Familienbande: Gelassenheit statt Notendruck

Familienbande : Gelassenheit statt Notendruck

Eigentlich lernen wir ja für das Leben, nicht für die Schule, aber mal ehrlich: Natürlich sind Noten und Bewertungen auch wichtig. Das fängt in der Grundschule relativ langsam an und wird mit fortschreitender Schullaufbahn immer zentraler, weil ja auf ein Ziel, einen möglichst guten Abschluss hinsteuernd.

Der ist die Eintrittskarte für die gewünschte berufliche Laufbahn, selbst wenn man je nach persönlichen Neigungen manchen Schulstoff als Erwachsener nur noch selten benötigt. An den Beginn der klassischen Bewertung mit Noten müssen sich Grundschulkinder erst gewöhnen. Das gezielte Lernen auf einen bestimmten Termin hin, das Fokussieren auf bestimmte, prüfungsrelevante Informationen und das Abliefern dieses Wissens zum festgelegten Zeitpunkt ist eine komplexe Leistung und fällt manchen ein Leben lang eher schwer, ohne dass sie deshalb weniger begabt wären als andere. Auch persönliche Stärken und Schwächen kommen in den Schulnoten zum Ausdruck. Über die Frage, was überhaupt eine gute Note ist, lässt sich ebenfalls trefflich streiten. Für manche fängt das tatsächlich erst beim „gut“ an, andere freuen sich, wenn es keine Handvoll geworden ist.

Auch wenn sich ein Kind schulisch vielleicht nicht ganz so entwickelt, wie Eltern es sich wünschen würden: Gelassenheit führt eher zum Ziel als der Aufbau von Druck. Mindestens genauso wichtig wie das Endergebnis ist vor allem in den ersten Schuljahren der Weg dorthin, nämlich die Entwicklung einer zielführenden Arbeitshaltung, der Auf- und Ausbau von Konzentration und die Anwendung individuell passender Lern- und Arbeitstechniken.

Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V., Trier.

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