kontrastiert zu den bunten Blüten und zeigt, dass man Wildwiesenblumen sehr gut mit Staudenzüchtungen gleicher Standortansprüche verbinden kann. Gemäht wird einmal im Jahr nach der Blüte. Viele der Wildblumen sorgen durch Selbstaussaat für ihr Fortbestehen. „Mohn habe ich besonders gerne“, schwärmt die Liebhaberin des heute als „Blackbox Gardening“ bezeichneten Überraschungsstils. Dabei lässt man Pflanzen, die sich selbst versamen, ihre Plätze suchen und greift nur korrigierend ein, wenn sich Königskerze, Färberkamille oder eine andere Art der sonnenhungrigen Spontanvegetation zu breit macht.

Durch den Zufall entstehen die schönsten Gartenbilder. Es sind impressionistische Gemälde in Gartenformat. Überall tupfen Blüten Farbakzente ins Beet. Durch die dichte Bepflanzung geht eines ins andere über. Auch im zeitlichen Ablauf lösen sich die Blütenpflanzen ab. Selbst wenn die letzten Astern verblüht sind, bleibt es mit strukturierenden Samenständen und Hagebuttenfrüchten interessant. „Übrigens auch für die Tiere“, wie die naturnahe Gärtnerin bemerkt. Nahtlos geht die Saison mit den ersten Schneeglöckchen am Wasserlauf wieder los. So ist der Bach zum Leitmotiv der Gartengestaltung geworden: Alles bleibt im Fluss.

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