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Jeder kann mit kleinen Tricks zahlreiche Wildbienen anlocken.

Tiere : Wunderschön und schützenswert

Tierfreunde im Volksfreund: Im Jahr der Artenvielfalt 2020 geben Experten der NABU Regionalstelle Rheinland-Pfalz-West in unserer Serie „Zurück zur Natur“ Tipps zu ausgewählten Themen, was TV-Leser tun können, um den Tier- und Pflanzenarten zu helfen.

() Bei dem Wort „Biene“ denken die meisten Menschen sofort an die Honigbiene. Dabei gibt es allein in Deutschland über 560 Wildbienenarten, mit einer immensen Farb- und Formenvielfalt. Die meisten Wildbienenarten leben alleine, also solitär, und bilden keine Staaten aus. Etwa 75 Prozent nisten im Boden, die übrigen legen sogenannte Brutzellen an, meist in Pflanzenhalmen oder Fraßgängen im Holz. Zwar besitzen einige Wildbienen einen Stachel, sie sind aber im Allgemeinen sehr friedliche Artgenossen.

„Wildbienen sind nicht nur wunderschöne Beobachtungsobjekte, sondern auch wichtig für den Menschen“, berichtet Sarah Peters von der Nabu Regionalstelle Rheinland-Pfalz-West (RLP-West) in Trier. Wildbienen sind effektive Bestäuber von Wild- aber auch von Nutzpflanzen. Sie übernehmen einen Großteil der für die Nahrungsmittelproduktion wichtigen Bestäubung.

Über die Hälfte der Wildbienenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Ihr Rückgang hält weiterhin an, vor allem aufgrund des Verlustes geeigneter Lebensräume und Nahrungsquellen. Sarah Peters gibt Wildbienenfreunden folgende Tipps:

Nahrung schaffen! Eine Auswahl geeigneter Blühpflanzen, die von Frühjahr bis Herbst verfügbar sind, unterstützen die Wildbienen bei der Nahrungssuche. Es sollten der Blühzeit entsprechend und vor allem heimische Arten wie Obstbäume, Sträucher und Stauden angepflanzt werden. Eine Wildblumenwiese im Garten bietet den Wildbienen ebenso wie bepflanzte Kübel und Kästen auf dem Balkon ein zusätzliches Nahrungsangebot.

Nisthilfen aufhängen! Eine beliebte Möglichkeit, den Wildbienen einen Lebensraum zu schaffen, sind Nisthilfen aus Holz. Diese lassen sich einfach selber bauen oder auch fertig kaufen. Nisthilfen sollten aus unbehandelten, getrockneten und harten Laubhölzern wie Buche, Eiche oder Kirsche bestehen, zudem können auch Pflanzenstängel, wie Schilfröhren oder Brombeerzweige genutzt werden. Andere Varianten sind Nisthilfen aus Ton oder Lehm. Egal, welche Nisthilfe verwendet wird, diese sollte sonnig, regengeschützt und stabil platziert werden.

Erdhaufen anlegen! Ein Großteil der Wildbienen nistet im Boden und benötigt geeignete Brutplätze wie Sandhaufen oder Nisthänge. Wer solche Lebensräume schaffen möchte, kann bei sandigem Boden an sonniger Stelle Bewuchs und Humusschicht entfernen. Auf ebenen Geländen kann zudem ein Nisthang aus einem Sand-Erdgemisch angelegt werden. Auch kleine Steilkanten oder Abbruchkanten mit vertikalen Strukturen sind für erdnistende Wildbienenarten gut geeignet. All diese Flächen sollten vor vermehrtem Bewuchs geschützt werden, um eine Besiedlung durch Wildbienen zu ermöglichen. Auch große mit ungewaschenem Sand gefüllte Blumenkästen oder Balkonkästen mit Abflusslöchern und einer Tiefe von mindestens 30 Zentimetern werden von einigen Arten besiedelt.

Garten gestalten! Naturnahe Gärten sind für unsere heimischen Arten ein attraktiver Lebensraum. Auch Wildbienen fühlen sich in einem naturnahen Garten, in dem ausreichend Nahrung und Lebensraum vorhanden ist, wohl. Totholzecken, bepflanzte Trockenmauern und flache Wasserstellen bieten den Wildbienen wichtige Lebensgrundlagen. Zudem sollte auf giftige Spritzmittel im Garten verzichtet werden, um den Tieren nicht zu schaden. „Mit einigen kleinen Maßnahmen im Garten oder auf dem Balkon kann man den Wildbienen helfen und als Belohnung diese faszinierenden Tiere, angefangen mit den Mauerbienenarten im Frühjahr (siehe Foto links), viele Monate lang beobachten“, erklärt Sarah Peters von der Nabu Regionalstelle RLP-West begeistert.

Die Mauerbienen u.a. Rote oder Gehörnte Mauerbiene gehören mit zu den ersten Wildbienenarten im Jahr, die sich aus ihren Nisthöhlen freigraben und auf Nahrungssuche gehen. Die Wildbienenmännchen, gut zu erkennen an ihren weißen „Bärtchen“, verlassen den Brutplatz als erstes und warten auf die Weibchen. Foto: NABU/Peter Brixius

Weitere Informationen, Bauanleitungen, Nisthilfen und Pflanzenlisten gibt es bei der Nabu Regionalstelle RLP-West, Pfützenstr. 1, 54290 Trier, Telefon 0651-1708819, regionalstelle.west@nabu-rlp.de