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Karriere Berater

Martin Wehrle.Foto: privat
Martin Wehrle.Foto: privat
Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie", schrieb der US-Autor Truman Capote.

Tatsächlich gibt es Mitarbeiter, für die sich Kreativität darin erschöpft, der Spesenabrechnung noch ein paar Kilometer anzudichten. Dabei können gute Ideen der Schlüssel zu vielen Herausforderungen sein. Ließe sich der Musenkuss doch anlocken! Er lässt sich. Erste Voraussetzung: Das Klima muss angstfrei sein. Wer bei der Frage nach Lösungsvorschlägen meint, dass er nicht alles sagen darf, was er denkt, der läuft Gefahr, auch nicht alles zu denken, was er sagen dürfte. Er hat eine Schere im Kopf, seine Kreativität wird beschnitten durch die Furcht, kritisiert oder ausgelacht zu werden. Aber nicht nur die äußeren Kritiker, vor allem die inneren bremsen die Kreativität aus. Ein wirksames Gegenmittel ist die Walt-Disney-Technik. Schlüpfen Sie in drei verschiedene Rollen: die des Träumers, des Realisten und des Kritikers. In der Träumer-Phase dürfen Sie spinnen: Welche Möglichkeiten und vor allem Unmöglichkeiten gibt es, ein Problem zu lösen? Phantasieren Sie, stellen Sie Bewährtes infrage, kühne Verbindungen her, die Welt auf den Kopf - ganz aus dem Bauch, nicht aus dem Kopf heraus. In der zweiten Phase nehmen Sie die Rolle des Realisten ein: Prüfen Sie die Ideen des Träumers so, als hätte Sie ein schwieriger Auftraggeber engagiert, diese Pläne umzusetzen. Welche Ansätze sind gut? Wie lassen sie sich weiterentwickeln? Wo sehen Sie die Brücke zwischen Kreativität und Realität? Und schließlich nehmen Sie die Rolle des Kritikers ein: Was ist wirklich dran an den Ideen? Welche sind ein Fall für den Papierkorb? Und bei welchen lohnt es sich, sie umzusetzen? Welches sind die Vor-, welches die Nachteile? Halten Sie die einzelnen Rollen streng auseinander (vor allem der Träumer darf nie kritisiert werden!). Diese Übung funktioniert im Team, wenn sich alle an die Phasen halten, aber auch im Alleingang. Platzieren Sie dann drei Stühle im Raum, setzen Sie sich für jede Rolle auf einen anderen. Das erleichtert die Rollenwechsel - und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Muse Sie küsst. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Bin ich hier der Depp?: Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen", Mosaik, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne