1. Nachrichten
  2. Mehrwert

Käufer darf Montagsauto zurückgeben - Saarburger Anwalt erstreitet Entscheidung gegen Autobauer

Käufer darf Montagsauto zurückgeben - Saarburger Anwalt erstreitet Entscheidung gegen Autobauer

Wer einen Neuwagen kauft, der geht davon aus, dass er die ersten Jahre vor Reparaturen verschont bleibt. Ein Mann aus dem Saarland machte allerdings andere Erfahrungen. Ständig gab es neue Mängel an dem Auto. Nach langem hin und her, darf er es zurückgeben.

35 000 Euro hat er für seinen neuen Mercedes A 200 bezahlt. Doch viel Freude hat der Saarländer nicht an seinem Wagen. Drei Wochen, nachdem er das Auto zugelassen hatte, musste er zum ersten Mal in die Werkstatt. Grund: Reifengeräusche und Lackschäden an der Motorhaube. Die Reparatur erfolgte auf Garantie. Vier Monate späte, der nächste Werkstattbesuch unter anderem wegen Geräusche der Vorderachse beim Rangieren. Weil der Mann in Luxemburg arbeitete, ließ er sein Auto dort auf Garantie reparieren. Zwei Monate später dann wieder ein Besuch in der gleichen Werkstatt. Grund dieses Mal: ein Klackern des Motors, ungewöhnliche Geräusche beim Scheibenwischen und das dauerhafte Leuchten einer Airbag-Leuchte. Die beiden letzten Mängel wurden behoben, die Motorgeräusche blieben. Wieder zwei Monate später gab es Probleme mit der Gurtverstellung, die Werkstatt erneuerte einen Gurt. Doch damit endete noch immer nicht die Pannenserie. Wieder zwei Monate später kam der Wagen erneut in die Werkstatt, weil die Kontrolllampe des Auffahrassistenten aufleuchtete und der Motor noch immer unerklärliche Geräusche von sich gab. In der Werkstatt wurde eine neue Software für das Auto aufgespielt, doch die Geräusche blieben. Als nach noch zweimaligen erfolglosen Werkstattbesuchen das Klackern nicht behoben werden konnte, verlangte der Mann von Mercedes, den Wagen über ein Jahr nach dem Kauf zurückzunehmen. Doch der Autobauer lehnte ab. Begründung: Bevor der Kaufvertrag aufgelöst werden könne, müssen laut Gesetz etwaige Mängel mindestens zwei Mal nachgebessert worden sein. Das, so Mercedes, sei in dem Fall nicht so gewesen. Die Motorgeräusche seien lediglich durch eine neue Software versucht worden zu beheben. Eine weitere Nachbesserung dieses Mangels sei aber nicht erfolgt, teilte die Anwältin der Werksniederlassung des Autobauers mit.
Daraufhin zog der Mann vor Gericht. Sein Anwalt Gerd Müller aus Saarburg reichte Klage beim zuständigen Landgericht in Saarbrücken ein. Mercedes habe trotz mehrerer Nachbesserungsversuche die Motorgeräusche nicht in den Griff bekommen, daher bestehe ein Anspruch auf Auflösung des Kaufvertrages begründete er die Klage.
Das Gericht gab dem Wagenbesitzer recht. Er habe mehrfach der Werkstatt Gelegenheit gegeben, die unklaren Motorgeräusche zu beseitigen. Daher sei seine Klage berechtigt. Der Richter regte an, dass sich die Parteien außergerichtlich einigten.
Mercedes ging darauf ein. Der Mann konnten seinen Wagen eineinhalb Jahre nach Kauf zurückgeben.
Der ADAC kennt solche Fälle zu Genüge. Rechtsexperten des Automobilclubs sprechen von sogenannten Montagsautos: "Ein Montagsauto liegt vor, wenn Ihr Fahrzeug immer wieder neue - auch kleinere - Mängel aufweist,so dass Sie das Vertrauen in das Fahrzeug verlieren." Auch bei einem solchen Montagsauto müsse man sich nicht dauerhaft mit derReparatur abfinden, so der ADAC.
Der Bundesgerichtshof hatte in einem ähnlichen Fall im Frühjahr dieses Jahres entschieden, dass eine vorherige Reparatur eines fehlerhaften Neuwagens eine spätere Rückgabe nicht ausschließe. Dabei sei es unerheblich, ob die Mängel nur geringfügig seien. Der Käufer eines Neuwagens könne grundsätzlich erwarten, dass Nachbesserungen dazu führen, dass das Auto wieder dem fabrikneuen Zustand entspreche (AZ VIII ZR 374/11).Extra

Ein zu hoher Spritverbrauch bei Autos kann zur Rückgabe des Neuwagens berechtigen. Verbraucht ein Neuwagen mehr als zehn Prozent mehr Kraftstoff als vom Hersteller angegeben, kann der Käufer das Auto zurückgeben. Darauf weist der Auto Club Europa (ACE) hin. Bei entsprechendem Mehrverbrauch liege ein Sachmangel vor, der den Halter dazu berechtige, vom Kauf zurückzutreten. So urteilten unter anderem bereits das Oberlandesgericht Hamm (Az.: 28 U 94/12, 4 O 250/10) und der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Az.: VIII ZR 19/05). "Im Streitfall müsste nachgewiesen werden, dass der Wagen unter Laborbedingungen tatsächlich mehr verbraucht", sagte ACE-Justiziar Volker Lempp. dpa