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Jeder kann seine Anfälligkeit für Herzrhythmus-Störungen ertasten.

Gesundheitskolumne : Wenn das Herz aus dem Takt kommt

Legen Sie Zeige- und Mittelfinger auf die Unterseite des Handgelenks. Ertasten Sie den Puls und schauen Sie hierbei 30 Sekunden auf die Uhr. Verdoppeln Sie anschließend die Summe der von Ihnen gezählten Schläge.

So ermitteln Sie Ihre persönliche Herzfrequenz und erhalten – quasi aus erster Hand – einen ersten Hinweis, ob bei Ihnen ein Vorhofflimmern vorliegen könnte. Ist Ihr Puls deutlich erhöht, liegt er also über 100, und schlägt Ihr Herz unkoordiniert, spricht einiges für diese weit verbreitete Herzrhythmusstörung.

Laut Deutscher Herzstiftung leiden hierzulande rund 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern. Tendenz steigend, denn das Risiko steigt mit dem Alter. Obendrein ist die Dunkelziffer hoch, da sich bei jedem zweiten Betroffenen keine Symptome zeigen, weshalb viele nicht ahnen, dass ihr „Motor des Lebens“ bereits stolpert. Was wiederum in der Natur des faustgroßen Hohlmuskels liegt, dessen Schläge man nur in Ausnahmefällen spürt, beispielsweise nach sportlichen Anstrengungen oder bei besonderen psychischen Belastungen.

Spüren und wissen die Betroffenen, dass ihr Herz aus dem Takt geraten ist, empfinden sie dies meist als unangenehm und bedrohlich. Tatsächlich ist die Rhythmusstörung als solche oft ungefährlich, was jedoch kein Grund zur Entwarnung sein darf. Denn bei vielen Patienten führt das Flimmern über kurz oder lang zu Blutgerinnseln, die in jedem fünften Fall in einen Schlaganfall münden – mit allen Folgen, von Pflegebedürftigkeit bis vorzeitigem Versterben.

Die gute Nachricht: Das Vorhofflimmern in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen lässt sich in aller Regel gut behandeln. Die Therapie umfasst drei Säulen: Neben dem Einsatz von Gerinnungshemmern zur Prophylaxe von Gerinnseln sowie der Gabe von Medikamenten, welche die Herzfrequenz senken helfen, geht es darum, das Herz wieder in einen gleichmäßigen Rhythmus zu bringen. Dies gelingt in vielen Fällen durch eine Ablationsbehandlung.

Je nach Befund und Patient fällt die Therapie individuell sehr unterschiedlich aus, doch in jedem Fall sollte sie von einem Experten vorgenommen werden. Unbehandelt jedoch kann das Vorhofflimmern zur lebensbedrohlichen „Taktlosigkeit“ werden. Sie haben es mit in der Hand, der Rhythmusstörung früh auf die Schliche zu kommen. Legen Sie Zeige- und Mittelfinger auf die Unterseite …

Privatdozent Dr. med. Frederik Voss ist Chefarzt der Rhythmologie im Herzzentrum Trier des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier.