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Hohe Dispozinsen - Bankkunden sollten vergleichen

Hohe Dispozinsen - Bankkunden sollten vergleichen

Wenn das Konto ins Minus rutscht, wird es für Bankkunden schnell teuer - zu teuer. Das geht aus einem neuen Gutachten des Bundesverbraucherministeriums hervor. Verbrauchern bleibt oft nur eines übrig: vergleichen.

Die Dispozinsen von Girokonten sind laut einer Studie im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums oft immer noch zu hoch. Nach jüngsten Angaben der Stiftung Warentest werden derzeit im Schnitt zwischen zehn und elf Prozent Zinsen für das Überziehen des Girokontos berechnet, teils lagen Sätze bei mehr als 14 Prozent. Festzustellen sei, dass „die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen“, heißt es in dem Gutachten, wie das Ministerium am Donnerstag (19. Juli) mitteilte. Damit wurden Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt.

Die hohen Dispozinsen müssen Bankkunden in der Regel akzeptieren: „Verhandeln kann man über den Zinssatz als normaler Kunde eigentlich nicht“, erklärt Max Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt. Lediglich äußerst guten Kunden räumten Banken mitunter einen Nachlass ein.

Normale Verbraucher sollten daher vergleichen. Denn laut FMH verlangen viele Banken weniger als zehn Prozent Zinsen für einen Überziehungskredit. Solch günstige Angebote reduzieren die Kosten. Beispiel: Bei einer teuren Bank müssen Kunden 12,5 Prozent für ihren Überziehungskredit zahlen. „Ist ein Kunde mit 500 Euro im Dispo, muss er dafür im Monat 5,21 Euro Zinsen zahlen“, rechnet Herbst vor. Eine günstige Bank verlangt hingegen nur 5,25 Prozent Zinsen. „Der Kunde muss in diesem Fall nur 2,19 Euro Zinsen im Monat zahlen.“

Generell sollten Kunden den Dispokredit aber immer nur vorübergehen nutzen. „Wer ständig im Minus lebt, hat etwas falsch gemacht“, sagt Herbst. Wem die hohen Dispozinsen seiner Bank dennoch ein Dorn im Auge sind, könne zu einem anderen Institut wechseln. „Dabei sollte man allerdings immer das Gesamtangebot im Auge behalten“, erklärt Herbst. Denn niedrige Kontoführungsgebühren, kostenlose Kreditkarten oder viele Geldautomaten seien ebenfalls wichtige Kriterien.

Stiftung Warentest zu Dispozinsen

Bundesverbraucherministerium zu „Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen“

Umfrage zu Dispokrediten

FMH-Infos zu Dispozinsen

Knapp jeder vierte Volljährige (24 Prozent) in Deutschland ist laut einer Umfrage in diesem Jahr schon einmal mit dem Girokonto ins Minus gerutscht. Dabei überzogen weniger Bankkunden in Ostdeutschland (21 Prozent) das Konto als im Westen (24 Prozent), wie aus einer Befragung für das Bundesverbraucherministerium hervorgeht. Überdurchschnittlich oft kam dies bei 30- bis 44-Jährigen mit 32 Prozent vor sowie häufiger bei Männern (26 Prozent) als bei Frauen (21 Prozent). Vom Dispokredit stärker Gebrauch machen laut Umfrage zudem Menschen mit einem höheren Nettoeinkommen von 3000 Euro im Monat oder mehr (31 Prozent). Befragt wurden vom Institut Forsa 1001 Menschen ab 18 Jahre vom 13. bis 16. Juli.