KArriere Berater

Man kennt das ja aus Boxerfilmen: Wer im Ghetto steckt, muss kämpfen wie verrückt, ehe er zum Champion wird. Der Ausbruch aus dem Gehalts-Ghetto ist kaum leichter: Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gelingt dieser Sprung mit der Zeit nur jedem achten Niedriglöhner.

Das alte Gehalt kann beim Wechsel die Eisenkugel am Bein sein, den Sprung in eine höhere Gehaltsklasse verhindern; mehr als 15 bis 20 Prozent plus sind selten drin. Kein Trost für denjenigen, der vorher 30 Prozent unter Marktwert lag. Lässt sich diese Eisenkugel abschütteln, indem Sie im Vorstellungsgespräch Ihr Gehalt ein wenig frisieren? Solche Übertreibungen sind nicht gestattet, sofern Sie eine Position anstreben, die mit Ihrer alten zu vergleichen ist. Wer bislang als Bankkauffrau am Schalter saß und sich nun für eine Schalter-Position bewirbt, muss auf Heller und Cent ehrlich sein. Freier sind Sie beim Wechsel in ein neues Tätigkeitsfeld. Wenn die Bankkauffrau sich als Verkäuferin von Finanzprodukten bewirbt oder wenn sie eine Filiale leiten will, sind Tätigkeit und Gehalt nicht vergleichbar. Nun steht ihr das Recht zu, bei der Höhe des alten Gehaltes zu schwindeln. Das kann sinnvoll sein, weil eine schlechte Bezahlung sonst nicht nur die Gehalts chancen verdirbt, sondern auch peinliche Fragen aufwirft; aus Mini-Gehältern wird oft auf Mini-Leistungen geschlossen. Aber was tun, damit der Schwindel nicht beim Anblick der Lohnsteuerkarte herauskommt? Zum Beispiel kann es ja sein, dass Sie am Jahresende noch eine Prämie von ein bis zwei Monatsgehältern bekommen hätten. Oder vielleicht können Sie zufällig erst zum 1. Januar des kommenden Jahres wechseln - praktischerweise mit neuer Lohnsteuerkarte. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne