1. Nachrichten
  2. Mehrwert

"Ich traue mich kaum noch ans Telefon"

"Ich traue mich kaum noch ans Telefon"

Eine Triererin ist Opfer von Glücksspiel-Anbietern und Callcentern geworden. Wie kann man sich vor dem Telefonterror der dubiosen Anbieter schützen?

Trier. Sie rufen zu jeder Tageszeit an, selbst abends lassen sie das Telefon klingeln: Gewinnspielanbieter, die oft mit dubiosen Tricks versuchen, den Angerufenen die Teilnahme an einem Gewinnspiel anzudrehen oder ihnen die Bankdaten per Telefon zu entlocken. Gelingt es ihnen, kann das für die Betroffenen teuer werden. Wie zum Beispiel für Ilse G. Die Rentnerin aus Trier hat vor gut einem Jahr Anrufe von Gewinnspielanbietern erhalten und "dummerweise", wie sie heute weiß, ihre Bankdaten preisgegeben. Diese Unachtsamkeit hat sie fast in den Ruin gestürzt. Kurze Zeit später wurden von ihrem Konto Beträge abgebucht von insgesamt sieben unterschiedlichen Anbietern - Gewinnspiele, Glücksspiele, Lotto-Spielgemeinschaften. Zunächst merkt die ältere Frau nichts, erst als ihre Geldkarte gesperrt wird, fällt ihr das Dilemma auf.

Sie geht zur Verbraucherberatung. Mit Hilfe der Experten legt sie Widerspruch ein, bucht das Geld zurück, was noch zurückzuholen ist. Rund 800 Euro hat Ilse G. so verloren, 560 kann sie noch retten.

Für die Rentnerin ist der Telefonterror damit noch längst nicht beendet. "Seitdem werde ich nun täglich mit Anrufen genervt", sagt sie. "Ich traue mich kaum noch, an den Hörer zu gehen, meist ist niemand dran, und wenn, dann wollen die Anrufer mir etwas aufschwatzen." Nach ihrem Widerspruch bekam sie einen Anruf von einem Anbieter, der sie aufforderte, noch einmal 39,90 Euro zu zahlen, weil es Kündigungsfristen gebe. Als sie dann bat, ihr das schriftlich mitzuteilen, blieb das entsprechende Schreiben aus. "Aber einige Tage später meldete sich jemand von einer angeblichen Verbraucherschutz-Organisation und bot mir an, für 69,90 Euro alle Forderungen zu unterbinden", sagt die Frau. Auch das ein Trick, um an das Geld der Seniorin ranzukommen.

Der Fall der Rentnerin ist, wie Renate Schröder von der Verbraucherzentrale Trier weiß, kein Einzelfall: "Wer seine Daten an einen solchen Anbieter zu sorglos weitergegeben hat, muss mit Problemen rechnen." Doch es gibt auch es gibt hier Hilfe. "Wer bei einem Werbeanruf sofort den Hörer auflegt, beseitigt die Störung für den Moment, aber nicht auf Dauer", sagt Schröder. Verbraucher, deren Daten in Umlauf sind, werden erfahrungsgemäß häufig angerufen.

Tipps für Betroffene:

Notieren Sie Datum und Uhrzeit des Anrufs.

Notieren Sie die Rufnummer, die im Display erscheint, oder ob die Rufnummer unterdrückt war.

Notieren Sie den Namen des Anrufenden, den der werbenden Firma und das, was sie anbieten.

Beenden Sie anschließend das Gespräch und schließen Sie keinen Vertrag am Telefon ab.

Geben Sie niemals am Telefon Ihre Bankdaten bekannt.

Wenn Ihre Bankdaten dem Anrufer schon bekannt sind, sollten Sie nach einem solchen Telefonat unbedingt Ihre Konto-Auszüge sorgfältig prüfen und gegebenenfalls Lastschriften von Ihrer Bank zurückbuchen lassen.

Wo gibt es Hilfe?

Bei der Verbraucherzentrale in Trier, geöffnet: Montag und Mittwoch, 10 bis 15 Uhr und Donnerstag, 10 bis 13 Uhr sowie 14 bis 18 Uhr. Terminvereinbarungen unter:0651/48802.

Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen hat folgende Adresse: Nördeltstraße 5, 59872 Meschede, Telefon: 0291/9955206, E-Mail: rufnummernmissbrauch@bnetza.de.

Meinung

Einige schwarze Schafe

Die Callcenter-Branche ist auch in Krisenzeiten eine Wachstumsbranche. Deutschlandweit gibt es knapp 6000 Callcenter, und davon fallen beileibe nur wenige unter die Kategorie "Schwarze Schafe". Doch genau diese prägen das Bild der Branche. Knappe 25 Millionen Gespräche werden von den geschätzten knapp 500 000 Mitarbeitern täglich geführt. Entgegen der verbreiteten Wahrnehmung werden Callcenter in 70 Prozent der Fälle angerufen und bieten Serviceleistungen an. Doch es gibt eben auch die Kehrseite der Medaille. Callcenter, die ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen, extremen Druck auf sie ausüben und Mitarbeiter zu manch illegalem Handeln oder zum Lügen anhalten. Die Leittragenden sind die Verbraucher, oft ältere Menschen, die auf miese Tricks und Maschen hereinfallen. Es ist gut, dass die Bundesnetzagentur ein Auge auf die Callcenter hat. Dass Rufnummern nicht mehr unterdrückt werden dürfen und sogenannte Cold Calls (Werbeanrufe ohne Genehmigung) verboten sind, ist ein Anfang. Doch nun muss die Bundesnetzagentur auch streng darauf achten, dass die Regeln von allen eingehalten werden. h.waschbü sch@volskfreund.de