Garten : Daran denken: Bedeckter Boden ist Gold wert

Das nenne ich mal einen perfekten Kreislauf: Von oben hat der Pflaumen blättrige Weißdorn sein wunderbar gelb gefärbtes Laub fallen lassen. Von unten ziehen Regenwürmer das Blattgold ein, wandeln es um und stellen die mineralisierten Erdhäufchen dem Pflanzenleben wieder zur Verfügung.

Wo die an Spaghetti-Eis in Schokofarbe erinnernden Gebilde auftauchen, zerkrümele ich sie zwischen den Fingern, wie ein Koch, der eine Prise Würze über sein Gericht streut, um es zu verfeinern. Schmackhaft machen, wollte ich in dieser Kolumne aber eigentlich die Bedeckung des Bodens über den Winter. Gehäckseltes Laub eignet sich hervorragend dafür. Kompost als Mulchmaterial in Staudenbeeten im Herbst aufzubringen, sehen einige Gartenprofis dagegen kritisch. Kompost ist natürlicher Dünger. Mit den sinkenden Temperaturen gehen die meisten Stauden in den Winterschlaf. Nahrung brauchen sie jetzt nicht. Die Nährstoffe werden im meist regenreichen Winterhalbjahr ausgewaschen.

Ideal ist dagegen eine lebende Abdeckung. Im Nutzgarten oder auf jedem Fleckchen, das erst im nächsten Jahr bepflanzt werden soll, übernimmt Gründüngung den schützenden Part. Dabei geht es nicht nur um eine Pflanzendecke, die den Boden vor Kälte abschirmt und starke Temperaturschwankungen abfedert. Die Vegetation lässt Regen kontrollierter eindringen. Humus bleibt erhalten und Nährstoffe werden nicht einfach ausgewaschen. Gründüngungspflanzen sorgen sogar für eine Nährstoffanreicherung. Sogenannte Leguminosen sind dabei die perfekten Stickstofflieferanten.

Oft liest man, nach einer Gründüngung mit Klee, Lupinen, Wicken, Bohnen oder Erbsen ist der Boden stickstoffreich, wovon nachfolgende Starkzehrer wie Kohl, aber auch Prachtstauden profitieren. Ebenso häufig wird ein bereits abgeblühter oder vom Frost zusammengefallener Gründüngungsstreifen dann im Herbst umgegraben. Ein Fehler, wie sich herausstellt: Leguminosen versorgen sich in einer Symbiose mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln selbst mit Stickstoff. Die Knöllchenbakterien geben den Stickstoff aber nur an die Wirtspflanze ab, nicht an den Boden.

Erst durch den Kompostierungsvorgang im Boden wird Stickstoff verfügbar. Deshalb bricht man die Gründüngung besser erst im Frühjahr um und pflanzt dann möglichst schnell die starkzehrenden Kulturen hinterher. Denn Stickstoff kann auch schnell wieder ausgewaschen werden, und dann ist der schöne Kreislauf durchbrochen.

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