Kampf dem Kater

Ein Esslöffel Öl, Rollmops oder Konterbier: Was hilft wirklich, wenn es auf der Karnevalsfeier ein Glas zu viel war?

Aachen/Berlin (dpa) Der Schädel brummt, man fühlt sich matt: Wer abends viel Alkohol trinkt, muss morgens mit einem Kater rechnen - so wie viele Jecken im Karneval. Schon in der TV-Ausgabe vom 23. Februar gab der Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tababatai Tipps zum gesunden Umgang mit Alkohol. Doch was tun, wenn es dann doch das ein oder andere Glas zu viel war? Gut, dass fast jeder ein paar Tipps gegen Kater kennt. Doch nicht jeder Ratschlag hilft.

Vor der Feier einen Esslöffel Öl schlucken.
Das kann helfen. Es sei möglich, dass durch den Ölfilm etwas weniger Alkohol ins Blut gelangt, erklärt Internist Ivo Grebe. Der Mediziner sagt das bewusst zurückhaltend. "Es fehlt der wissenschaftliche Beweis." Sein Resümee: Schaden könne es nicht. Es sei sogar eher gut.

Nach der Feier und vor dem Schlafengehen viel Wasser trinken.
Dieser Tipp hilft. Mineralwasser versorgt den Körper mit Flüssigkeit. Und es hilft dabei, das Magen-Darm-System gewissermaßen zu spülen. Denn von dort gelangt der Alkohol in die Blutbahn. Zwar wird der Alkohol im Blut so auch nicht schneller abgebaut, aber immerhin kommt weniger neuer Alkohol ins Blut. Auch nach dem Aufwachen sollte man weiter genügend Wasser trinken. Saft ist nicht zu empfehlen. Grebe: "Der könnte die Magenschleimhaut weiter reizen."

Vor der durchzechten Nacht eine "gute Grundlage" durch gehaltvolles Essen schaffen.
Hilft bedingt, sagt der Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai vom Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin. Bei Nüchternheit habe der Magen ja nichts anderes zu tun als Flüssigkeiten schnell zu resorbieren, beim Essen verzögere und "verteile" es sich besser. "Wenn ich aber Unmengen Alkohol in mich hineinschütte, hilft Essen auch nicht mehr."

Ein Bier am Morgen vertreibt den Kater.
Scheint zu helfen. Hilft aber nicht wirklich. "Es gibt einen kurzfristigen Kick", sagt Grebe. Das Katergefühl verschwindet für kurze Zeit. Doch es kommt wieder. "Sonst müsste man ja immer weiter trinken", sagt der Mediziner, der Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) ist. Darius Chahmoradi Tabatabai ist noch pessimistischer: "Bier hilft gar nichts", sagt er.

Eine Kopfschmerz-Tablette einwerfen.
Hilft in der Regel. Entscheidend sei, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthalten ist. Dieser bekämpft laut Grebe die Symptome des Katers wie Kopfschmerzen und das Gefühl körperlicher Abgeschlagenheit. "Wenn man sie aus ärztlicher Sicht einnehmen darf, spricht nichts dagegen", sagt er. Er rät dazu, zu Brausetabletten zu greifen, die man in Wasser auflöst. Die seien besser verträglich und wirken auch schneller. Zu Paracetamol sollten Verkaterte dagegen besser nicht greifen. Es wird nämlich in der Leber über das gleiche Enzym abgebaut wie Alkohol, so dass man das Organ doppelt belasten würde. Darauf weist die Stiftung Kopfschmerz aus Marburg hin.

Rollmops essen.
Wahrscheinlich der Kater-Tipp schlechthin. Grebe hält davon aber wenig. Allerdings rät er, nach dem Aufstehen etwas zu essen - auch wenn man wenig Appetit hat. "So bekommt der Magen etwas zu tun." Wer dann Rollmops essen mag, könne das gerne tun, sagt Grebe. "Das dürften allerdings die wenigsten sein." Darius Chahmoradi Tabatabai würde auf Salziges setzen: "Alkohol bewirkt im Körper eine erhöhte Wasserausscheidung. Dabei gehen auch Blutsalze verloren." Salzige Lebensmittel helfen, den Haushalt wieder aufzufüllen. Ihm zufolge reicht dafür aber eigentlich die normale Ernährung. "Salzstangen kommen ins Spiel, wenn der Magen noch gereizt ist." Auch ein Durstgefühl sei natürlich, weil der Körper Wasser verloren hat.