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Gesundheitskolumne zur nichtalkoholischen Fettleber.

Gesundheitskolumne : Stille Seuche: Nicht alkoholische Fettleber

Täglich stellen sich Patienten  mit leicht erhöhten Leberwerten in meiner Sprechstunde vor. Die Laborwerte y-GT und SGPT sind dabei nur gering erhöht, und die Patienten fühlen sich meist nicht krank.

Die häufigste Ursache dieses Zufallbefundes ist nicht etwa eine Virusinfektion oder ein übermäßiger Alkoholgenuss, sondern eine ernährungsbedingte Fettleber: Überschüssige Kalorien, die nicht vom Körper gebraucht und „verbrannt“ werden, speichert die Leber in Form von Fett. Die Diagnose ist leicht mittels Ultraschall zu stellen. Bei den meisten Betroffenen besteht dabei Übergewicht (oft nur als „Bauchfett“).

In der Folge entwickelt sich nicht selten ein Diabetes mellitus Typ II mit all seinen Folgeerkrankungen.  So ist es nicht verwunderlich, dass mit der ansteigenden Leibesfülle unserer Bevölkerung auch die Fettleber in den letzten 20 Jahren in ihrem Ausmaß erheblich zugenommen hat.

In Deutschland sind knapp 20 Millionen Menschen und damit jeder Vierte hiervon betroffen. Selbst bei zehn Prozent der Kinder wird heute bereits eine Fettleber diagnostiziert. Die Ursachen sind bekannt: Überernährung, verstärkter Konsum von Süßigkeiten, Softdrinks gepaart mit mangelnder körperlicher Bewegung in Beruf und Freizeit.

In den meisten Fällen ist die Funktion der Leber zunächst kaum beeinträchtigt. Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich jedoch eine Fettleberentzündung, die dann über die Jahre zu einer zunehmenden Verhärtung der Leber und schließlich zu einer Leberzirrhose mit

Funktionsverlust und Komplikationen (Blutungen, Bauchwassersucht, Leberkrebs) führen kann.

Wegen der großen Zahl der von Fettleber betroffenen  Menschen leiden in Deutschland schon heute etwa drei Millionen Menschen an einer fortschreitenden schweren Leberentzündung, darunter bereits 250 000 mit Leberzirrhose.

In 15 Jahren wird sich die Zahl der Patienten mit Leberzirrhose als Folge der Überernährung und Fettleber verdoppelt haben. Dabei ist eine Leberverfettung vermeidbar:

Weniger Süßigkeiten, Verzicht auf den Snack zwischendurch, Nahrungsaufnahme nur bei Tisch; Wasser, Tee oder Kaffee statt zuckerhaltiger Getränke, maßvoller (nicht täglicher) Genuss von Alkoholika, Zubereitung von Nahrungsmitteln zu Hause und nicht im Schnellrestaurant oder in der Nahrungsmittelfabrik.

Das ist machbar, setzt aber wie regelmäßige körperliche Bewegung sowie Disziplin voraus und stellt eine große individuelle und gesellschaftliche Aufgabe dar.

Professor Dr. med. Christian B. Kölbel ist Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I / Gastroenterologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.