1. Nachrichten
  2. Mehrwert

Gesundheitskolumne zu einer weit verbreiteten Erkrankung von Frauen.

Kolumne Hauptsache gesund! : Die vaginale Pilzinfektion

Fast jede Frau macht in ihrem Leben Bekanntschaft mit einer Pilzinfektion und kennt die Entzündungszeichen und den grässlichen Juckreiz. Und es gibt bedauernswerte Zeitgenossinnen, die dies mehrfach im Jahr durchmachen (chronisch rezidivierend).

Unter Pilzen versteht man üblicherweise die Makropilze wie Champignon oder Fliegenpilz, zu der Familie gehören aber auch die Mikropilze wie die Hefen. Von diesen über einhundert bekannten Hefen sind aber nur drei für den Menschen krankmachend (humanpathogen) und der übelste Feger und damit für 80 Prozent aller Pilzinfektionen zuständig ist Candida albicans. Beweisend ist die Trias aus Symptomatik (Juckreiz, Rötung), Mikroskop (Nativpräpatrat) und im Zweifel die Pilzkultur.

Eigentlich sind Hefen und damit auch Candida albicans üblicherweise verträgliche Mitbewohner: Ungefähr bei der Hälfte aller gesunder und symptomfreier Menschen kann man Sporen, also die Überlebensform der Hefen, im Darm nachweisen. Der Weg vom Darmausgang in die Scheide ist für sie ein Klacks. Ein intaktes Immunsystem hält sie in Schach und sorgt dafür, dass sie nicht mausig werden.

Immer wenn das Immun (Abwehr-)System des Körpers andersweitig beschäftigt ist, etwa bei einer Erkältung, wenn hoher Stress angesagt ist oder wenn durch Antibiotika das schützende Milieu der Milchsäurebakterien in der Scheide gestört wird, merken die Pilze (Hefen/Candida albicans) dies prompt und machen als Opportunisten Party und bedanken sich mit üppigem Wachstum. Und Candida albicans vermag es, in der aktiven Wachstumsform mit seinen Pilzfäden (Pseudo-mycelien) aktiv in dünne Hautschichten einzudringen. Dies macht er besonders gern bei empfindlicher Haut (Plattenepithel), wie es im Mund, in der Scheide und am Enddarm vorkommt. Um gedeihen zu können, brauchen Pilze ein feuchtwarmes Klima sowie kohlenhydratreiche Nährstoffe, die unter dem Einfluß von Geschlechtshormonen (Östrogenen) in Form von Stärke (Glykogen) üppig vorhanden sind. Demnach sieht man Pilzinfektionen besonders bei Schwangeren und in der zweiten Zyklushälfte, nie bei Kindern und selten nach den Wechseljahren.

Das Erscheinungsbild ist klassisch: Die Pilzfäden rufen eine deutlich verstärkte Durchblutung durch Gewebshormone (Histamine) hervor: Es wird hochrot entzündet und die Pilzfäden reizen die Schmerzrezeptoren. Es kommt zu einem quälenden Juckreiz. Allerdings ist Juckreiz alleine kein Beweis für eine Pilzinfektion. Im Zweifel muss der Facharzt die Klärung herbeiführen. Unbehandelt dauert die Infektion ein bis zwei Wochen, kann aber unbehandelt chronisch werden.

Eine Pilzinfektion ist keine sexuell übertragbare Krankheit: die Pilze sind schon an und in einem und durch Sex (klassisch: neue Partnerschft) wird das Milieu „belastet“ und Pilze können dadurch profitieren. Bei einer unkomplizierten Pilzinfektion ist ein symptomfreier Partner nicht behandlungsbedürftig.

Üblicherweise helfen frei käufliche (Clotrimazol-haltige) Pilzmedikamente ganz gut: Sie bieten den Pilzen falsche Bausteine an, die diese gierig aufnehmen und danach zugrunde gehen. Die Beseitigung der Pilze ist noch nicht das Ende der Entzündung: Dies muss der Körper noch selbst leisten, was er aber üblicherweise in ein bis zwei Tagen selbst ganz gut schafft.

Bei immer wiederkehrenden Pilzinfektionen muss man detektivisch vorgehen: Ein kariöser Zahn kann eine Candidahochburg sein, die Sporen halten die Salzsäure des Magens locker aus. Neben einer notwendigen genitalen Reinlichkeit kann übertriebenes Waschen und Spülen das Milieu in der Scheide stören und (als Eigentor) den Pilzen gute Wachstumsbedingungen bieten. Ebenso können Antibiotika (s.o.), die ja bekanntermaßen keine Wirkung gegen Pilze haben, deren Wachstum fördern. Pilze lieben Kohlenhydrate (Zucker). Schlecht eingestellte Diabetiker sind klassische Zielgruppen der Pilze, ebenso kohlenhydratreiche Ernährung mit viel zuckerhaltigen Süßigkeiten.

Wenn trotz Lebensumstellung und Verhaltensänderung immer noch Infektíonen auftreten, kann es notwendig sein, eine radikale Langzeitbehandlung mit Pilzmitteln zum Schlucken (orale Antimykotika) durchzuführen sowie eine Darmsanierung mit Nystatin und danach Aufbau der Scheidenflora mit Milchsäurebakterien, die sich gut wehren können (Lactobacillus crispatus).

Bleiben Sie möglichst symptomfrei, unbeschwert und gesund!

Dr. med. Rudolf Sauter, niedergelassener Gynäkologe in Trier