KArriere Berater

Von Kurt Tucholsky, lange in Paris ansässig, stammt das Bonmont: "Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen da gewesen sind." Der deutsche Bewerber hat\'s schwerer: Die Fehler der Landsleute entschuldigen die seinen nicht.

Er muss sich vor der Bewerbung schlau machen, welche Sitten in einem Land gelten. Wahr ist: Eine Bewerbung besteht überall aus Anschreiben und Lebenslauf. Aber das war\'s auch schon an Gemeinsamkeit. Ob Bewerberfoto, ob Zeugnisse, ob Stapel von Zertifikaten - all das ist jenseits von Garmisch und Flensburg eher verpönt als gefragt. Hier ein paar Tipps, die ich in Gesprächen mit ausländischen Personalern immer wieder höre: Frankreich: Ein Bewerbungsbrief per Hand? Was in Deutschland ein Witz wäre, ist in Frankreich oft gefragt. Der Lebenslauf kommt formloser daher: ohne Überschrift, ohne Unterschrift, ohne Datum. Und statt die Unterlagen in einer Mappe zu verschicken, lieben es die Franzosen rustikal: Unterlagen falten, rein in den Umschlag - und ab geht die Post. England: In England stehen Empfehlungsschreiben hoch im Kurs. Fragen Sie Ihren Lieblingsprofessor, ihre Ex-Chefs oder Geschäftspartner, ob sie ein Loblied für Sie komponieren (Englisch, sonst mit Übersetzung)! Häufig haken die Firmen per Telefon nach. Hochschulabsolventen haben von September bis Oktober Saison; danach wird kaum mehr eingestellt. USA: Unterlagen ungeprüft zurückbekommen? Das passiert, wenn Ihr Lebenslauf persönliche Details enthält; die Unternehmen fürchten Diskriminierungsklagen. Verzichten Sie auf Angaben zu Alter, Geschlecht, Familienstand, Kinderzahl, Religion, Gesundheit, Gehalt, Charakter und so weiter. Im Vorstellungsgespräch sollten Sie locker, von sich selbst überzeugt und mit viel Begeisterung für die Firma auftreten. In China zählt eher Bescheidenheit: Man trommelt nicht mit seinen Erfolgen, man lässt sie höchstens nur aufblitzen. Holland ist das einzige Land in Europa, wo der Lebenslauf auch mal länger als zwei Seiten sein darf. Und im titelversessenen Österreich müssen Sie Ihre Gesprächspartnerin gegebenenfalls als Frau Magister ansprechen - sonst kann der Herr Bewerber einpacken … Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne