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Hintergrund: Das Haus warm einpacken

Hintergrund: Das Haus warm einpacken

Mehr als 1000 Euro im Jahr könnte eine vierköpfige Familie aus der Region Trier sparen, wenn ihr Wohngebäude auf dem neuesten Stand der Technik stünde. Dabei ist die Sanierung durchaus erschwinglich, wie die Tipps von Verbraucherberatung und Energieagentur zeigen.

Trier. Wenn\'s bald regnet und stürmt, sitzt man gern warm und trocken. Wohl dem, der genügend Heizöl im Keller und sein Haus optimal gedämmt hat. Dabei rechnen sich Investitionen schon nach wenigen Jahren, wie die Tipps der Verbraucherberatung Trier und der Energieberatung Trier zeigen.
"Viele Leute denken bei dem Thema energetische Gebäudesanierung erst mal an die Außendämmung", hat Achim Hill, Geschäftsführer der Energieagentur Trier festgestellt. Dabei sei es nicht immer nötig, die für eine Vollsanierung nötige Summe von 40 000 bis 50 000 Euro aufzubringen, um einen spürbaren Effekt zu erzielen. Dafür plädiert auch Bernhard Andre, Energieberater bei der Verbraucherberatung Trier: "Den meisten Leuten ist das Sanierungspotenzial ihres Gebäudes nicht bekannt", sagt er. Häufig werde die Gebäudersanierung auf die Außendämmung reduziert, die aber auch am aufwendigsten sei.
Wo soll man also anfangen?



Dach: Wer sein Haus gut geschützt vor Kälte einpacken will, fängt am besten mit der Dämmung der obersten Geschossdecke an. Denn zwischen zehn und 15 Prozent des gesamten Energieverbrauchs können so gespart werden. Mit Styrodur-Platten etwa, in einer Breite zwischen 14 und 20 Zentimetern, lässt sich der Dachboden sogar in Eigenregie auslegen, anschließend verlegt man eine begehbare Holzplatte. "Die Teile sind meist vorgefertigt, das geht schnell", sagt Hill. Die Kosten liegen dabei laut Bernhard Andre, bei etwa 15 Euro je Quadratmeter: "Eine ideale Sache zum Selbermachen."
Keller: Eine Kellerdeckendämmung schafft eine wärmere Atmosphäre am Boden des Erdgeschosses und schützt damit auch Systeme wie eine Fußbodenheizung. Auch diese Dämmung kann man in Eigenregie erledigen, sie erfordert aber etwas Geschick, da die Dämmplatten von unten an die Decke geklebt und verschraubt werden müssen. "Die Arbeit einer Fachfirma gibt einem natürlich mehr Sicherheit", sagt Hill. "Sie kostet jedoch auch etwa das Doppelte, als wenn man das selbst macht", sagt Andre. Folglich bezahlen Heimwerker etwa 20 bis 25 Euro je Quadratmeter, beim Fachbetrieb etwa zwischen 40 und 50 Euro. Ersparnis: Auch hier gibt es - wie beim Dachboden - einen Energiespareffekt von rund zehn Prozent. "Eine weitere, einfache Variante ist die Dämmung von ungeschützten Heizungsrohren", sagt Hill. Oft reiche es schon, vorgedämmte Rohre dichter zu ummanteln und damit zusätzliche Energie zu sparen.
Fenster: Fenster, vor allem die dazugehörenden Rollladenkästen, sind laut Bernhard Andre echte Energiefresser. Gerade Bauten aus den 1970er Jahren seien für Wärmebrücken in dem Bereich bekannt. Müssen die Fenster komplett ausgetauscht werden, kostet dies bei einem Einfamilienhaus etwa 15 000 bis 20 000 Euro. Das kann sich zwar lohnen. Energieagentur-Chef Achim Hill rät jedoch zunächst dazu, einen "Verglasungstausch zu prüfen. Wenn der Fensterrahmen noch gut ist und die Scharniere einen Glastausch tragen, dann kostet die Investition nur noch zwischen 3000 und 5000 Euro", sagt er.
Technik: Von 40 Millionen Haushalten in Deutschland werden über 87 Prozent von einer Heizanlage versorgt, die nicht dem Stand der Technik entspricht und dadurch zu viel Energie verbraucht. Eine Heizpumpe auszutauschen, kostet etwa zwischen 300 und 400 Euro. Und Andre ergänzt: "Wenn Fenster, Keller und Dach gedämmt sind, muss in jedem Fall die Heizungsregelung angepasst werden", sagt er. Das könne wiederum bis zu zehn Prozent Heizleistung sparen.
Außendämmung: "Dies geht nur schwer in Eigenregie", sagt Bernhard Andre, da der Dämmstoff an die Wände angebracht und mit Schrauben, Netz und Verputz gesichert werden müsse. "Bei einer Fachfirma zahlt man dann schnell 100 Euro je Quadratmeter", sagt er. Ideal sei es, eine solche Leistung mit einem ohnehin anstehenden Außenverputz zu kombinieren, um die Kosten zu reduzieren. Andre: "Sonst ist das Dämmen unwirtschaftlich." Ohnehin sei die Ersparnis nicht allzu groß. "Mit einer Außendämmung erreicht man so viel wie mit der Keller- und Dachdeckendämmung zusammen. Sie kostet aber mehr als das Doppelte", sagt der Energieexperte.
Wo gibt es welche Förderung?



Die bekannteste Variante ist die Förderung von Sanierungen für Energieeinsparungen. Dafür stehen bundesweit in diesem Jahr 936 Millionen Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW; www.kfw.de) zur Verfügung, 2012 sollen es 1,5 Milliarden Euro sein. Voraussetzung: Es muss ein vorgegebenes Maß an Einsparungen erreicht werden, und ein Fachbetrieb muss die Arbeiten erledigt haben. Die Förderung läuft dann entweder über Kredite oder Zuschüsse. Es können auch Zuschüsse für die Baubegleitung gezahlt werden, maximal sind es 1000 Euro.
Zudem gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) unter anderem einen sogenannten Kesseltauschbonus von 600 Euro bis zum 31. Dezember, danach sind es 500 Euro. Weitere Förderungen gibt es unter anderem für Wärmepumpen und Sonnenkollektoren ( http://bafa.de).
Die effizienteste, weil "verbraucherfreundlichste" Variante, nämlich zehn Prozent der Kosten einer Gebäudesanierung von der Steuer absetzen zu können, steht wohl vor dem Aus.
Einen entsprechenden Gesetzesentwurf haben die Länder im Bundesrat gekippt, weil sie dadurch weniger Steuereinnahmen befürchten.

Neben der Verbraucherberatung mit elf Beratungsstellen und der Lokalen Agenda Trier führt auch die Energieagentur Trier Beratungen in den Verbandsgemeinden durch, in denen es sonst keine Angebote gibt. Rund 25 Berater haben seit Ende 2010 rund 160 Einzelgespräche vor allem in den dünn besiedelten Gebieten von Eifel und Hunsrück geführt. Dabei ist die Erstberatung aller Stellen kostenlos. energie.la21-trier.de verbraucherzentrale-rlp.de energieagentur-region- trier.de