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Hilfe suchen ist der erste Schritt

Hilfe suchen ist der erste Schritt

Ob sogenanntes Komasaufen oder Alters-Alkoholismus: In jedem Alter sind Menschen suchtgefährdet. Der TV widmete dem Thema eine spezielle Beratung am Lesertelefon.

Trier. Hier einige Antworten, die unsere Experten im Rahmen der TV-Telefonaktion zum Thema gegeben haben.Ich bin Hausfrau mit drei Kindern und muss doch eingestehen, dass ich regelmäßig zu viel trinke. Wie komme ich davon wieder los? Ich habe auch Angst, in dem Dorf, in dem ich wohne, zum Gesprächsthema zu werden.Heinz Fichter, Kreuzbund Trier: Wenden Sie sich an eine Suchtberatungsstelle! Dort können Sie eine ambulante Therapie machen. Zusätzlich könnten Sie eine Selbsthilfegruppe besuchen, die Ihnen hilft, langfristig abstinent zu bleiben. Ich bin Lehrerin - an unserer Schule gab es kürzlich einen Fall, dass angeblich Neuntklässler in der Schule gekifft haben. Könnten Sie nicht mal bei uns vorbeikommen und zum Beispiel einen Vortrag zur Suchtprävention halten?Andreas Stamm, Suchberatung "Die Tür": Mit Vorträgen haben wir nicht so gute Erfahrungen gemacht. Sinnvoller wäre es, dass Sie das Thema Drogen zunächst in einigen Unterrichtsstunden behandeln, etwa im Rahmen von Projekttagen. Im Anschluss daran können Sie bei uns eine sogenannte Expertenbefragung besuchen, bei der wir Fragen beantworten, die die Schüler im Unterricht erarbeitet haben. Erfahrungsgemäß fühlen sich die Schüler bei diesem Vorgehen ernster genommen und zeigen das auch.Ich bin 71 Jahre alt und nehme seit Jahren Schmerzmittel, von denen ich mittlerweile abhängig bin. Da ich bereits bei Opiaten angelangt bin, die ja auch meine Organe schädigen, möchte ich endlich wieder einen anderen Weg einschlagen. Was können Sie mir raten?Heike Petermann: Suchen Sie eine Beratungsstelle auf! Dort kann gründlich überlegt werden, auf welche Weise Sie ihre Medikamentensucht überwinden können und wie Sie künftig ohne die Opiate mit ihren Schmerzen umgehen können. Die Beratungsstellen helfen Ihnen, eine geeignete Rehaklink zu finden und die nötigen Antragsformalitäten zu erledigen.Am Wochenende sieht man überall in der Stadt Jugendliche, die Alkohol trinken. Halten die Geschäfte sich denn gar nicht an die Gesetze?Christine Schmitz, Jugendschutzbeauftragte für Trier und Trier-Saarburg: Doch, das tun sie durchaus: Besonders die großen Supermärkte sind so eingerichtet, dass bei alkoholischen Getränken der Kassierer automatisch daran erinnert wird, das Alter des Kunden zu kontrollieren. Allerdings darf man nach dem Gesetz ab 16 Jahren nicht branntweinhaltige Getränke erwerben. Unserer Erfahrung nach wird aber der Verkauf in der Regel sogar verweigert, wenn für die Kassierer offensichtlich ist, dass die Produkte für jüngere Begleiter gedacht sind. Die Supermärkte können aber nicht kontrollieren, was außerhalb ihrer Häuser passiert.Ich bin Witwe, sehr einsam und habe oft Angst: Dem begegne ich, indem ich trinke. Wenn ich es mal schaffe, unter Leute zu kommen, interessieren die sich nicht wirklich für mich und meine Probleme. Wo kann ich mich hinwenden, um Hilfe zu erhalten?Heike Petermann, Caritasverband Trier: Sie brauchen jetzt erst mal jemanden, der Sie und Ihre Probleme ernst nimmt und Ihnen zuhört, vielleicht sogar selbst schon mal in einer ähnlichen Situation war. Besuchen Sie doch einmal die Frauengruppe des Kreuzbundes - sie trifft sich mittwochs um 19.30 Uhr im ehemaligen Arbeitsamt Trier, Schöndorfer Straße 58. Sie besteht aus Alkoholkranken und Angehörigen, die sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen. fgg