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Goldene Wege zu Gracht und Pracht

Geballte Geschichte: Blick von der Fischerbastei auf die Budapester Altstadt mit dem Parlament (vorne). TV-Foto: Andreas Feichtner
Geballte Geschichte: Blick von der Fischerbastei auf die Budapester Altstadt mit dem Parlament (vorne). TV-Foto: Andreas Feichtner
Lust auf einen Kurztrip in eine europäische Metropole? Da stehen London, Paris oder Berlin immer oben auf der Liste. Darunter vielleicht Barcelona, Wien oder Rom. Der TV stellt heute zwei bestens erreichbare Metropolen vor, die in der Popularität - zu Unrecht - dahinter liegen: Warum Budapest und Amsterdam ideale Ziele für Kurz-Trips sind. Von unserem Redakteur Andreas Feichtner

Amsterdam: Tulpen und Tüten. Grachten und Huren. Wenn man nach diesen vier Begriffen automatisch an Amsterdam denken muss, ist das okay. Aber es ist höchstens die halbe Wahrheit. Denn das Vernebelte, das Anrüchige, gehört zwar zur niederländischen Hauptstadt wie die Anhängerkupplung an die Vorstadt-Autos. Da ist das Amsterdam der "Coffeeshops", in denen süßer Rauch in Touristen-Lungen wandert. Diese Läden sind manchen Einheimischen ein Dorn im Auge. Aber sie gehören zum Stadtbild, zur vielleicht liberalsten Stadt eines Landes, dessen Einwohner sich keine Gardinen vors Fenster hängen.Für den großen Rotlicht-Bezirk mitten in der Innenstadt gilt das mit dem "freie Sicht für freie Bürger" ohnehin. Schaufenster an Schaufenster sitzen Prostituierte, die sich gelangweilt die Fingernägel feilen, während sie auf Kundschaft warten. Aber Amsterdam ist viel mehr als das: Kulturell hat die einst auf Pfählen gebaute 750 000-Einwohner-Stadt (mit Umgebung: 2,5 Millionen) jede Menge zu bieten. Dabei bezaubert Amsterdam durch die Mischung aus Wasser und Architektur. An den 165 Grachten stehen stolze Handelshäuser, die einen Eindruck davon vermitteln, dass Amsterdam Ende des 17. Jahrhunderts die reichste Stadt der Welt war. Auch für Museen-Freunde lohnt sich Amsterdam - so sind das Anne-Frank-Haus oder das Rijksmuseum einen Besuch wert.

TV-Tipp: Eine Bootsfahrt durch die Grachten mag sich nach reiner Touri-Belustigung anhören. Dabei sind die knapp einstündigen Touren aber lohnenswert: Denn die Perspektive zählt - und Amsterdam wirkt von seinen Wasserstraßen aus gesehen noch einmal ganz anders.

Anreise: Nach Amsterdam bietet sich die Anreise mit dem eigenen Auto an. Von Winterspelt aus (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sind es gerade mal gut 300 Kilometer, von Trier aus etwa 380 Kilometer.

Preise: Hotels sind in Amsterdam ziemlich teuer - in der Innenstadt sind selbst einfache Hotels kaum unter 80 Euro pro Doppelzimmer und Nacht zu haben. Beim Einkaufen sind die Preise in etwa wie in deutschen Metropolen. Tipp: Bei CDs oder DVDs (allerdings Englisch) lässt sich in manchen Geschäften ein Schnäppchen machen.

Budapest: Ein warmer Mai-Tag in Budapest. Eindrücke-Atmen auf der ältesten Donau-Brücke, der massiven "Kettenbrücke", die Buda und Pest seit anderthalb Jahrhunderten verbindet. Der 360-Grad-Rundumblick bietet Kultur satt: rechts hinten, auf der Pester Seite, liegt das imposante Parlament. Links und rechts glitzert die Donau. Das Auge wandert. In der Ferne der Gellertberg, der Blick nach oben zeigt die Burganlage, weiter rechts thront die Fischerbastei. Geschichte satt. Gleich darunter: Eine haushohe Werbewand für eine deutsche Elektromarkt-Kette knallt auf die Netzhaut.

Das ist typisch für Budapest, die einst immens reiche, stolze Stadt an der Donau. Die Wende hat sich in den Fußgängerzonen manifestiert: Ob Lidl oder Plus, Schlecker oder Rossmann, ob Auchan oder Match - westeuropäische Ketten dominieren in der Stadt. Sie stehen für Wandel. Aber seinen alten Charme lässt sich Budapest davon nicht nehmen. Die Stadt hat genügend Gegenpole zum Allerwelts-Look. Dort wird es schon hinter x-beliebigen Türen spannend: So verbergen sich hinter stolzen Fassaden in den Pester Straßen oft traumhafte Innenhöfe im Sezessions-Stil - ähnlich dem Jugendstil. Mit viel Stuck, vielen Bögen, noch mehr Ambiente. So bleibt die schon seit der Römerzeit besiedelte Stadt, die erst 1873 aus den Städten Pest, Buda und Obuda zusammengefasst wurde, auch heute noch eine Stadt für Entdecker.

TV-Tipps: Wer Städtetour und Musik verbinden will, ist beim riesigen Sziget-Festival (8. bis 15. August) bestens aufgehoben. Das Rock-Festival, bei dem in diesem Jahr unter anderem Pink, Faithless, Madness, The Killers und Sinead O'Connor vor insgesamt fast 400 000 Besuchern spielen werden, findet auf der Obudai-Insel statt - das ist eine der drei Donau-Inseln in Budapest. Flug-"Schnäppchen" sind in diesem Zeitraum aber nicht mehr drin.

Preise: Budapest ist eine moderne europäische Metropole. Das merkt man langsam auch an den Preisen. Deutlich günstiger als Amsterdam oder gar britische Städte ist Budapest aber noch allemal. Hotels sind etwa ab 40 Euro (DZ pro Nacht) zu haben. Für 80 Euro (DZ) kann man bei Last-Minute-Buchung schon Vier-Sterne-, zumindest aber zentrale Drei-Sterne-Hotels erwarten. Ideal für Familien sind die in Budapest zahlreich angebotenen Appartements (4-Personen-Appartments sind ab 50 bis 60 Euro pro Nacht zu haben). In einfachen ungarischen Restaurants bekommt man ein ordentliches Essen schon ab drei Euro, ein Glas Hauswein (0,1 Liter) für weniger als 50 Cent.

Flüge: Wizzair (vergleichbar mit Ryanair) fliegt vom Hahn aus nach Budapest. Flüge gibt es inklusive Gebühren ab rund 50 Euro. Bei kurzfristiger Buchung kann es aber um einiges teurer werden. Ryanair fliegt ebenfalls vom Hahn aus Richtung Ungarn - an den Flughafen Balaton in der Nähe des Plattensees.

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