In die Gemüsegarten-Zukunft investieren

In die Gemüsegarten-Zukunft investieren

Was dem Geldanleger die Kapitalstreuung, ist dem Gemüsegärtner die Mischkultur. Welche Pflanzen miteinander kombiniert werden, hat Einfluss auf den Ertrag. In einem Anbauplan wird jetzt im Februar festgelegt, was wann, wo und wie lange im Laufe der Nutzgartensaison stehen soll.

Trier. Bohnen können gut mit Kohl, vertragen sich aber beide nicht mit Zwiebeln und Lauch. Was gar nicht geht, sind Erbsen und Bohnen. Spinat dagegen kommt mit allen klar.

Mischkultur nennt sich die Kunst, Pflanzen so zu platzieren, dass sie sich gegenseitig fördern und nicht hemmen. Dazu gibt es Tabellen. Auf den ersten Blick mögen die Kombinationsmöglichkeiten so kompliziert erscheinen wie ein Anlagefond. Bei genauerem Hinsehen lassen sich aber logische Schlussfolgerungen ableiten.

Der regelmäßige Wechsel bringt die beste Rendite



Erstens: Auf Starkzehrer folgen Mittel- und Schwachzehrer. Beete, auf denen zuletzt Gemüsearten mit hohem Nährstoffverbrauch standen, werden nun mit Pflanzen bestückt, die wenig Stickstoff benötigen oder ihn sogar selbst produzieren. Erbsen beispielsweise reichern den Boden mit Stickstoff an. Das Gleiche tun Gründüngungspflanzen wie Phacelia. Man sät sie gerne auf ausgezehrten Feldern aus. Solche Nährstoffanreicherer sind die idealen Vorgänger oder Nachfolger von "hungrigem" Kohl und Kürbis. Baut man auf einem Beet dagegen zweimal in Folge Starkzehrer an, wie Zucchini auf Tomaten, fehlt es den Früchten an Saft und Kraft. Die Ernte fällt magerer aus.

Zweitens: Ein Wechsel zwischen Tief- und Flachwurzlern sowie wurzelarmen und wurzelreichen Pflanzen fördert den Ertrag. Alle Rübengewächse wie Möhre und Schwarzwurzel wurzeln tief. Lauch und andere Zwiebelgewächse dagegen bilden ein flaches, faseriges Wurzelgeflecht. Der Klassiker sind Möhren und Zwiebeln im Reihenwechsel. Im Geschäftsleben hieße das "win-win"-Situation. Beide gewinnen, weil sie sich gegenseitig die Möhren- beziehungsweise Zwiebelfliege vom Leib halten.

Drittens: Bodenschädlingen und Krankheiten versucht man vorzubeugen, indem man deren Feindpflanzen einschaltet. Als wirkungsvollster Schädlingsvertreiber gilt Knoblauch. Ringelblumen und Tagetes sät man zur Bodenverbesserung zwischen Nutzpflanzenreihen, um Fadenwürmer fernzuhalten. Kapuzinerkresse soll Kohlweißlinge vom Kohl abziehen. Als essbare Blumen haben sie weitere Vorteile.

Viertens: Blumige Farbtupfer machen sich gut zwischen grünem Gemüseallerlei. Die Rendite zahlt sich bereits im Jahr der Investition mehrfach aus: Das Auge isst mit, und die essbaren Blüten eignen sich zum Garnieren von Speisen. Dekorative Nutzpflanzen, zu denen viele Kräuter zählen, sind in jedem Fall eine zukunftsfähige Investition. Immer mehr Gemüsegärten werden in schmuckvolle Küchengärten umgestaltet. Die "Nutz-Zierde" funktioniert schon auf kleinstem Raum. Minigemüsegärten im Weidenkarree oder als Topfkultur auf dem Balkon liegen im Trend.

Fünftens: Wie an der Börse wird zeitweilig auf bestimmte Kulturen gesetzt. Von den meisten Gemüsearten gibt es spezielle Früh-, Sommer- und Herbst- oder Wintersorten. Im Anbauplan legt man daher auch fest, wer welche Schicht im Garten übernimmt. Während über Folgesaaten oft spontan im Laufe der Saison entschieden wird, sollte die grundsätzliche Planung stehen. Neben praxisbewährten Arten spekuliert man gerne mit Neuheiten. Insider raten zu wiederentdeckten alten Gemüsesorten wie Rüben, Pastinaken und Puffbohnen. Gewinne wirft der Garten in jedem Fall ab: Denn in seinem immateriellen Wert ist selbst gezogenes Gemüse unbezahlbar.

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