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Heizen: Ab diesen Temperaturen sollte man die Heizung anschalten

Energie sparen : Draußen wird’s kalt: Ab welchen Temperaturen sollte man das Haus heizen?

Lieber nicht zu früh heizen, um kein Geld zu verschwenden? Das könnte ein wichtiger Hinweis für den Winter sein. Also, ab wann sollten Hausbesitzer heizen? Das sagt der Experte.

Es ist eine der Fragen des Herbstes und Winters: Wie kann ich beim Heizen Energie sparen? Ein Mittel wäre, die Heizung erst dann einzuschalten, wenn es notwendig wird. Aber wann ist dieser Zeitpunkt? Wann ist es so kalt draußen, dass ich heizen muss?

Vorweg: Eine klar definierte Heizperiode gibt es in Deutschland nicht. Damit ist auch nicht klar definiert, wann in Deutschland offiziell geheizt werden muss. In der Rechtsprechung finden sich jedoch mehrere Urteile, die den Zeitraum vom 1. Oktober bis Ende April als Heizperiode heranziehen. Daran orientieren auch auch die meisten Vermieter und Hausverwaltungen.

Ab wie viel Grad heizen? Entscheidend ist die Art des Gebäudes

Wir haben nachgefragt bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, ob es Richtwerte für verschiedene Haustypen und Außentemperaturen gibt, nach denen man sich richten kann. Diplom-Ingenieur Bernhard Andre gibt Auskunft: Er ist Energieberater bei der Verbraucherzentrale. Ab wann einem Wohngebäude Heizenergie zugeführt werden sollte, um eine ausreichende Temperatur im Innern zu erhalten, hänge von der Außenlufttemperatur ab. Diese wird auch als „Heizgrenztemperatur“ bezeichnet. Energieberater Andre erklärt: „Mit sinkenden Außentemperaturen steigen die Lüftungs- und Transmissionswärmeverluste über die wärmeübertragende Hüllflächen an. Die inneren und solaren Wärmegewinne können unterhalb der Heizgrenztemperatur diese steigenden Wärmeverluste nicht mehr ausgleichen.“

Der Experte nennt Zahlen: Bei energetisch unsanierten Wohngebäuden mit Baualter vor 1977 liege die Heizgrenztemperatur bei etwa 15 Grad Celsius - im Einzelfall, etwa bei Fenstern noch mit Einscheibenglas, sogar schon bei 17 Grad Celsius. Bei später errichteten oder schrittweise sanierten Wohngebäuden sinke die Heizgrenztemperatur ab. „Gebäude, die nach den Vorschriften der seit 2002 nahezu unveränderten Energieeinsparverordnung bzw. heute Gebäudeenergiegesetz errichtet wurden, müssen erst bei Außentemperaturen von etwa unterhalb von 13°C beheizt werden“, teilt Energieberater Andre mit. „Deutlich besser errichtete oder sanierte Wohngebäude (Effizienzhäuser) müssen noch später ihre Heizung einschalten und sparen Heizkosten. Kurzum, je besser der Dämmstandard eines Gebäudes, umso niedriger liegt die Heizgrenztemperatur.“

Auch das Portal „heizung.de“, ein Angebot des Heiz-, Kühl- und Lüftungstechnikanbieters Viessmann, verweist darauf, dass die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Heizzeitpunkt nach dem Alter, dem energetischen Zustand und der Art des Gebäudes zu bemessen sei. Die Experten des Energieportals stellen auf ihren Seiten eine Tabelle zur Verfügung:

  • Baujahr vor 1977: 15 bis 17 Grad Celsius
  • Baujahr 1977 bis 1995: 14 bis 16 Grad Celsius
  • Baujahr nach 1995: 12 bis 15 Grad Celsius
  • Niedrigenergiehaus: 11 bis 14 Grad Celsius
  • Passivhaus: 9 bis 11 Grad Celsius

Von welchen Faktoren hängt die Frage, ab wann geheizt werden soll, außerdem ab?

Laut Verbraucherzentrale-Experte Andre hängt die Heizgrenztemperatur unter anderem ab von

  • der Kompaktheit eines Gebäudes. Einfamilienhäuser seien in der Regel weniger kompakt als Mehrfamilienhäuser – jeder Vor- und Rücksprung beziehungsweise Anbau vergrößere die wärmeübertragende Fläche.
  • dem Standort und der Ausrichtung des Gebäudes (zum Beispiel von der Sonne beschienen).
  • dem individuellen Temperaturempfinden der Bewohner und deren Wohlfühltemperatur. „Je niedriger die erforderliche oder gewünschte Raumtemperatur, umso niedriger die Heizgrenztemperatur.“

Gibt es weitere Empfehlungen?

„Die Heizgrenztemperatur wird in modernen witterungsgeführten Heizungen in der Regelung eingestellt“, erklärt Energieberater Andre. Nützlich könne ein Blick in die Bedienungsanleitung und die Überprüfung der Einstellungen sein. „Auch das Einschränken der Heizzeiten (später am Tag beginnen, früher am Tag enden) hat großen Einfluss auf den Betrieb des Heizkessels. Außerhalb der gewünschten Heizzeiten kann zusätzlich der Abschaltbetrieb statt des üblichen Absenkbetriebs eine große Energieersparnis bringen. Diese Empfehlung gilt besonders am Beginn und Ende der Heizzeit (Übergangszeit).“

In nicht benötigten Wohnräumen könne das Absenken der Raumtemperatur den Energieverbrauch deutlich senken. Hier sei es wichtig, das Raumklima (Temperatur und Luftfeuchte) regelmäßig zu kontrollieren, etwa mit einem Thermo-/Hygrometer. „Dabei gilt: Je weniger Feuchte in einem Raum vorhanden oder eingetragen wird, umso tiefer kann die Raumlufttemperatur liegen. Bei Raumtemperaturen unter 15 Grad Celsius sollte das Raumklima und auch der Raum aber besonders regelmäßig auf eventuell sichtbare Feuchtekondensation und gegebenenfalls Schimmelbildung kontrolliert und beobachtet werden.“

Wie kann ich darüber hinaus Energie sparen?

Energiesparen in Häusern und Wohnungen ist sehr individuell, betont Experte Andre. Zum Beispiel helfe die kostenlose Energieberatung der Verbraucherzentrale, Wohnsituation und Sparpotenziale zu beurteilen. Seine Tipps: „Vergessen sie bei allen Energiesparbemühungen nicht ausreichend zu lüften (in der Regel drei bis vier Mal täglich in regelmäßig genutzten Räumen). Kontrollieren Sie das Raumklima in den Wohnräumen regelmäßig. Vermeiden Sie den Raumluftverbund von Räumen mit unterschiedlichen Raumlufttemperaturen über offene Türen.“

Wann soll ich in Mietwohnung und Treppenhaus heizen?

Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, der kann von seinen Nachbarn profitieren, da Decken und Wände zu den anderen Wohnungen oftmals nicht vor Wärmeverlust geschützt seien. Bedeutet: Heizt der Nachbar sehr früh und stark, kann das laut dem Portal „heizung.de“ zur Folge haben, dass davon auch die eigene Wohnung profitiert. Gleiches gelte im Treppenhaus, hier genüge es bei sieben bis zehn Grad Celsius Außentemperatur zu heizen.