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Impf-Empfehlungen in der Kritik

Impf-Empfehlungen in der Kritik

Sind ungeimpfte Kinder gesünder als geimpfte? Müssen Kinder überhaupt geimpft werden? Viele Eltern sind ratlos. Impfkritiker raten dazu, nicht wahllos jede Impfung machen zu lassen. Darum geht es im heutigen Teil der TV-Serie.

Das Thema Impfen polarisiert. Auf der einen Seite stehen Ärzte, die ohne Wenn und Aber dafür sind, weil damit womöglich tödlich verlaufende Infektionskrankheiten verhindert werden können. Auf der anderen Seite stehen Impfgegner, die jegliche Impfung ablehnen, weil sie angeblich Kinder schädigen oder gar töten können, die sagen, ungeimpfte Kinder sind gesünder. Und dazwischen stehen verunsicherte Eltern, die nicht wissen, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen oder nicht.
tv-serie impfen


Fest steht: Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland, auch wenn sie immer wieder mal diskutiert wird. Es gibt Impfempfehlungen. Die sind aber nicht verbindlich. Eltern haben also die Möglichkeit, eine oder mehrere Impfungen für ihre Kinder abzulehnen.
"Die Ärzte haben die Pflicht, die Eltern über Risiken und Nutzen einzelner Impfungen ausführlich aufzuklären", sagt der Osteopath Jürgen Schäfer aus Kelberg (Vulkaneifelkreis). Osteopathie ist Teil der Alternativmedizin und steht für eine Therapie, bei der die Behandlung mit bloßen Händen (Manualmedizin) durchgeführt wird.
Schäfer kritisiert, dass viele Eltern von ihren Ärzten unter Druck gesetzt werden, ihr Kind impfen zu lassen. Schäfer ist kein genereller Impfgegner. Er plädiert für "selektive" Impfungen, für Impfungen, die aus seiner Sicht sinnvoll sind.
Schwermetall im Impfstoff


Der Osteopath hält es für bedenklich, dass Säuglinge in den ersten beiden Lebensjahren bereits 36 Impfungen erhalten. Das belaste den Organismus des Babys.
Auch der Verband Unabhängiger Heilpraktiker warnt: "Eine Impfung in zu frühem Alter greift in das noch nicht vollständig ausgebildete Immunsystem des Kindes ein." Viele Impfstoffe enthielten Substanzen wie etwa Eiweiße oder Schwermetalle, die im Körper von Säuglingen nichts zu suchen hätten, sagt Schäfer. Er bezweifelt, dass alle empfohlenen Impfungen für Babys Sinn haben: "Warum soll eine Hepatitis-B-Impfung bei Säuglingen sinnvoll sein?" Obwohl Hepatitis B nur durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen werde und daher die Wahrscheinlichkeit, dass sich Babys infizieren, sehr gering sei, werde die Hepatitis-Impfung von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Auch die Impfung gegen Röteln wird empfohlen. Die mache aber erst Sinn, wenn ein Mädchen im gebärfähigen Alter ist, sagt Schäfer. Röteln während der Schwangerschaft können das ungeborene Kind schädigen, es kann behindert zur Welt kommen oder sterben.
Bundesweite Untersuchung



Schäfer will herausfinden, ob geimpfte Kinder gesünder sind, als ungeimpfte. Im Auftrag der Gesellschaft für Kinderosteopathie leitet er eine bundesweite, vergleichende Impfstudie. Ziel ist es, den Gesundheitszustand von 3000 bis 5000 geimpften und nicht geimpften Kindern zu untersuchen und zu vergleichen (Infos im Internet unter: www.gesellschaft-fuer-kinderosteopathie.de). Er sei selbst gespannt auf das Ergebnis, sagt Schäfer.
Impfgegner kritisieren, dass weder bei der Zulassung eines Impfstoffes noch bei seinem Einsatz überprüft werde, ob Geimpfte tatsächlich seltener erkrankten oder gesünder sind als Ungeimpfte.
Zweifel an Unabhängigkeit


Wenn eine Mutter ihr Baby stille, dann würden die Antikörper der Mutter auf das Kind übertragen, und es sei gegen viele Infektionen, gegen die es auch Impfungen gibt, immun.
Das sagt auch der Konzer Heilpraktiker Johannes Steinbach. Auch er ist kein Impfgegner. Wie Schäfer sagt auch Steinbach, dass die Eltern selbst entscheiden sollten, welche Impfung sie für notwendig hielten. "Einen hundertprozentigen Schutz gegen Infektionen gibt es nicht", sagt der Heilpraktiker. Eine Impfung stelle keinen "Universalschutz" da. Viel wichtiger sei ein gesundes Immunsystem. Mit dazu beitragen könnte viel natürliches Vitamin C, das in Obst oder Gemüse enthalten sei.
Impfkritiker sehen in Impfungen vor allem einen milliardenschweren und lukrativen Markt für Hersteller. Und die hätten Einfluss auf die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission. Viele Mitglieder der Kommission, die aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse empfiehlt, welche Impfung sinnvoll ist, seien nicht unabhängig, seien eng mit Impfstoffherstellern verbandelt, kritisieren Impfgegner. Alle 17 Mitglieder, die in der Regel alle drei Jahre ausgetauscht werden, müssen auf der Internetseite der Kommission Selbstauskünfte über sich geben.
Zusammenhänge


Und in der Tat: Einige der Experten haben für Impfhersteller gearbeitet oder Forschungsarbeiten von ihnen wurden von der Industrie finanziert. Daher seien viele der Impfempfehlungen der Kommission mit Vorsicht zu genießen, warnen Impfkritiker.
Extra

Gelbfieber ist eine Viruserkrankung, die in tropischen Regionen Afrikas und Amerikas vorkommt. Sie wird an Menschen und Affen übertragen, Überträger ist die Aedes Moskito. Es kommt dabei immer wieder zu Krankheitsausbrüchen, denen mit einer Impfung vorgebeugt werden kann. Erste Symptome treten drei bis sechs Tage nach der Infektion auf. In der ersten akuten Phase kommt es zu Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Appetitverlust, Übelkeit und Erbrechen. Nach drei bis vier Tagen bessern sich häufig die Symptome. In manchen Fällen kommt es aber zu wiederkehrendem Fieber, Gelbsucht und Blut im Erbrochenem, dem typischen "schwarzen Erbrechen". Circa 50 Prozent der Patienten, die dieses Stadium erreichen, sterben innerhalb von zehn bis 14 Tagen. Das Problematische dabei: Es existiert keine spezielle Behandlungsmöglichkeit. Aus diesem Grund hilft nur die vorbeugende Impfung, die zu 95 Prozent Schutz bietet. Diese Impfung wird in Deutschland von staatlich zugelassenen Gelbfieberimpfstellen durchgeführt und sollte mindestens zehn Tage vor Antritt der Reise erfolgen. Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten Lebendimpfstoff, der in den Muskel (vorwiegend Oberarm) injiziert wird. Der Impfschutz hält lebenslang und muss nicht mehr wiederholt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind sehr selten, für Kinder unter sechs Monaten ist der Impfstoff nicht zugelassen. Menschen über 60 Jahre sollten nur nach sorgfältiger Prüfung geimpft werden, bei bekannter Allergie gegen Hühnereiweiß darf nicht geimpft werden. Wer in entsprechende Länder mit Impfpflicht reist, erhält die Impfbescheinigung oder bei Befreiung aus Alters- oder Gesundheitsgründen ein international anerkanntes Zertifikat. Die im Ärztenetzwerk Medi Trier zuammengeschlossenen Mediziner haben eine Impf-Woche initiiert. Sie kontrollieren die Impfpässe der Patienten, beraten über sinnvolle Impfungen und notwendige Impfauffrischungen.