Kolumne Familienbande: Gelassenes Abwarten

Kolumne Familienbande : Gelassenes Abwarten

Die Augen werden gerollt, die Nasenlöcher aufgebläht zum dramatisch tiefen Einatmen. Dann folgt verächtliches Schnauben oder genervtes Stöhnen. Hört sich an wie eine Regieanweisung im Theater, ist aber tägliche Realität in Familien: die Reaktion pubertierender Jugendlicher auf „peinliche“ Äußerungen oder Handlungsweisen ihrer Eltern.

Waren Vater und Mutter eben noch die Helden ihrer Kinder, allwissend und alles könnend, scheinen sie plötzlich zu Hotelangestellten mit Geldautomatenfunktion einerseits und einer ständigen Quelle potenziellen Fremdschämens andererseits verkommen zu sein. Das gilt natürlich besonders dann, wenn (bekannte) Gleichaltrige in der Nähe sein könnten. Kosenamen und Abschiedsküsschen sind in der Öffentlichkeit verständlicherweise schon lange verpönt, jeglicher vom Elternteil ausgehende Körperkontakt ebenfalls. Aber warum ist jetzt auf einmal alles nur noch peinlich?

Nie ist die Beschäftigung mit der eigenen Person und ihrer Außenwirkung so intensiv wie in der Pubertät, nie fühlen sich junge Menschen so beobachtet, schutzlos und ständig auf dem Prüfstand. Die Angst, in der Gleichaltrigengruppe negativ aufzufallen oder gar dauerhaft blamiert zu sein, ist ständig präsent. Das kann bisweilen so bizarre Züge annehmen, dass das eigene Kind kaum noch wiederzuerkennen ist.

Mit rationalen Argumenten kommen Eltern in dieser Phase der Entwicklung leider nicht weiter. Hier hilft nur gelassenes Abwarten, bis sich das Schlimmste gelegt hat, und elterliche Hilfestellung bei der Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls.

Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V., Trier.

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